Pferdefigur an Gebäude

Die Pegasus-Skulptur, die das Gebäude der UPU ziert.

Keystone/Edi Engeler

In Bern koordiniert eine wenig bekannte UNO-Organisation einen Grossteil des weltweiten Postverkehrs. Der Weltpostverein sorgt dafür, dass täglich Millionen von Briefen und Paketen ihren Weg rund um den Globus finden.

Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht

20. März 2026 – 11:00

Nur wenige Tramhaltestellen vom Bundeshaus entfernt koordiniert der Weltpostverein (UPU)Externer Link den Betrieb eines Postnetzes, das fast alle Länder der Welt abdeckt. Von der Schweizer Hauptstadt aus sorgt die UNO-Organisation für die reibungslose Beförderung von Briefen und Paketen zwischen den Nationen.

Der Beitrag von RTS über den Weltpostverein (auf Französisch):

Jede Stunde werden über 35’000 Versandmeldungen über die digitale Infrastruktur des Weltpostvereins abgewickelt. Hunderttausende von Briefen und Paketen verlassen ein Land, passieren ein anderes und kommen dann in einem dritten an. Ein weltweites System, das vom Technologiezentrum der Organisation genau überwacht wird.

«Ich verfolge diese Sendungen sehr aufmerksam, um genau zu sehen, wie sie durch das System zirkulieren», sagt Lati Matata, Direktor des Zentrums für Posttechnologien des Weltpostvereins.

Ein weltweites System aus dem 19. Jahrhundert

Die Organisation wurde 1874 geschaffen, um den Austausch zwischen den nationalen Postdiensten zu vereinfachen und die Beförderung von Post auf internationaler Ebene zu gewährleisten.

Ursprünglich wurden hauptsächlich Briefe und Postkarten verschickt. «Die Zahl der Pakete hat jedoch stark zugenommen», so Matata.

Die Flut der kleinen Pakete aus Asien

Ein wachsender Anteil der Sendungen kommt mittlerweile von Bestellungen, die über das Internet getätigt werden und von Onlineshops an Kund:innen auf der ganzen Welt versendet werden.

Diese kleinen Pakete stammen grösstenteils aus China, insbesondere von Websites wie Shein oder Temu. Lange Zeit profitierte das Land von günstigen Versandtarifen innerhalb des internationalen Postsystems.

«Aber das hat sich geändert. Wir hatten 2019 eine Versammlung, bei der die Bedingungen überarbeitet wurden. Und jetzt spielt China nach denselben Regeln wie jedes andere Land», sagt Altamir Linhares, Direktor für Postpolitik beim Weltpostverein.

Steuer auf Kleinpakete?

In der Schweiz ist das Ausmass des Phänomens beträchtlich. Es wird geschätzt, dass täglich mehr als 100’000 kleine Pakete mit einem durchschnittlichen Gewicht von 70 Gramm aus China eintreffen.

Angesichts dieses Zustroms denken mehrere Länder über neue Massnahmen nach. Die EU plant, ab Juli eine Steuer von drei Euro pro importiertem Artikel einzuführen, um diese Ströme zu regulieren. In der Schweiz prüft der Bundesrat die Einführung einer ähnlichen Steuer.

Übertragung aus dem Französischen mithilfe von KI: Janine Gloor