VW in Wolfsburg rutscht in die roten Zahlen – wegen der Probleme bei Porsche. (Archivbild)

VW in Wolfsburg rutscht in die roten Zahlen – wegen der Probleme bei Porsche. (Archivbild)

Moritz Frankenberg/dpa

Der Autobauer Volkswagen steht unter massivem Druck. Nach einem Gewinneinbruch von 44 Prozent plant der Konzern den Abbau von rund 50’000 Stellen in Deutschland – und zahlt gleichzeitig hohe Boni aus. Wie konnte der Konzern so tief fallen? 

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VW verdiente 2025 noch 6,9 Milliarden Euro, rund 44 Prozent weniger als im Vorjahr. Deshalb plant der Konzern bis 2030 den Abbau von etwa 50’000 Stellen in Deutschland.2024 erzielte VW bei einem Auto für 30’000 Euro weniger als 700 Euro Gewinn. Gleichzeitig sind Verkäufe und Erträge zurückgegangen.Der Standort Deutschland belastet VW mit hohen Energie-, Produktions- und Lohnkosten. Zudem sind Werksschliessungen politisch und rechtlich schwierig.In Nordamerika sanken die Auslieferungen 2025 um 8,2 Prozent, in China um 8,4 Prozent. Vor allem chinesische Elektroautohersteller setzen VW zunehmend unter Druck.

Diese Nachricht vom Sorgenkind VW aus Wolfsburg schlug Anfang März 2026 wie eine Bombe ein. Der Gewinn beim Autokonzern brach 2025 um satte 44 Prozent gegenüber Vorjahr ein. Zum Ergebnis trugen insbesondere US-Zölle und hohe Kosten bei Porsche nach einem Strategiewechsel bei.

Doch die Krise begann schon Jahre zuvor.

2024 verdiente VW an einem verkauften Auto welches 30'000 Euro kostete, weniger als 700 Euro.

2024 verdiente VW an einem verkauften Auto welches 30’000 Euro kostete, weniger als 700 Euro.

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Die Krise bei VW nahm ihren Anfang 2015. Da wurde bekannt, dass beim deutschen Autkonzern die Abgastests bei Millionen Dieselautos manipuliert wurden. Der Dieselskandal führte weltweit zu Klagen, Rückrufen und Strafen und kostete Volkswagen insgesamt über 33 Milliarden Euro.

Der Skandal ist Geschichte, doch die finanziellen Probleme haben sich bis heute massiv zugespitzt.

Die Probleme in China und den USA

Volkswagen hat sich von seinem Werk in Xinjiang getrennt.

Volkswagen hat sich von seinem Werk in Xinjiang getrennt.

Johannes Neudecker/dpa

Weltweit verkaufte der Konzern im letzten Jahr 8,98 Millionen Autos aller Marken – ein Minus von 0,5 Prozent gegenüber 2024. Zwar legte Volkswagen in Europa zu, doch Rückgänge in China und Nordamerika machten den Zuwachs wieder zunichte.

Im wichtigen US-Markt belastet vor allem die Politik von US-Präsident Donald Trump das Geschäft. Die Zollpolitik hat sich stark auf die Zahlen ausgewirkt, zudem verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für Elektroautos, nachdem Trump Förderungen gestrichen und Abgasregeln angepasst hat.

Besonders grosse Sorgen bereitet dem VW-Konzern die Entwicklung bei Porsche. Der Sportwagenbauer musste 2025 einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen: Das operative Ergebnis brach auf 90 Millionen Euro ein – nach knapp 5,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor. 

Der Hersteller leidet unter schwachen Verkäufen in China, höheren US-Zöllen und einer Fehleinschätzung beim Tempo der Elektromobilität. Da viele Kunden weiterhin Verbrennungsmotoren bevorzugen, setzt Porsche wieder stärker auf klassische Antriebe. Für 2026 erwartet das Unternehmen zwar einen weiteren Absatzrückgang, rechnet jedoch mit einer Rendite von mehr als fünf Prozent.

Ex-VW-Chef bekommt 6 Jahre nach seinem Rücktritt immer noch 1,2 Millionen Euro von VW.

Ex-VW-Chef bekommt 6 Jahre nach seinem Rücktritt immer noch 1,2 Millionen Euro von VW.

