«Nur Spuren entscheiden»

Wurde Kurt Cobain getötet? Mark Benecke äußert sich

Aktualisiert am 11.02.2026 – 23:54 UhrLesedauer: 4 Min.

Forensiker Mark Benecke (Archivbild): Der Experte ordnet die Suchmaßnahmen im Vermisstenfall Rebecca Reusch ein.Vergrößern des Bildes

Kriminalbiologe Mark Benecke (Archivbild): Er ordnet die Ergebnisse der Forensiker ein. (Quelle: Benecke.Com)

Mit neuen Untersuchungen rückt der Tod von Kurt Cobain erneut in den Fokus. Forensiker Mark Benecke sagt: Nur Spuren entscheiden, niemals Meinungen.

Seit mehr als 30 Jahren ist Kurt Cobain tot. Im April 1994 war der Sänger der Band Nirvana leblos in seinem Haus in Seattle aufgefunden worden. Die Behörden kamen zu dem Schluss, dass er sich mit einer Flinte das Leben genommen habe. An dieser Bewertung hält das zuständige King County Medical Examiner’s Office im US-Bundesstaat Washington bis heute fest. Doch private Forensiker haben den damaligen Autopsiebericht erneut ausgewertet – und erheben Zweifel an der Todesursache von Kurt Cobain.

Drei Jahrzehnte nach dem Tod des Nirvana-Sängers werden die Annahmen zu den Todesumständen auf den Kopf gestellt. Das Team um Forensiker Brian Burnett und Forscherin Michelle Wilkins kommt zu dem Ergebnis, dass Cobain zum Zeitpunkt des tödlichen Schusses bereits handlungsunfähig gewesen sei. Im «International Journal of Forensic Sciences» (IJFSC) legen sie das auf 35 Seiten in ihrem Beitrag «A Multidisciplinary Analysis of the Kurt Cobain Death» dar.

Wilkins verweist auf die im Bericht dokumentierte Nekrose von Gehirn und Leber, also das Absterben von Zellen noch vor Eintritt des Todes. Diese deute eher auf Sauerstoffmangel infolge einer Heroinüberdosis hin als auf einen sofortigen Tod durch eine Schussverletzung. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: «Dies ist ein Homizid» – also ein Mord oder ein Totschlag.

Der Kriminalbiologe Mark Benecke befasst sich schon länger mit dem Todesfall der Musiklegende: Er habe in der Vergangenheit schon beklagt, es müsse mal das Material ordentlich zusammengestellt werden: wie eine Akte, gut aufgebaut, mit Bildern in entsprechender Qualität. Der Artikel in dem Magazin sei wie eine Antwort darauf.

Obwohl es heißt, der Beitrag sei peer-reviewed, also von Wissenschaftlern mit der entsprechenden Qualifikation geprüft, sieht Benecke darin keine klassische wissenschaftliche Veröffentlichung: Es würden einige Begriffe genutzt, die in einer wissenschaftlichen Zeitschrift als Wertungen unangebracht seien, etwa eine Aussage, dass eine Tötung mit einer Langwaffe «unnecessary» sei, da der Tod durch Heroin ebenso möglich gewesen sei. «Eine Vermutung, die nichts mit Spuren zu tun hat.»

Das sei auch an anderen Stellen festzustellen: Vielfach werde auf Meinungen und Vermutungen verwiesen, beispielsweise auf die Dokumentation «Kurt & Courtney», auf Aussagen von Menschen, «die ohne Angabe von wissenschaftlichen Gründen etwas meinen, was natürlich trotzdem stimmen kann».