Nadine Renz hat vor vielen Jahren mal eine Lehre im Handel gemacht – und das Berufsbild vom ersten Tag an gehasst, wie sie sagt. Denn eigentlich wollte die Metzelthinerin immer nur Fotografin werden. „Von klein auf schon habe ich mich fürs Bildermachen begeistert. Doch die Lehrer in der Schule meinten damals, dass meine Noten zu schlecht für solch einen Beruf wären. Sie hatten ja insofern recht, als dass ich wirklich selten Einsen mit nach Hause brachte. Aber vielleicht hatte ich ja da schon Talent.“
Traum vom Beruf geplatzt
Ende vom Lied: Sie ließ ihren Traum platzen und stellte sich erst einmal in den Supermarkt.
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Ständig nach einer Veränderung schauend, liebäugelte sie später noch mit einer Ausbildung zur Tischlerin: „Doch auch da habe ich mich bequatschen lassen. Mein Umfeld hielt entgegen, dass das keine Branche für eine Frau sei. Zu viel schwere Arbeit und ständig Dreck. Dabei lag mir das Herumwerkeln total. Und anpacken kann ich auch.“
Aber an diesem Punkt fügte sie sich abermals und ließ es sein. Mit bitterer Konsequenz. Jahrzehnte später hat Nadine Renz noch immer nicht den Herzensjob gefunden, bei dem sie sich vorstellen könnte, alt zu werden. Arbeit war für sie bislang nur reines Geldverdienen. „Leider.“

Dieser Schnappschuss gelang der 48-Jährigen vor ein paar Jahren. (Foto: Nadine Renz)
Die Fotografie-Leidenschaft aus ihrer Jugend hat sie zum Glück wiederbelebt.
Auf den richtigen Moment gewartet
„Ich liebe es total, durch die Natur zu streifen und auf den richtigen Moment zu warten: Wenn einem da so ein Reh vor die Kamera läuft, oder ein Schmetterling auf der Blüte landet – das ist der Wahnsinn“, schwärmt die zweifache Mutter: „Dafür setze ich mich gern auch mal fünf bis sechs Stunden in den Wald und warte. Die Lichtverhältnisse müssen schließlich stimmen.“

Die Uckermärkerin wartet auch an ihrer Lieblingsallee, bis das Licht schön fürs Foto ist. (Foto: Nadine Renz)
Jetzt, wo die Kinder (25, 22) erwachsen sind, hat sie Muße dafür, auch wenn ihr Leben durch die seit 16 Jahren währende Krebserkrankung ihres Mannes immer mal wieder aus den Fugen gerät.
Sie pflegt den 66-jährigen pensionierten Tiefbauer hingebungsvoll. Zum Dank lässt er sie, so oft es geht, mit der Kamera ziehen. Auch Sohn und Tochter wissen, wie wichtig der Mama das Fotografieren ist. Zum 40. Geburtstag hatten sie deshalb vor, ihr eine Reise nach Irland zu schenken, weil es dort so wunderschön ist.

Auch diese tolle Aufnahme gelang der zweifachen Mutter nach geduldigem Warten. (Foto: Nadine Renz)
„Aber ich und fliegen, nee. In ein Flugzeug steige ich im Leben nicht“, entgegnete die Mutter damals ihrem Nachwuchs. Als Entschädigung gab’s von der Familie dann eine 750er Nikon, mit der Nadine Renz inzwischen fast schon verschmolzen ist. Ohne Kamera trifft man die Endvierzigerin selten an.
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Sich jetzt noch mit dieser Leidenschaft selbstständig zu machen, wagt die Frau mit dem scharfen Blick für tolle Motive nicht: „Ich weiß nicht, ob man damit um die Runden kommt. Und wir benötigen ja als Familie meinen Verdienst.“

Selbst vor Margeriten am Feldrand bleibt die 48-Jährige staunend stehen und drückt auf den Auslöser. (Foto: Nadine Renz)
Aktuell fotografiert sie deshalb rein privat, manchmal auch unentgeltlich für Freunde und Bekannte, und ist stattdessen auf der Suche nach einer neuen Anstellung in Reinigung, Hauswirtschaft, Handwerk, Tierpflege oder etwas anderem. „Ich kann mir eigentlich fast alles vorstellen. Nur den Handel nicht.“
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