KEF drängt auf UKW-Abschaltung bei ARD: 100 Millionen Euro Sparpotenzial.

Neben der Abschaltung von UKW debattiert die Rundfunkkommission zudem über Ausbau der ARD-Mediatheken zu eigenständigen Plattformen.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) dringt auf ein Ende der analogen Radioverbreitung über UKW. Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtet, könnten die ARD-Anstalten und das Deutschlandradio innerhalb von vier Jahren rund 100 Millionen Euro einsparen, wenn sie ihre Programme ausschließlich digital über DAB+ ausstrahlen würden. KEF-Mitglied Kay Barthel sagte dem Blatt, die doppelte Verbreitung sei finanziell nicht mehr zu rechtfertigen.

Derzeit senden die ARD-Anstalten ihre rund 70 Radioprogramme parallel analog über UKW und digital über DAB+. Diese parallele Ausstrahlung verursacht erhebliche Kosten. „Wir empfehlen das Ende von UKW, weil wir damit sehr leicht Kosten senken könnten“, zitierte die MZ Barthel weiter. DAB+ sei inzwischen flächendeckend verfügbar, sodass eine parallele Technik aus seiner Sicht entbehrlich sei. Barthel ist zudem Präsident des Landesrechnungshofs von Sachsen-Anhalt.

UKW-Investitionsbedarf bei rund 60 Millionen Euro

Barthel bezeichnete UKW gegenüber der Zeitung als „überholte Technik“. Die Ultrakurzwelle wird in Deutschland seit Ende der 1940-er Jahre genutzt. Die KEF argumentiert laut Bericht zudem mit Vorteilen in Krisensituationen: DAB+ verbrauche weniger Energie, Notstromaggregate hielten länger durch als bei UKW-Sendeanlagen. Zusätzlich warnt die KEF vor einem Investitionsstau. Die bestehende Infrastruktur sei, so Barthel in der MZ, in Erwartung einer Abschaltung „auf Verschleiß gefahren“ worden. Ohne politisch festgelegtes Enddatum müssten die Anlagen ab 2029 umfassend erneuert werden. Der Investitionsbedarf läge dann bei rund 60 Millionen Euro.

Widerstand kommt insbesondere von privaten Radiosendern, die laut Bericht um Reichweite und Werbeeinnahmen fürchten. Auch politische Vorbehalte bestehen. Der CDU-Medienpolitiker Markus Kurze verwies im Landtag auf die anhaltend hohe Nutzung von UKW als „wichtige Empfangsquelle für die Mehrheit der Bevölkerung“. Der MDR bekenne sich zwar grundsätzlich zu einem langfristigen Ende der Parallelausstrahlung, nenne jedoch kein konkretes Datum. In Sachsen-Anhalt verfügten nach MDR-Angaben 45 Prozent der Haushalte über stationäre DAB+-Geräte, bei Autos liege der Anteil bei 35 Prozent.

Parallel zur UKW-Debatte rückt die digitale Zukunft der Sender in den Fokus. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) Sachsen-Anhalt berichtet, diskutierte die Rundfunk-Kommission des Landtags in einer ihrer letzten Sitzungen mit ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab und dem Medienökonomen Frank Lobigs über Reformperspektiven für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dabei kamen erneut Pläne zur Sprache, die die ARD schon seit längerer Zeit verfolgt.

Lobigs warb laut MDR für mehr senderübergreifende Zusammenarbeit und den Aufbau gemeinsamer Digitalplattformen als Gegengewicht zu internationalen Anbietern. Pfab kündigte an, die Mediatheken langfristig zu einer eigenständigen öffentlichen Plattform, einem „Public Open Space“, weiterzuentwickeln. Schnittstellen zwischen ARD- und ZDF-Mediatheken gebe es bereits. Die Rundfunk-Kommission will ihren Abschlussbericht im Mai vorlegen.

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140226 ARD KEF UKW + Mediatheken: Landesrechnungshof Sachsen-Anhalt