Es ist schon zum Verzweifeln. Was sie auch tun, die aufopferungsvolle Mutter, ihr aus der Zukunft zurückgereister Sohn und ein zum Helfer umprogrammierter Tötungsroboter, am Ende geht es schlecht aus, und die Menschheit wird in einer globalen Atomkatastrophe von der Erde getilgt. Auch was die Liebe anlangt: pure Verzweiflung. Ein Mann entwickelt Gefühle für eine gefangengehaltene KI in Menschengestalt. Zum Dank sperrt die ihn am Ende in ihr Gefängnis ein, wo er jämmerlich krepieren wird. Oder der Programmierer, der plötzlich feststellen muss, dass sein ganzes Leben bloß das ist, was ihm eine alles kontrollierende Maschinenwelt vorgaukelt.

Die „Terminator“-Reihe, „Ex Machina“ und die „Matrix“-Filme sind nur drei prominente Beispiele von vielen, in denen Hollywood-Filme die Zukunft alles andere als rosig darstellen. Und schuld daran ist nur die böse Technik. Dabei ermögliche die doch „Dinge, über die die Menschheit nie zuvor verfügte: KI, die denkt, Roboter, die arbeiten, Biotechnologie, die das Leben verlängert, Energie im Überfluss“. So sieht das eine Reihe sehr vermögender, sehr einflussreicher Tech-Unternehmer und Investoren in den USA.

Marc Benioff, Chef von Salesforce, die Investoren Ben Horowitz (Andreessen Horowitz) und Cathie Wood (Ark Invest) sowie der Google-Konzern sind einem Aufruf von Peter Diamandis gefolgt, dem Mitgründer der Singularity University und Gründer der X-Prize-Stiftung. Das ist eine Non-Profit-Organisation, die mit Wettbewerben die Entwicklung der Technik vorantreiben will. Ihr neuester Coup: ein Wettbewerb für Trailer zu Science-Fiction-Filmen. Die sollen „Kreative weltweit dazu herausfordern, uns zu zeigen, was wir mit diesen Kräften tun, wenn wir sie richtig einsetzen. Keine utopische Fantasie. Keine dystopische Angst.
Sondern echte, fesselnde Geschichten darüber, wie die Menschheit den entscheidenden Moment nutzt und über sich hinauswächst“.

Das Vertrauen darin, dass die Förderer dieses Filmpreises und ihre Geistesverwandten die Kräfte der Technik richtig einsetzen, hält sich allerdings zumindest auf der anderen Seite des Atlantiks in Grenzen. Hier, wo man die Segnungen der sozialen Netzwerke spürt, Spaltung, Falschinformationen, Hetze und Hass. Hier, wo man sich auch wegen eigenen Unvermögens abhängig gemacht hat von Software, von Clouds und Chips. Hier, wo man ständig darum kämpft, den allzu großen Freiheiten, die andere Staaten der Technik einräumen, Grenzen zu setzen, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

Wenn die Milliarden locken

Am Ende stellt man immer wieder fest: Wenn die Milliardengewinne locken, treten all die vollmundigen Versprechungen, die es einmal gegeben hat – das Wissen der Welt zugänglich zu machen (Google), die Menschheit zu vernetzen (Meta) –, in den Hintergrund. Die Tech-Bros und -Sisters werden unterdessen nicht müde, möglichst viel Freiheit für die Weiterentwicklung von Technik einzufordern. Die Freiheit, die sie meinen, ist allerdings oft eine, die vor allem dazu dient, sie noch reicher zu machen, als sie ohnehin sind.

Und nun also sind „die Menschen, die unsere Zukunft bauen, es leid, wie sie dargestellt wird“, wie es in einer Pressemitteilung zur Preisausschreibung heißt. Sie wollen offenbar keine Terminatoren mehr sehen, die ballernd durch die Gegend stapfen, keine mordenden Androiden, keine dystopischen Visionen totaler Kontrolle. „Indem wir die klügsten Köpfe zusammenbringen, Hindernisse für Innovation beseitigen und Kreativität fördern, haben wir die Kraft, die nächste große Idee zu entfachen, die die Zukunft verändern könnte“, sagt X-Prize-Chefin Anousheh Ansari.

„Optimistic Storytelling“ nennen die Köpfe hinter der Initiative ihr Vorhaben, für das 3,5 Millionen Dollar zur Verfügung stehen. Bis zum 15. August ist Zeit, Beiträge einzureichen. Die Hoffnungen sind, wie sollte es anders sein, gewaltig: „Der Wettbewerb“, sagt Investorin Cathy Wood, „könnte die Blaupause für Technologien zutage fördern, die Billionen Dollar wert sind.“