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Melbourne (Australien) – Im Labor gezüchtete Gehirnzellen lernen, den komplexen Ego-Shooter „Doom“ zu spielen. Was nach Science-Fiction klingt, ist für ein australisches Biotech-Startup Realität. Dabei erhalten Neuronen elektrische Signale und senden Impulse zurück, die als Befehle dienen.
Schon im Jahr 2022 sorgte das Unternehmen Cortical Labs für Aufsehen: Damals verkündete die Firma, „Mini-Gehirnen“ aus 800.000 lebenden menschlichen und Maus-Gehirnzellen beigebracht zu haben, das Kult-Videospiel „Pong“ zu spielen.
„Erstaunlich, wie schnell es lernt“
„Das Erstaunliche ist, wie schnell es lernt, in fünf Minuten, in Echtzeit“, sagte Brett Kagan, wissenschaftlicher Leiter von Cortical Labs, damals gegenüber „New Scientist“. „Das ist wirklich eine erstaunliche Sache, die die Biologie leisten kann.“

Das 1972 von Atari veröffentlichte „Pong“ gilt als Urvater der Videospiele
Foto: IMAGO/depositphotos
Ego-Shooter „Doom“ ist komplexer
Vor rund einem Jahr hat das Startup den CL1 auf den Markt gebracht – den „weltweit ersten programmierbaren biologischen Computer“. Die Hardware ist so groß wie ein Schuhkarton und enthält rund 200.000 im Labor gezüchtete menschliche Neuronen, die mit Nährstoffen versorgt werden. Jetzt erklärt das Unternehmen laut „Futurism“: Es habe den lebenden menschlichen Gehirnzellen auch das legendäre Videospiel „Doom“ beigebracht!

Die Forscher züchteten rund 200.000 menschliche Neuronen in einer Petrischale und platzierten sie auf einem Mikrochip
Foto: Cortical Labs

Der biologische Computer ist so groß wie ein Schuhkarton und kann den Ego-Shooter „Doom“ spielen
Foto: Cortical Labs
Spannend: Der Ego-Shooter „Doom“ ist deutlich komplexer als „Pong“. Das Spiel ist dreidimensional, hat Gegner und verlangt Orientierung in einer virtuellen Umgebung. Laut Unternehmen soll die Demo zeigen, wie rasant sich die Technologie entwickelt hat. Die von den Zellen erzeugten elektrischen Impulse werden von einer Software als Befehle zum Bewegen, Schießen oder Drehen interpretiert.
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Um das 33 Jahre alte Videospiel anzupassen und dem CL1 zu ermöglichen, es auszuführen, musste das Unternehmen „die digitale Welt von Doom in die biologische Sprache der Neuronen übersetzen, nämlich Elektrizität“, erklärt Brett Kagan bei YouTube und gibt schließlich zu: „Im Moment spielen die Zellen ähnlich wie ein Anfänger, der noch nie einen Computer gesehen hat.“

Brett Kagan erklärt, dass „Doom“ komplexer sei als „Pong“: „Es ist 3D. Es hat Gegner. Es muss erkunden, es ist eine Umgebung, und es ist schwer.“
Foto: Cortical Labs Pte Ltd
Ob die Entwicklung tatsächlich einen Durchbruch darstellt, wird die weitere Forschung zeigen. Befürworter betonen, dass lebende Neuronen nur einen Bruchteil der Energie von Supercomputern benötigen und etwa für die Entwicklung komplexer Roboterarme interessant werden könnten.