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In die Kritik geraten ist auch die Lohn und Bonus-Politik beim einstigen deutschen Vorzeigekonzern. Volkswagen steht mitten im Umbruch der Autobranche: Werke werden umgebaut, Kosten gesenkt und Strukturen angepasst. Dennoch gehören die Löhne beim grössten europäischen Autobauer weiterhin zu den höchsten der Branche. Der Konzern zahlt nach einem eigenen Haustarifvertrag mit 22 Gehaltsstufen, der deutlich über dem üblichen Tarif der Metall- und Elektroindustrie liegt. Produktionsmitarbeiter verdienen meist zwischen rund 3’900 und 4’300 Euro brutto pro Monat, was etwa 56’000 Euro Jahreslohn entspricht. Zusätzlich erhalten rund 120’000 Beschäftigte in Deutschland Bonuszahlungen, die zuletzt etwa 4’800 Euro pro Jahr betrugen.

Noch mehr wird dem Management ausgeschüttet. Mitarbeiter im mittleren Management verdienen laut Daten von «kununu.com» im Schnitt rund 82’600 Euro pro Jahr, mit Boni über 90’000 Euro. Führungskräfte im oberen Management kommen auf über 200’000 Euro, im Top-Management teilweise sogar auf über 500’000 Euro jährlich. Zum Vergleich: ein HR-Manager bei BMW verdient laut «kununu.com» zwischen 60’800 Euro, 80’600 Euro im Schnitt. In Deutschland lag das durchschnittliche Jahresgehalt 2024 bei 62’235 Euro. Im Jahr 2026 sollen die Gehälter jedoch deutlich reduziert werden.

So richtig in die Kritik ist der Konzern allerdings durch seine Bonus-Mentalität beim obersten Management geraten. Bei Volkswagen verdienen selbst Ex-Konzernchefs weiterhin Millionen. Der bestbezahlte Manager war 2025 Ex-CEO Herbert Diess, der trotz seines Abgangs noch 9 Millionen Euro erhielt – mehr als der aktuelle Konzernchef Oliver Blume, der inklusive Bonus und Altersvorsorge auf 7,4 Millionen Euro kam.

Blumes Einkommen lag zudem rund 3 Millionen Euro unter dem Vorjahr, weil er und andere Konzernchefs im Rahmen des Sparprogramms auf Teile ihres Gehalts verzichteten und sein Bonus als Porsche-Chef wegen des Gewinneinbruchs entfiel. Auch frühere Chefs wie Matthias Müller und Martin Winterkorn erhalten weiterhin jährliche Pensionen von 1,2 beziehungsweise 1,3 Millionen Euro. Das sorgt in Deutschland für eine grosse Debatte.

Die strukturellen Probleme

VW-Betriebsratschefin vor der Skyline des Wolfsburger VW-Werks. Von hier sollen künftig wieder mehr zentrale Ansagen kommen, fordert sie.

VW-Betriebsratschefin vor der Skyline des Wolfsburger VW-Werks. Von hier sollen künftig wieder mehr zentrale Ansagen kommen, fordert sie.

Julian Stratenschulte/dpa

Beim Volkswagen-Konzern wird immer wieder eine zu langsame Entscheidungsfindung kritisiert. Grund dafür sind die komplexen Strukturen des Unternehmens: Neben dem Management haben auch der Betriebsrat, das Land Niedersachsen sowie die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch grossen Einfluss. Dadurch dauern strategische Entscheidungen häufig länger als bei vielen internationalen Konkurrenten.

Zudem bemängeln Experten ineffiziente Abläufe und einen hohen bürokratischen Aufwand im Konzern. Die vielen Hierarchiestufen und Abstimmungsprozesse führen dazu, dass Projekte oft langsamer vorankommen und zusätzliche Kosten entstehen. Besonders bei grossen Entwicklungsprojekten müssen zahlreiche Abteilungen eingebunden werden, was die Prozesse komplex und schwerfällig macht.

Auch Doppelarbeit und eine ausgeprägte Meetingkultur werden im Unternehmen immer wieder als Problem genannt. Vor allem bei der Software-Tochter Cariad kam es laut internen Analysen zu unklaren Zuständigkeiten und Verzögerungen bei wichtigen Projekten. Der Konzern versucht deshalb seit einiger Zeit, Strukturen zu vereinfachen und Entscheidungswege zu verkürzen, um schneller auf Veränderungen im Automarkt reagieren zu können.

