
Viele internationale Flugrouten mussten wegen gesperrter Lufträume im Nahen Osten und über Russland angepasst werden. Foto: epa/Narong Sangnak
BANGKOK: Der Krieg im Iran hat den internationalen Luftverkehr massiv beeinträchtigt. Zahlreiche Staaten im Nahen Osten – darunter Israel, Syrien, Irak, Iran sowie Teile Saudi-Arabiens und mehrere Golfstaaten – schlossen mit Beginn der Kampfhandlungen ihre Lufträume. Dadurch entstand plötzlich eine riesige Flugverbotszone in einer Region, die normalerweise zu den wichtigsten Luftverkehrsdrehkreuzen der Welt gehört.
Besonders einschneidend war die vorübergehende Schließung des Flughafens in Dubai, des zweitgrößten internationalen Drehkreuzes weltweit. Eine Kampfdrohne traf dort das Vorfeld nahe des Terminals, gerade als der Betrieb Anfang März langsam wieder anlaufen sollte. Nach Angaben der Analysefirma Cirium wurden zwischen dem 28. Februar und dem 10. März 2026 mehr als 43.000 Flüge von und in den Nahen Osten gestrichen – bei ursprünglich rund 78.500 geplanten Verbindungen.
Viele Passagiere weltweit gestrandet
Die Folgen waren weltweit spürbar. Die großen Golf-Airlines wie Emirates oder Qatar Airways transportieren normalerweise täglich Zehntausende Umsteigepassagiere zwischen Europa, Asien und Australien. Laut Cirium nutzen rund 32 Prozent aller Reisenden zwischen Europa und Asien diese Gesellschaften, auf Strecken zwischen Europa und Australasien sogar 57 Prozent. Auch viele Reisende von und nach Thailand fliegen über die Drehkreuze in den Vereinigten Arabischen Emiraten, vor allem über Dubai oder Abu Dhabi. Durch die Sperrungen blieben daher zahlreiche Passagiere in verschiedenen Teilen der Welt – etwa in Australien, Singapur oder Kapstadt – gestrandet.
Fluggesellschaften reagierten mit Sondermaßnahmen. Lufthansa organisierte zusätzliche Flüge nach Singapur, Riad und Kapstadt, um gestrandete Passagiere aufzunehmen. Austrian Airlines setzte zusätzliche Verbindungen nach Bangkok ein, während Cathay Pacific größere Flugzeuge auf der Strecke Hongkong–Zürich einsetzte. Gleichzeitig waren die wenigen verbleibenden Nonstop-Flüge zwischen Europa und Asien, die das Krisengebiet umfliegen, trotz stark gestiegener Preise schnell ausgebucht.
Flüge werden durch Umwege länger
Die Situation wird zusätzlich durch den weiterhin gesperrten russischen Luftraum verschärft. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs müssen europäische Airlines Russland umfliegen, was viele Strecken deutlich verlängert und verteuert. Einige asiatische Airlines dürfen dagegen weiterhin über Russland fliegen und können dadurch schnellere Verbindungen und oft günstigere Tickets anbieten. Mehrere europäische Gesellschaften haben deshalb bereits China-Routen eingestellt.
Nach Angaben und Einschätzungen der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) bleiben derzeit nur noch zwei schmale Flugkorridore zwischen Europa und Asien offen: einer über die Türkei, Aserbaidschan und Afghanistan sowie ein südlicher über Ägypten, Oman und Indien. Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnte, sollten auch diese Routen geschlossen werden, könnte Asien zeitweise praktisch nicht mehr erreichbar sein.
Flüge über Afghanistan riskant
Hinzu kommt, dass einige dieser Lufträume nur eingeschränkt kontrolliert sind. So verfügt Afghanistan über keine funktionierende Flugsicherung, weshalb Flugzeuge dort nur unter strengen Sicherheitsauflagen verkehren dürfen. Piloten berichten laut NZZ zudem von engen Korridoren und stark eingeschränkten Ausweichmöglichkeiten, etwa bei Gewittern.
Der Krieg im Nahen Osten zeigt damit, wie anfällig das globale Luftverkehrssystem geworden ist. Immer mehr Konfliktzonen und gesperrte Lufträume zwingen Airlines zu längeren, teureren und teilweise riskanteren Routen – mit Folgen für Flugpreise, Verbindungen und die Stabilität des internationalen Flugverkehrs.




