Extraction-Shooter-Erfolg oder gescheitertes «Destiny»-Nachfolgeprojekt? Unser Test zeigt, ob Bungies neuer Shooter zündet. Oder ob «Marathon» am Ende doch über seine eigenen Ambitionen stolpert.
Mein Rucksack ist prall gefüllt, meine Schild- und Lebensenergie sind niedrig. Der Munitionsvorrat ist beinahe aufgebraucht. Ich will nicht alles verlieren, also sprinte ich gemeinsam mit meinen Kollegen zum nächsten Extraktionspunkt. Doch noch bevor einer von uns den Mechanismus auslösen kann, taucht ein anderes Team auf. Die Kugeln pfeifen uns um die Ohren.
Während meine Kollegen die Marodeure in Schach halten, aktiviere ich die Extraktion. Dann geschieht das Drama: Ein Teamkamerad nach dem anderen fällt – und ich als Letzter. Kriechend rette ich mich noch in den Portalkegel und werde in letzter Sekunde gerettet. Das Herz pocht. Ich bin glücklich, brauche aber eine Pause.
Es sind diese Momente, die „Marathon“ besonders und spielenswert machen. Doch der Weg dorthin ist steinig. Bereits im Ersteindruck bemängelte ich die schlimme Benutzeroberfläche und das viel zu komplizierte Onboarding. An diesen Problemen hat sich nichts geändert, und deshalb ist „Marathon“ weiterhin nicht massenkompatibel, sondern nur ein Extraction-Shooter für all jene, die bereit sind, Geduld und Mühe in das Spiel zu stecken.
Alleine, mit Freunden oder mit Randoms?
Ohnehin hing die Spielerfahrung stark von den eigenen Möglichkeiten ab: Am besten funktioniert „Marathon“ mit einer festen Crew. Denn das Erforschen der drei zum Release veröffentlichten Maps erfordert ein gerütteltes Maß an Koordination und Abstimmung. Dazu sorgt das gemeinsame Erleben virtueller Nahtoderfahrungen für besonderen Zusammenhalt. Die Interaktion funktioniert mit Freunden klasse: vom gegenseitigen Wiederbeleben bis zum Koordinieren von Beute. „Marathon“ ist überaus „sozial“ ausgelegt und belohnt auch Teamwork verstärkt.
Mit Randoms auf der anderen Seite wird der Extraction-Shooter zum Glücksspiel. Hier läuft die Kommunikation aus meiner Erfahrung in erster Linie über Pings und Gesten, die wenigsten Spieler haben den VOIP-Chat aktiviert. Ich erlebte alle Extreme: zufällige Teams, die sich blind verstanden und gemeinsame Ziele verfolgten. Aber es gab auch immer wieder Runden, in denen sich das Team gleich zu Beginn in alle Richtungen verstreute und ich am Ende froh war, meine eigene Haut zu retten.

Als Solo-Spieler – beispielsweise mit der dafür ausgelegten Rook-Klasse – fällt natürlich das Teamwork weg, und stattdessen wird „Marathon“ zum Überlebenskampf. Schließlich kann jeder Fehler der letzte sein. Gerade im PvP gibt es aufgrund der unterschiedlichen Loadouts gerne mal ein Ungleichgewicht zwischen den Opponenten. Und genauso oft kommt Ärger auf, weil man Snipern oder auch UESC-Gruppen schneller zum Opfer fällt.
Das spielt sich gut!
Grundsätzlich präsentiert sich „Marathon“ nach 25+ Stunden im Test nach dem Release am 5. März 2026 als ebenso spannender wie handlicher Extraction-Shooter. Ja, der Grafikstil ist gewöhnungsbedürftig und mitunter auch hinderlich, aber er verleiht Bungies Actionspiel auch eine eigene Identität.
Mir aber gefallen zwei Dinge besonders gut: Gunplay und Movement. „Marathon“ fühlt sich griffig und ebenso wuchtig an. Wenn ich die Truppen der UESC mit saftigen Salven eindecke, dann fliegen die Funken. Dass mein Gegenüber auch wirklich Geschichte ist, zeigt mir schließlich ein transparenter Totenkopf an. Menschliche Gegner krauchen zunächst auf dem Boden herum. Der finale Stoß mit dem Messer und das anschließende Plündern sind herrlich befriedigend.
Ich spielte mit Vorliebe den Vandal. Mit seinen Doppelsprüngen und dem Boost wechsle ich schnell die Position und konnte mich so auch immer wieder aus dem Staub machen. Aktionen wie Klettern und Slides tragen zur Dynamik des Spiels bei. Einzig bei der Interaktion mit Objekten hakt es bei „Marathon“ gelegentlich noch. Egal ob beim Aufheben von Objekten oder beim Erklimmen von Leitern – hier kam es gelegentlich zu Problemen.

Progression und Lore
Neben dem Sammeln von Beute und dem Aufrüsten des eigenen Charakters steht das Erledigen von Aufträgen im Vordergrund. „Marathon“ präsentiert zu diesem Zweck sechs Großkonzerne mit unterschiedlichen Interessen und Wünschen an euch. Durch die Aufträge gibt es so etwas wie einen roten Faden innerhalb der Runden und ein Ziel, das ihr verfolgen könnt. Denn mit dem Erledigen von Jobs schaltet ihr auch neue Fertigkeiten und Perks frei. Im Gegensatz zum Loadout sind diese Upgrades dauerhaft und gehen nicht verloren.
Zugegeben, so wirklich spannend und abwechslungsreich sind diese Missionen nicht: Vom Bedienen bestimmter Terminals über das Sammeln von Ressourcen bis zum Besiegen bestimmter Gegner ist alles dabei, was das Extraction-Genre hergibt. Dennoch vermittelt „Marathon“ ein gutes Gefühl für den eigenen Spielfortschritt und verbindet diesen auch sinnvoll mit der Hintergrundgeschichte, die insgesamt doch spannender daherkommt als zunächst befürchtet.
Die Individualisierungsoptionen sind derweil noch ein kleines Sorgenkind. Zwar erlaubt das Spiel eine Menge Einstellungsmöglichkeiten dank Waffen-Mods und anderer Extras, zugleich macht das Item-Geschubse in den umständlichen Menüs nur wenig Freude und ist dank häufiger Info-Texte und teils kryptischer Hinweise wenig motivierend. Die Einbindung des „Prämienpasses“ inklusive Premium-Währung LUX fällt in diesem Fall eher weniger ins Gewicht.
Die Testzeit mit „Marathon“ war eine Achterbahnfahrt: Der Einstieg war eher zäh und träge. Sobald ich dann aber drin war, überzeugten mich Gameplay, Progression und auch Setting. Und gegen Ende raus fehlte es mir dann an Substanz und Abwechslung. Doch daran wird Bungie in den kommenden Wochen noch weiter feilen.
Hinweis: Bei der folgenden Bewertung handelt es sich um ein vorläufiges Ergebnis. Der Score kann sich noch ändern, aber nicht zwingend.
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