«Eusi Strasse, eusi Quartier» lautet ein Slogan der Zürcher Wohnbewegung – doch wem gehört eigentlich der Boden in Zürich? Das Recherchekollektiv WAV hat anfang 2026 Licht ins Dunkle gebracht und die Eigentumsverhältnisse des Zürcher Bodens offengelegt. Die Resultate sind eindrücklich und zeigen, dass wir es in Zürich mit einer Bodenkrise zu tun haben.

von BFS Zürich

Die Wohnkrise ist die drängendste soziale Frage Zürichs, einer Stadt bestehend aus 92% Mieter:innen. Es herrscht ein akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die Mieten steigen und durch Luxus-Neubauten und Business-Apartments werden zunehmend Arbeiter:innen aus der Stadt verdrängt.

Angesichts wachsenden Widerstands, steigender Zahl an Wohndemos und der Organisierung von Mieter:innen kann auch die parlamentarische Politik die Augen vor dieser Entwicklung nicht mehr verschliessen. So versuchte jede Partei im Rahmen der Stadtwahlen vom 08. März 2026 Lösungen zu formulieren. Diese Lösungen drehen sich vor allem um das Angebot: so wollen die Liberalen die Regeln lockern und mehr bauen, die Sozialdemokrat:innen zumindest einen Teil der neugebauten Wohnungen auch günstig vermieten.

Die Eigentumsfrage wird dabei kaum gestellt – dabei ist es gerade die Rolle von Wohnraum als Eigentums- und Spekulationsobjekt welche die Wohnkrise antreibt. Denn wer streicht die ständig steigenden Mieten in der Stadt Zürich ein? Das Recherche-Kollektiv WAV hat in Zusammenarbeit mit dem Stadtmagazin Tsüri.ch das Grundbuch in Verbindung mit dem Wohnregister der Stadt Zürich ausgewertet und so herausgefunden, wem die 20 Quadratkilometer der Stadt Zürich gehören.

Die Rangliste des Zürcher Grundbesitzes führen Privatpersonen mit 38% an, gefolgt von kommerziellen Akteur:innen mit 30% sowie der Stadt und Genossenschaften, die zusammen rund 25% halten. Dahinter verbirgt sich der Trend, dass immer mehr Wohnraum von privaten Gesellschaften wie Banken, Pensionskassen und Versicherungen aufgekauft wird und der Anteil an Wohnraum in den Händen von Privatpersonen abnimmt. So besitzt die UBS in Zürich eine Wohnfläche, die der 122-fachen Grösse des Ni-Una-Menos-Platzes (ehem. Helvetiaplatz) entspricht (477’636 Quadratmeter Wohnfläche). Insgesamt halten UBS, Swiss Life und Zürich Insurance über eine Million Quadratmeter Wohnraum.

Private Grundbesitzer:innen folgen im allgemeinen Grundbesitzer:innen-Ranking erst ausserhalb der Top 30 und sind kaum sympathischer als Grossbanken und Versicherungen. So ist Zürichs grösster privater Grundbesitzer ein shady Milliardär mit rechtsextremen Affiliationen (mit Blick auf das Kunsthaus zeigt sich hier eine stolze Zürcher Tradition). Henning Conle besitzt 105’500 Quadratmeter Boden – konkret sind das 1253 Wohnungen in 135 Häusern in 9 Zürcher Quartieren – dessen impliziter Wert CHF 1.2 Milliarden beträgt. Diese Fläche entspricht etwa 27-mal dem Ni-Una-Menos-Platz.

Henning Conle wird es mit seinem Immobilienimperium und geschätzten Vermögen von ebenfalls CHF 1.2 Milliarden nicht langweilig; so stellte er mutmasslich wiederholt Spenden in Millionenhöhe an die AfD aus und finanzierte nebenbei die 100-Jahr-Feier der SVP Zürich im Jahr 2017. Statt in Unterhalt und Sanierung von Wohnraum sowie Mietsenkungen fliessen die Mieteinnahmen also in die Taschen von faschistoiden Politiker:innen und finanzieren Plakatkampagnen, auf denen wir ihre Fratzen ertragen müssen.

Die WAV-Recherche zum Grundbuch zeigt, dass wir nicht in einer Wohnkrise, sondern – aufgrund des ungerecht verteilten Grundbesitzes – in einer Bodenkrise stecken. Eine gerechte Wohnpolitik muss folglich nicht nur für mehr günstigen Wohnraum kämpfen, sondern auch die Eigentumsverhältnisse angreifen. Banken, Versicherungen und Fascho-Milliardäre müssen enteignet und ihr Wohnbesitz vergesellschaftet werden. Dafür müssen wir uns als Mieter:innen organisieren und unsere Kämpfe verbinden. Darum alle am 30. Mai auf die Strasse für die grosse Wohndemo!