Die Qualität unserer Ernährung zählt zu den wichtigsten Einflussfaktoren für die Gesundheit. Eine neue Studie aus Italien zeigt, wie eng Ernährungsgewohnheiten mit Entzündungsprozessen im Körper und mit der wahrgenommenen Lebensqualität zusammenhängen. Das Ergebnis: Je stärker Lebensmittel Entzündungen fördern, desto schlechter sind das körperliche und psychische Wohlbefinden. Darüber berichten Forscher in Frontiers in Nutrition  [1].

Analyse der Daten von fast 2.000 Erwachsenen

Für die Untersuchung analysierten sie Daten von 1.936 Erwachsenen aus der Metropolregion Catania auf Sizilien. Alle Teilnehmer waren volljährig. Sie haben detaillierte Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten der vergangenen 6 Monate gemacht. Grundlage der Auswertung war ein validierter Fragebogen zur Häufigkeit des Lebensmittelkonsums mit insgesamt 110 Fragen.

Um das entzündliche Potenzial der individuellen Ernährung zu berechnen, nutzten die Wissenschaftler den Dietary Inflammatory Score (DIS). In diesen Index fließen 18 verschiedene Lebensmittelgruppen ein, darunter Blattgemüse, Obst, Vollkornprodukte, Zucker, rotes Fleisch sowie verarbeitete Fleischprodukte. Positive DIS-Werte stehen für eine entzündungsfördernde Ernährung, negative Werte für entzündungshemmende Lebensmittel.

Die Lebensqualität der Teilnehmer wurde mit der Manchester Short Assessment of Quality of Life (MANSA) erfasst. Diese Skala umfasst 12 Fragen zu verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens, darunter allgemeine Zufriedenheit, körperliche und psychische Gesundheit, soziale Beziehungen sowie das Sicherheitsgefühl im Alltag.

Deutliche Unterschiede zwischen gesunder und ungesunder Ernährung

Bei der Auswertung zeigte sich: Personen mit einem hohen Konsum von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Milchprodukten, Fisch und Nüssen hatten ein deutlich geringeres Risiko für entzündliche Prozesse als Teilnehmer mit weniger ausgewogenen Essgewohnheiten.

Gleichzeitig waren höhere DIS-Werte signifikant mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, laut MANSA eine gute Lebensqualität zu haben. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei jüngeren Teilnehmern, Rauchern sowie bei Menschen mit geringer körperlicher Aktivität – Faktoren, die bereits aus anderen Studien als förderlich für chronische Entzündungsprozesse bekannt sind.

Auffällig war insbesondere das oberste Drittel der DIS-Werte: Personen in dieser Gruppe hatten ein um 77% höheres Risiko, mit ihrer gesundheitlichen Lebensqualität unzufrieden zu sein.

Zusammenhang unabhängig von Stoffwechselerkrankungen

Die Forscher waren überrascht, dass der beobachtete Zusammenhang nicht durch klassische metabolische Erkrankungen erklärt werden konnte, da sich zwischen den untersuchten Gruppen keine signifikanten Unterschiede bei der Häufigkeit von Adipositas, Hypertonie, Typ-2-Diabetes oder Dyslipidämie zeigten.

Nach Ansicht der Studienautoren sprechen die Ergebnisse vielmehr für grundlegende pathophysiologische Mechanismen, da chronische, niedriggradige Entzündungen dafür bekannt sind, sowohl körperliche Beschwerden als auch psychische Belastungen zu verstärken und damit das allgemeine Wohlbefinden zu beeinträchtigen.

Auch die Analyse einzelner Nährstoffe bestätigte diesen Zusammenhang: Eine hohe tägliche Kalorienaufnahme sowie ein hoher Anteil gesättigter Fettsäuren bei gleichzeitig niedriger Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen förderten entzündliche Prozesse, und Personen mit solchen Ernährungsgewohnheiten hatten eine geringere Lebensqualität als Kontrollen mit gesünderer Ernährung.

Mediterrane Ernährung als Gegenmodell

Mediterrane Diäten gelten als gesunde Ernährungsmodelle, da sie reich an entzündungshemmenden Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Olivenöl, Hülsenfrüchten und Fisch sind und in zahlreichen Studien mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen sowie einer höheren Lebenserwartung in Verbindung gebracht werden.

Gleichzeitig beobachten Experten, dass auch im Mittelmeerraum die Ernährung zunehmend westlichen Mustern gleicht, wobei steigende Lebensmittelpreise dazu beitragen könnten, dass sich immer mehr Menschen von traditionellen, gesünderen, aber kostenintensiveren Ernährungsformen abwenden.

Fazit: Ernährung als Schlüssel für mehr Lebensqualität

Chronische niedriggradige Entzündungen gelten als Risikofaktor für viele Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Depressionen und chronische Schmerzen. Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei deren Vorbeugung, weil immer mehr Studien zeigen, dass Ernährungsgewohnheiten nicht nur den Stoffwechsel beeinflussen, sondern auch Entzündungsprozesse im ganzen Körper.

Deshalb sollte die Bedeutung von Ernährungsgewohnheiten nicht unterschätzt werden, zumal Ärzte eine zentrale Rolle dabei spielen, Patienten zu einer gesünderen Ernährung zu motivieren und Veränderungen im Alltag zu begleiten.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.it.