Den See im Rücken, die rechte Hand und Zeigefinger wie als Wegweise ausgestreckt und auf dem Kopf eine Kaffeetasse: So stand „Angela“ seit 25 Jahren an der Zufahrt zum Klinik-Areal der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, die direkt am Schweizer Bodenseeufer liegt. Doch nun liegt die Ton-Statue in Scherben.

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Laut Klinikdirektor Ralf Gebhardt wurde sie vermutlich in der Nacht auf den 27. Februar von ihrem Sockel gestoßen, woraufhin die Figur in viele Einzelteile zerbrach. „Mit der Strafanzeige warten wir aktuell noch ab, ob wir irgendwelche Hinweise erhalten. Falls nein, werden wir Anzeige gegen Unbekannt erstatten“, erklärt Gebhardt gegenüber der „Thurgauer Zeitung“.

Wegweiser und Symbol für Begegnung

Die „Angela von Münsterlingen“ war vor 25 Jahren von einer Patientin in der Kunsttherapie gefertigt worden. Mit der Tasse auf dem Kopf und dem ausgestreckten Arm wies die fast lebensgroße Statue den Weg zur öffentlichen Cafeteria der Klinik. „Sie war ein Zeichen dafür, dass man bei uns einkehren und verweilen kann und sie symbolisierte den öffentlichen Raum der Begegnung“, erklärt Gebhardt.

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Die Öffnung der Klinik nach außen und die Entstigmatisierung der Psychiatrie sei damals ein großes Anliegen gewesen, erinnert sich der einstige und mittlerweile pensionierte Kunsttherapeut Rainer Eberhardt, der bei der Entstehung der „Angela“ dabei war. Für ihn ist die Zerstörung der Statue „tragisch und entsetzlich“: „25 Jahre ist nichts passiert, und jetzt geschieht das“.

Eberhardt bezweifelt, dass man die zerstörte Figur noch einmal zusammensetzen kann. Er fände es schön, wenn es dann an selber Stelle ein Nachfolge-Kunstprojekt gäbe. „Wir sind zusammen mit unserer Kunsttherapie aktuell am Prüfen, ob eine Instandstellung möglich ist, oder ob wir einen Ersatz aufstellen“, erklärt Klinikdirektor Gebhardt dazu.