Lesedauer: 6 Minuten

Das deutsche Entwickler-Studio Mimimi Games hat mit Shadow Tactics: Blades of the Shogun bereits in 2016 für PC ein isometrisches Echtzeit-Taktik-Spiel auf den Markt gebracht, dass sich vor allem hinter Commandos nicht verstecken muss. Wir durften nun die Portierung für die Nintendo Switch 2 bereits im Vorfeld ausprobieren und sind positiv überrascht, wie gut sich das Game im Mausmodus steuern lässt.

Commandos-Formel unglaublich gut ins feudale Japan übertragen!

Wenn man Echtzeit-Taktik aus isometrischer Ansicht erwähnt, fällt einem meist nur Commandos ein. Die Serie hat das Genre quasi eingeführt und definiert und mit Commandos Origins erst im vergangenen Jahr ein Prequel veröffentlicht. Aber seien wir einmal ehrlich: So geil Commandos ja ist, es handelt immer wieder von den gleichen Dingen. Krieg, Einsätze mit Spezialeinheiten, hier Terrorzellen ausnehmen, dort Geiseln befreien. Szenarien die wir in hunderten von Spielen schon gesehen haben.

Mimimi Games hat aber nun genau diese Echtzeit-Taktik-Formel genommen und in ein feudales Japan der Edo-Zeit gegossen. Und warum auch nicht, denn es liegt unglaublich Nahe, dass man dieses Genre mit Ninjas und Samurais füllt, die allesamt geheime Techniken und Assassinen-Künste beherrschen. Also weg mit dem realisitischen Kriegsszenario, das wir schon tausende Male sahen und her mit den Ninjas, den Rauchbomben und krassen Spezialangriffen. Natürlich darf die taktische Tiefe nicht fehlen, aber das Studio hat sogar noch an eine ziemlich nette Story gedacht.

 

Das Game spielt übrigens, wie bereits erwähnt, im feudalen Japan der Edo-Zeit und die Atmosphäre ist eines der richtig grossen Stärken des Spiels. Vor allem aber auch wegen der wirklich guten Sprachausgabe! Zwar gibt es mit Englisch und Japanisch nur zwei Tonspuren, aber wir empfehlen dringlichst das Game auf Japanisch mit deutschen Untertiteln zu spielen. Das hebt die Atmosphäre des Spiels mit seinen handgestalteten Leveln noch einmal auf eine neue Ebene, zumal die Vertonung richtig stark ist. Jeder der spielbaren Charaktere hat seine eigene Art zu sprechen, was diese sehr glaubwürdig wirken lässt.

Bilder: PocketPC.ch / Laser

Bekanntes Taktik-Gameplay mit eigenem “Schattenmodus” für mehr Tiefe

Vergesst blindes Drauflosstürmen. Denn Shadow Tactics ist im Kern ein komplexes Puzzle. Ihr müsst Sichtkegel studieren, Patrouillen-Rhythmen auswendig lernen und die Umgebung nutzen. Eigentlich alles sehr ähnlich zu Commandos oder Desperados. Den Vergleich muss sich das Game echt häufiger gefallen lassen, wenn auch wirklich positiv! Die Umgebung zu studieren, ist also auch hier eines eurer wichtigsten Skillsets. Denn erst dann könnt ihr die Fähigkeiten der fünf unterschiedlichen Charaktere auch voll und ganz ausnutzen.

 

Dabei ist eines eurer wichtigsten Tools der sogenannte Schattenmodus. Hier könnt ihr Aktionen für mehrere Charaktere gleichzeitig planen und sie dann per Tastendruck simultan ausführen lassen. Wenn Hayato (der Ninja) von oben herabspringt, während Yuki (die Diebin) eine Wache in die Falle lockt und Mugen (der Samurei) einen anderen Samurai ablenkt, dann ist das wie ein Dopaminstoss für das eigene Strategie-Gehirn. Es fühlt sich richtig gut an, diese Vorausplanung zu gestalten und auszuführen. Oft geht es schief, da man häufig auch Dinge übersieht. Aber wenn so ein Schachzug dann einmal sitzt, klopft man sich schon gerne einmal selbst auf die Schultern.

