Schicht für Schicht wächst die Struktur allmählich in die Höhe: Ein 3D-Drucker verrichtet seine Arbeit und spuckt eine farbige Masse aus Zuckerrohr und Maisstärke aus, die wenig später die Gestalt einer Hängeleuchte annimmt. Die Form ist zeitlos und erinnert den Betrachter an Designs vergangener Jahrzehnte. Der Ort: die Eventhalle der Messe Basel, in der vom 20. bis 22. März die Blickfang Designmesse stattfindet. Ästheten und Designverliebte können an der als Concepstore gestalteten Schau voll auf ihre Kosten kommen. Rund 110 kuratierte Labels aus der Schweiz und ganz Europa sind auf der Messe vertreten – viele zum ersten Mal.
So auch Simon Balmer mit seinem „Studio Filou“. Der Industriedesigner kreiert Stand- und Hängeleuchten: hergestellt werden sie mit einem kleinen 3D-Drucker. Der Begriff „zeitlos“ gefalle ihm weniger, sagt der Basler. Seine Lampen seien vielmehr langlebig. Und nachhaltig, denn das Material bestehe aus einem Biokunststoff. „Ich liebe das Spiel mit einfachen, geometrischen Formen. Allerdings mit einem Twist, also einem besonderen Element“, beschreibt er seine Philosophie. Besagtes Element findet sich im Innenleben seiner Lampen: eine gewellte, organische Form, die sich im Lichtspiel erahnen lässt.
Stellt Leuchten mit einem 3D-Drucker her: Der Basler Simon Balmer. Foto: Michael Werndorff
Warum ausgerechnet Leuchten? Die Idee sei aus Eigenbedarf heraus entstanden. Und weil er aus seinem Umfeld viel positive Rückmeldungen erhalten habe, entwickelte er ein markttaugliches Design. Bei all seinen Kreationen gehe es um Oberflächen und Strukturen und um das Spielerische, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Als frisch gebackener Industriedesigner habe er lange auf die Messe hingearbeitet. „Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Reaktionen der Besucher.“
Nicht nur Balmer setzt mit seinen aus Biokunststoff hergestellten Leuchten auf Nachhaltigkeit und eine umweltschonende Produktion. Dieser Aspekt wird auf der Messe großgeschrieben. Denn: Alle Aussteller präsentieren manufakturell gefertigte, lokal produzierte Produkte – langlebige Möbel, Wohnaccessoires, Mode- und Schmuckstücke, wie die Verantwortlichen bei einem Presserundgang betonten.
Wie ein Puzzle
Mit einer werteorientierten Designphilosophie und vollständig aus „gerettetem Holz“ hergestellten Möbelstücken wollen Sára Kele sowie ihre beiden Mitstreiter Attila Molnár-Odri und Ádám Pavel begeistern. Tischplatte und Beine werden – gleich einem Puzzle – aus demselben Brett geschnitten, inspiriert von den aus der Modeindustrie bekannten Zero-Waste-Methoden, wie die ausgebildete Industriedesignerin erklärt.
Messebesucher können sich mit den Designern austauschen, die einen Einblick in die Produktionsweise geben. Foto: Michael Werndorff
Sie betrachte stets das große Ganze: Welche Materialien eingesetzt werden, wie lange es hält, welche Auswirkungen es auf Menschen und Umwelt hat und wie etwas produziert wird. „Ich betrachte das Material als einen Schatz“, betont die Möbeldesignerin aus Budapest. Sie setze nicht auf Trends, sie entwerfe Dinge, die Menschen ein Leben lang behalten können. „Jeder Baum hat seine eigenen Geschichte – das fasziniert mich“, deutet sie auf einen Tisch aus Eschenholz, für dessen Silhouette ein Kieselstein Pate stand. „Der Baum war krank und musste gefällt werden“, ergänzt Molnár-Odri. „Mit unserer Arbeit erhält er ein zweites Leben.“
Historische Technik
Langlebigkeit ist auch für Michael Mahle ein wichtiger Aspekt: Gemeinsam mit seinem Bruder Johannes Braa hat er eine Sitzbank samt Tisch geschaffen.
Das Konzept: Weder Leim noch Schrauben halten die Verbindungen – die beiden Holzhandwerker setzen auf eine alte japanische Technik mit präzise geschnittenen Zapfen, Schlitzen und Keilen, wobei die Holzteile per CNC-Fräse maschinell hergestellt werden. Diese Verbindung ermögliche den chemie- und beschlagsfreien Möbelbau, weiß Mahle. Nun habe man die erste kleine Möbelserie entwickelt, die man auf den Markt bringen wolle.
Lokaler Fokus
Doch nicht nur Möbel und Wohnaccessoires können auf der Blickfang entdeckt werden. Dieses Jahr haben die Macher gleich zwei Sonderschauen auf die Beine gestellt. Passend zum Frühlingsbeginn richtet die Blickfang mit einer Gartensonderschau ihren Blick nach draußen. Und: Mit der Spalenberg-Sonderschau legen die Macher den Fokus auf Labels, die in der Basler Altstadt beheimatet sind.