12. März 2026

Matthias Lindner

Server im großen Rechenzentrum bietet Hardware-Daten-Netzwerk-Host-Room-Storage-System-Technologie. 3D-Rendering

(Bild: Chaosamran_Studio / Shutterstock.com)

Der Iran nimmt Rechenzentren von US-Tech-Konzernen im Nahen Osten ins Visier. AWS-Anlagen wurden bereits getroffen. Was das für die Cloud-Welt heißt.

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran weitet sich auf ein neues Feld aus: die digitale Infrastruktur. Kürzlich erklärte eine der iranischen Regierung nahestehende Nachrichtenagentur die Büros und Cloud-Anlagen von sechs US-Techkonzernen im Nahen Osten zu militärischen Zielen.

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Betroffen sind Microsoft, Google, Nvidia, Oracle, IBM und Palantir, wie Al Jazeera berichtet.

Warum der Iran ausgerechnet Tech-Konzerne ins Visier nimmt

Teheran beruft sich dabei darauf, dass diese Unternehmen eng mit dem Pentagon und dem israelischen Militär verbunden sind und einen Teil der digitalen Infrastruktur stellen.

Nvidia zum Beispiel baut einen Forschungscampus in Israel. Und Konzernchef Jensen Huang nannte das Land «Nvidias zweite Heimat».

Auch Microsoft, Google, Palantir, IBM und Oracle pflegen langjährige Verträge mit dem Pentagon und arbeiten mit israelischen Sicherheitsbehörden zusammen. Mehrere Berichte behaupten etwa, wie Gizmodo berichtet, dass KI-Systeme dieser Firmen bei der Überwachung palästinensischer Gebiete zum Einsatz kommen.

Die iranische Agentur Tasnim sprach von einem «Infrastrukturkrieg» – ausgelöst durch einen israelischen Luftangriff auf eine Bank mitten in Teheran.

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Ein Vertreter der Organisation Khatam al-Anbiya, die der iranischen Revolutionsgarde nahestehen soll, verschärfte die Rhetorik zusätzlich: Auch Wirtschaftszentren und Bankfilialen mit Verbindungen zu den USA und Israel seien künftig Angriffsziele. Die Bevölkerung in der Region solle einen Kilometer Abstand zu solchen Einrichtungen halten.

Drohnenangriffe auf Amazon-Anlagen zeigen die reale Gefahr

Dass hinter den Worten bereits Taten stehen, machten Vorfälle von Anfang März deutlich. Iranische Drohnen trafen eine Amazon-Betriebsstätte in Bahrain und zwei AWS-Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Folgen: Stromausfälle und gestörte Cloud-Dienste in der gesamten Region. Teherans Staatsmedien bezeichneten die Treffer im Nachhinein als bewusst gewählte Ziele.

Golfstaaten stehen vor einem Dilemma

Die Angriffe treffen eine Region, die ihre wirtschaftliche Zukunft auf genau diese Infrastruktur baut. Um ihre Wirtschaft von fossilen Rohstoffen zunehmend unabhängiger zu machen, investieren Saudi-Arabien, die VAE, Katar und Bahrain Milliarden in Cloud-Kapazitäten und KI-Ökosysteme.

Allein die Cloudsparte von Amazon, AWS, steckt mehr als 5,3 Milliarden US-Dollar in eine neue Cloud-Region in Saudi-Arabien. Branchenstudien beziffern den erwarteten Nutzen für die VAE auf elf Milliarden US-Dollar BIP-Zuwachs über 15 Jahre.

Gleichzeitig verpflichten neue Gesetze zur Datenlokalisierung Unternehmen und Behörden, sensible Informationen im Inland zu speichern. Ein Abzug der großen Cloud-Anbieter aus der Region hätte für Regierungen und Firmen vor Ort gravierende Folgen.

Strukturelle Schwachstellen verschärfen das Risiko

Neben der direkten militärischen Bedrohung zeigt sich die Region im Digitalen bisher wenig resilient. Etwa 17 Prozent des weltweiten Internetverkehrs fließen durch Unterseekabel im Roten Meer – ein Nadelöhr, das bei einer weiteren Eskalation schnell zum Flaschenhals werden kann.

Zudem benötigen die großen Rechenzentren enorme Mengen an Strom und Kühlwasser. Laut der Internationalen Energieagentur liegt der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bereits bei rund 415 Terawattstunden jährlich und könnte sich bis 2030 mehr als verdoppeln.

In einer heißen, wasserarmen Umgebung wie den Golfstaaten stößt der weitere Ausbau damit an natürliche Grenzen. Und verschlimmert wird das, wenn die Energieversorgung oder die Wasseraufbereitung in der Region durch den Iran als Angriffsziele gewählt werden.