Die Steuerung ist gut auf den Controller angepasst, man muss sich aber erst einige Zeit dran gewöhnen. Bild: PocketPC.ch / Laser

Darum an dieser Stelle eine kleine Warnung, denn das Spiel ist fordernd, bleibt aber dank einiger Komfort-Features immer fair. Dank der Schnellspeicher-Funktion auf der Minus-Taste eures Controllers, lädt das Spiel euch zum Experimentieren ein. «Was passiert, wenn ich den hier zufällig stehenden Ochsen mit einem Stein bewerfe?» Spoiler: Er wird die Wache vor ihm treten und es sieht aus wie ein Unfall. Ihr solltet das Schnellspeichersystem häufig nutzen und Shadow Tactics macht euch darauf auch sanft aufmerksam. Denn es läuft im oberen Bereich ein kleiner Timer, der hochzählt und ab circa 2 Minuten orange wird. Er symbolisiert die Zeit in der ihr nicht zwischengespeichert habt. Und glaubt mir, es ist wirklich frustrierend teilweise 10 Minuten verloren zu haben, nur weil man es vergessen hat und ihr jetzt wieder bis zum Ausgangspunkt hinspielen müsst. Macht also Gebrauch davon!

 

Übrigens ziemlich cool sind auch die Wetterbedingungen und ihr Einfluss auf das Gameplay. Wir wollen hier nicht all zu viel verraten, aber eine Kleinigkeit beeindruckte uns hier schon. Einige der Missionen werden beispielsweise in Schneegebieten ausgetragen und das Hinterlassen von Fussspuren hat diverse Gegner auf die Charaktere aufmerksam gemacht. Auf der einen Seite sehr lästig, wenn ihr kurz untertauchen müsst. Auf der anderen Seite hinterlässt das aber wiederum Möglichkeiten, um selber Fallen aufzustellen, wenn ihr versteht was wir meinen.

Fünf sehr unterschiedliche Charaktere tragen Shadow Tactics

Das Herzstück von Shadow Tactics sind die fünf spielbaren Charaktere. Jede der Figuren bringt eine völlig eigene Dynamik in eure Planung und durch das verketten von Aktionen und Fähigkeiten, lassen sich so richtig starke Kombos bilden. Wir gehen hier einmal kurz auf die Fähigekten der fünf “Blades” ein und was sie so besonders macht.

Hayato: Der klassische Ninja. Mit seinem Wurfstern schaltet er Gegner lautlos aus der Ferne aus. Mugen: Ein loyaler Samurai und das «Kraftpaket». Er kann als einziger zwei Leichen gleichzeitig tragen und ganze Gegnergruppen im Nahkampf niedermähen. Yuki: Die junge Diebin. Sie nutzt Fallen und eine Flöte, um Wachen in den Tod zu locken. Aiko: Die Meisterin der Tarnung. In Verkleidungen spaziert sie fast ungestört an Feinden vorbei und lenkt sie mit Gesprächen ab. Takuma: Der greise Scharfschütze. Mit seinem Gewehr und dem süssen (aber nützlichen) Tanuki Kuma (wieso muss ich jetzt an Chopper aus One Piece denken?!) sorgt er für taktische Vorteile aus der Distanz.

Diese fünf stark spezialisierten Charaktere tragen die Story des Spiels unglaublich gut. Denn jeder von ihnen hat nicht nur einen eigenen Kopf, sondern in den rund 13 Missionen des Hauptspiels entwickeln sich hier recht eigenständige Dynamiken zwischen ihnen. Ich will an dieser Stelle jetzt nicht all zu viel Spoilern, aber man merkt den Charakteren ihre “Herkunft und Motivation” an und es ist interessant zu sehen, wie diese Zusammenspielen (müssen) sowie zum Shogun stehen, der sie ursprünglich für seine Zwecke anheuerte.

 

Übrigens hat eine der weiblichen Protagonistinnen mit “Aikos Choice” (also Aiko selbst) sogar ihre eigene kleine Standalone-Erweiterung erhalten, wo die Geschichte des mysteriösen Mitglieds der Gruppe noch einmal zu einem eigenständigen Thema wird.

Video: Mimimi Games

Nintendo Switch 2 Version: Läuft sehr gut, Mausmodus nicht problemfrei

Da das mittlerweile 10 Jahre alte Spiel hier speziell für die Nintendo Switch 2 portiert wurde, hat es sich das Studio nicht nehmen lassen, auch die Hardwarefähigkeiten zu nutzen. Shadow Tactics ist nämlich eines der wenigen Games, die den Mausmodus der Joy-Con 2 Controller unterstützen. Einfach aus der Switch ausklinken, mit dem Sensor nach unten auf eine ebene Fläche auflegen und schon könnt ihr das Spiel wie am PC spielen! Natürlich gibt es in diesem Fall keine Tastatur oder so etwas, aber die Controller-Tasten des anderen Joy-Con helfen hier ungemein.

 

Ganz ohne Probleme ist die Steuerung aber tatsächlich nicht. Zum einen müsst ihr euch erst mal an die Belegung gewöhnen und zum anderen musste ich feststellen, dass der Mausmodus durchaus den Hang zum nachziehen hat. So bewegt sich der Zeiger mit einer leichten Verzögerung über das Spielfeld, was mich in einige frustrierende Situationen brachte. Keine Ahnung ob ein Day-1-Patch oder ein zukünftiger Fix hier vielleicht die Latenz deutlich nach unten schrauben kann, damit die Bedienung nicht so schwammig wirkt. Nutzt ihr den normalen Controller-Modus ist davon tatsächlich nichts zu spüren.