Der VW-Konzern will bei den leichten Nutzfahrzeugen das Angebot an Elektro- und Hybridautos erweitern. 

Der VW-Konzern will bei den leichten Nutzfahrzeugen das Angebot an Elektro- und Hybridautos erweitern. 

sda

Experten kritisieren, dass der Konzern den Wandel teilweise verschlafen habe, berichtete etwa «cleathinking.de» Anfang 2025. Jahrelang setzte VW stark auf Verbrennungsmotoren, während neue Wettbewerber wie Tesla oder chinesische Hersteller früh konsequent auf Elektroautos setzten und dadurch Marktanteile gewinnen konnten. Heute kämpft der Konzern mit schwacher Nachfrage nach E-Autos. Die wachsende Konkurrenz baut den Druck auf den Wolfsburger Konzern weiter auf – vor allem aus China.Zudem sind die Kosten für Elektromobilität hoch. VW will zwar umrüsten, die Frage bleibt, ob der Konzern sich das leisten kann.

Ein weiteres Problem sind Software-Schwierigkeiten im Konzern. Die Software-Tochter Cariad sollte ursprünglich die digitale Basis für neue Elektroplattformen liefern, doch technische Probleme und Budgetüberschreitungen verzögerten die Projekte. Dadurch wurden mehrere Elektrofahrzeuge später als geplant eingeführt, und auch die neue Elektroplattform SSP sowie Modelle wie der elektrische ID. Golf verschieben sich teilweise um Jahre.

Unter Konzernchef Oliver Blume wird die Strategie deshalb neu ausgerichtet. VW arbeitet stärker mit externen Partnern zusammen und überprüft seine Modellpolitik. Zudem versucht VW günstigere Elektroautos auf den Markt zu bringen. Die Kosten bei der Produktion sollen gesenkt werden. So will VW gegenüber den chinesischen Herstellern wieder wettbewerbsfähig werden. 

Werkschliessungen bei VW könnten Finanzielle Abhilfe leisten. Diese zu schliessen ist jedoch nicht so einfach. (Archivbild).

Werkschliessungen bei VW könnten Finanzielle Abhilfe leisten. Diese zu schliessen ist jedoch nicht so einfach. (Archivbild).

Tobias Bruns/dpa

Der VW-Konzern will sich nun gesundsparen. Betroffen ist insbesondere die Belegschaft. Bis 2030 sollen bis zu 50’000 Stellen abgebaut werden. Aber auch die Werke stehen im Fokus. Im Fall von VW müssten auch Werke geschlossen werden, heisst es vom Konzern selber. Dies ist jedoch nicht einfach. Werksschliessungen bei VW sind aufgrund der starken Mitbestimmung durch Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen im Aufsichtsrat, das VW-Gesetz sowie weitreichender Beschäftigungssicherungsvereinbarungen mit der IG Metall extrem schwierig.

Hohe Energie- und Produktionskosten in Deutschland gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit, da sie die Margen schmälern und Investitionen im Ausland attraktiver machen. Besonders am Standort Deutschland führen Energiekosten zu einer geringeren Rentabilität, was im aktuellen Marktumfeld mit geringerer Nachfrage und starker Konkurrenz aus China den Druck auf Einsparungen erhöht. Die Energie- und Produktionskosten können durch globale Entwicklungen oder wirtschaftliche Veränderungen steigen. 

Die Sorge in der Politik, bei der Belegschaft des Konzerns und bei den Betriebsräten steigt. Denn was als Transformation begann, rutscht jetzt in eine handfeste Krise. Die Arbeitnehmer fürchten um ihre Anstellung. Obwohl der Abbau von 35’000 Stellen bei der Marke VW bereits bekannt gegeben wurde und für 25’000 Betroffene bereits eine Einigung vorliegt, trifft die Ausweitung auf 50’000 Stellen das Unternehmen wie ein Schlag in die Magengrube. Die Wirtschaft und Politik fürchten sich wiederum um die Existenz des Unternehmens. Denn VW bietet nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern zahlt ordentlich auf die Deutsche Wirtschaftsstärke ein. 

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