Der ORF kämpft mit der Causa Weißmann, auch andernorts ist die Lage nicht rosig. Viele Sender stehen durch peinliche Fehler und generelle Zweifel an ihrer Objektivität unter Druck. Aber es gibt auch Gegenbeispiele.
Zu groß, zu teuer und zu wenig objektiv: Das ist es, was dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in vielen Ländern Europas vorgeworfen wird. Nicht erst seit gestern, aber die Frage der Legitimation hoher Gebühren für das, was geboten wird, hat unlängst noch deutlich mehr Zündstoff bekommen. Einerseits durch Angriffe und Diffamierungen von Rechtspopulisten, wie die Sender nicht müde werden zu betonen. Und andererseits durch Fehler, oft im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, die das Publikum fragen lassen: Wenn der selbst formulierte Anspruch dieser Sender die hundertprozentig verlässliche Nachricht ist, wie kann es dann dazu kommen?
Der Nimbus altehrwürdiger Sender wie der BBC oder des ZDF bröckelt jedenfalls, und damit auch die Zahlungsbereitschaft des Publikums. Doch wie man am Beispiel der Schweiz sieht: Viele Menschen halten auch an ihnen fest, viele sehen den Wert eines gemeinsamen Mediums in einer Zeit der Umbrüche.
Deutschland: ARD und ZDF
Deutschland ging in den vergangenen Wochen im Zeitraffer durch Probleme, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk allerorts umtreiben. In einer Zeit des Umbaus durch Spardruck platzte im Februar ein Skandal um KI-Videos bei einer Sendung des ZDF. Der machte nicht nur eindrucksvoll deutlich, dass man den dortigen Nachrichten nicht immer glauben kann, sondern auch, dass es unterschiedliche Auffassungen dazu gab, ob man so etwas überhaupt bringen will – oder es prinzipiell bleiben lässt. In der ARD gab es kurz danach auch noch Bilder von Angela Merkel, die beim Applaudieren gezeigt wurde, als sie gar nicht mehr anwesend war. Vielleicht beschleunigte das die anstehenden Reformagenden: Vor wenigen Tagen beschlossen ARD und ZDF, drei Kanäle zu streichen: „tagesschau24“, „One“ und „ARD-Alpha“. Arte bleibt, 3sat und Neo als Angebot für junge Erwachsene ebenso. Derweil werden weitere Stimmen laut, die das System mit ARD und ZDF anachronistisch nennen – und auf eine Zusammenlegung pochen.
Großbritannien: BBC
Eine echte Institution mag die BBC, „Auntie“ genannt, sein – aber eine „heilige Kuh“ ist sie nicht: Erst vor drei Monaten hat die Regierung von Keir Starmer laut überlegt, man könne die Finanzierung der BBC ja auf ein Abo-Modell à la Netflix umstellen. Derzeit werden Rundfunkgebühren eingenommen: 180 Pfund im Jahr kostet eine „Colour licence“ (schwarz-weiß kostet die Hälfte), um fernsehen zu dürfen. Politisch ist der Druck zuletzt stark gestiegen: Im Herbst trat der langjährige Generaldirektor Tim Davie nach dem Vorwurf politischer Voreingenommenheit zurück. Die BBC hatte eine Rede von US-Präsident Donald Trump sinnentstellend zusammengeschnitten, nächstes Jahr wird der Fall vor Gericht verhandelt. Kurz davor hatte der Sender seine Sorgfaltspflicht mit einer Doku über Kinder im Gaza-Krieg verletzt: Dass der jugendliche Erzähler Sohn eines offiziellen Hamas-Mitglieds war, machte die BBC nicht transparent – und beschädigte so ihre Glaubwürdigkeit. Auf Davie folgt Rhodri Talfan als interimistischer Leiter.
Schweiz: SRG
Einen Tag der Entscheidung gab es erst am Sonntag in der Schweiz. Da wurde über die Haushaltsabgabe abgestimmt, die vergleichsweise hoch ist: 335 Franken, also rund 370 Euro pro Jahr, was stets damit begründet wurde, dass man ja mehrsprachig produzieren müsse. Eine „Halbierungsinitiative“, die das Programm als zu teuer, zu breit und zu links kritisierte, wollte den Beitrag auf 200 Franken jährlich kürzen. Rund die Hälfte ihrer 5500 Vollzeitstellen hätte die SRG Berechnungen zufolge bei der angestrebten Kürzung streichen müssen. Überrascht es, dass über 60 Prozent der Schweizer und eine deutliche Mehrheit der Kantone dagegen votierte? Man muss anfügen, dass eine Kürzung auf 300 Franken schon zuvor fix war.
Slowakei: Aus RTVS wird STVR
Beim nordöstlichen Nachbarn kommt der politische Druck von der anderen Seite: Der Regierung des linksnationalen Regierungschefs Robert Fico missfiel die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders RTVS, also ersetzte sie diesen im Sommer 2024 durch etwas, was im ORF als Schimpfwort gilt: einen Staatsfunk. Schon davor hatte man die Haushaltsabgabe (circa 5 Euro pro Monat) durch eine Direktzahlung ersetzt, über die die Regierung entscheidet – und die den Sender abhängig von der Politik macht. STVR, wie der neue Regierungssender nun heißt, wird von Martina Flašíková geleitet, deren Vater einst Kampagnenmanager von Ficos Partei Smer war.
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