 

Ansonsten macht Shadow Tactics auf der Switch 2 einen technisch ordentlichen Eindruck. Die Bildrate ist stabil und es kommt nicht wirklich zu Rucklern, zumindest konnte ich keine eklatanten Einbrüche feststellen. Sowohl im Handheld-Modus als auch am TV peilt das Spiel strategie-taugliche 30 FPS an und hält diese auch sehr stabil. Schatten und Sichtfelder rendern allerdings eklatant niedriger, wie man auch in den Screenshots deutlich erkennen kann. Wir hätten uns an dieser Stelle vielleicht noch einen 60-FPS-Modus gewünscht. Beispielsweise hat das Steam Deck keine Probleme das Game in hohen Einstellungen in 60 FPS locked zu rendern. Die Switch 2 sollte das durchaus mit diversen Optimierungen ebenfalls hinbekommen.

 

Zudem stellten wir fest, dass in unserer Vorabversion der Bereich für die Grafikeinstellungen (Video) nahezu leer ist. Nur die Möglichkeit zur Gammakorrektur ist vorhanden. Ob wir per Patch später noch mehr Einstellungen erhalten werden, bleibt abzuwarten.

Der Mausmodus ist zwar eine gute Idee, fühlt sich allerdings sehr zäh an, da der Zeiger immer wieder nachzieht. Bild: PocketPC.ch / Laser

Fazit: Eines der besten Taktik-Games, nicht nur auf der Switch 2

Shadow Tactics: Blades of the Shogun kann nicht nur mit Commandos oder Desperados konkurrieren, sondern gehört in meinen Augen in die gleiche Hall of Fame! Die Story ist klasse, mit einigen interessanten Wendungen und einer starken Charakter-Dynamik zwischen den Protagonistinnen und Protagonisten. Das Gameplay ist Genre-typisch sehr tiefgreifend und bietet euch gefühlt unendlich Möglichkeiten, die unterschiedlichen Missionen zu beenden. Ich gebe aber auch zu, dass der Schwierigkeitsgrad knackig ist und ihr solltet durchaus eine gewisse Affinität für solche Spiele mitbringen. Echtzeit-Taktik in Form eines Commandos-Games ist eher ein spezielles Genre, dass man mögen muss.

 

Kleinere Probleme gab es aber dann während meines Tests zu Shadow Tactics auf der Nintendo Switch 2 dann doch. Die Maussteuerung ist zwar toll integriert, hat aber mit eklatanten Mouse-Lag zu kämpfen. Das Nachziehen des Mauszeigers macht alles irgendwie zäh, sodass ich lieber zum Switch Pro Controller gegriffen habe. Da der Mauszeiger auf der Systemoberfläche der Switch 2 oder in der Nintendo Tour vollständig verzögerungsfrei funktioniert, könnte vielleicht ein Patch helfen. Oder es hängt mit den 30 Bildern pro Sekunde zusammen, die der Titel maximal bietet?

Insgesamt ist das Spiel aber eines der besten Vertreter seines Genres und wenn ihr halt eben nur eine Switch 2 als einzige Konsole euer Eigen nennt, ist es der perfekte Ort, um das Shadow Tactics zu spielen. Ich bin auch wirklich froh darüber, dass das Genre hier neben Wilder Westen und Kriegsszenario nun auch mit Ninjas und Samurais eine neue Story-Dimension erschliesst. Der Titel stellt sich eindrucksvoll in die gleiche Reihe der oben genannten Konkurrenten und glänzt mit eigener taktischer Tiefe, speziellen Auslegung und vor allem seiner wirklich gut ausgestalteten Geschichte sowie Sprachausgabe. Wir hatten das Spiel in rund 20 Stunden durch, aber ungeübte Taktik-Fans könnten schon rund 25 Stunden oder mehr in das Puzzle-Game stecken. Eine Zeit, die der Preis locker wert ist!

 

Shadow Tactics: Blades of the Shogun

 

Kleiner Tipp: Habt ihr vielleicht auch ein Steam Deck, dann kauft den Titel doch eventuell lieber auf der Plattform von Valve. Dort ist das Spiel anstatt für 40 Euro aktuell für 4 Euro zu haben. Zudem läuft Shadow Tactics auf dem PC-Gaming-Handheld mit stabilen 60 FPS nicht nur flüssiger, sondern hält mit entsprechenden Einstellungen mit bis zu 4 Stunden deutlich länger durch. Aber das nur am Rande.