Sie werfen den Samen auf die Trockenfläche: Städtebauer Bertram Ernst, Stadtgärtner Emanuel Trueb, Naturschützer Daniel Küry, Regierungsrätin Esther Keller und Bewohnerin Sandra Einert.
Bild: Kenneth Nars
Der Erlenmattpark: Umgeben von einer halbrunden Autobahnbrücke, der Wiese und als Abschluss der in den letzten Jahren erstellten Gebäuden liegt nun eine Wüste. Zumindest sieht sie auf den ersten Blick so aus. Die steinerne Trockenlandschaft soll zu einem wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere werden.
Die Tendenz ging in der vergangenen Zeit immer zu mehr Bäumen, die auch auf der Erlenmatte von der Anwohnerschaft gewünscht worden waren. Trotzdem stehen die Bewohnerinnen und Besucher vor einer Steinlandschaft, die eher einem Mondkrater ähnelt als einem Park. Durchgesetzt haben sich nicht die Verfechter von mehr Schatten, sondern der Naturschutz.
Nun hat die Stadtgärtnerei aber Landschaftsstrukturen nachgebildet, die einerseits an natürliche Flussauen erinnern, andererseits auch an das, was vorher da war: der Güterbahnhof der Deutschen Bahn. Schon in den rund hundert Jahren Bahnbetrieb haben sich an Trockenheit gewohnte Tierarten niedergelassen. Reptilien, Vögel, Insekten und zahlreiche weitere Arten. Nun bilden Kies- und Sandflächen, Steinformationen, nicht immer sofort zu erkennende Hohlräume und Pioniervegetation die Lebensräume für diese Tierarten.
Hinten Autobahn, vorne Steinwüste: Trotzdem wird so dem Naturschutz beim Abschluss des Erlenmattparkes Rechnung getragen.
Bild: Kenneth Nars
«Kissen» oder «Eisschollen» sorgen für die Natur
Die Gestaltung erhält den ökologischen Wert des Areals. Mit der Modellierung des Geländes in Form eines Kissens entstanden unterschiedliche Entwicklungsstufen, in denen Pflanzen und Tiere das Areal besiedeln konnten. Die steilen Böschungen bieten nicht nur ideale Bedingungen, sondern steuern auch den Besucherstrom, damit die wertvollen Naturflächen geschont werden. Ob sich beispielsweise die Kinder daran halten werden, darf bezweifelt werden. Denn die Fläche zieht die Kleinsten magisch an, sich auszutoben.
Baudirektorin Esther Keller freute sich am Erlenmattfest als erstes über das Ende der 30-jährigen Projektzeit: «Jetzt ist der Abschluss erfolgt!» Die grünliberale Regierungsrätin erinnerte sich an die Zwischennutzung des Areales, als sie selber noch das Tanzbein schwang, wo jetzt gewohnt und gelebt wird. Sie erinnerte an die Meilensteine, der ersten Etappe von 2011 und der zweiten von 2015. Parkabschnitte, die eher den Familien und Erholungssuchenden nutzen.
Früher hat sie hier das Tanzbein geschwungen, am Freitag eröffnete sie ein Naturschutzgebiet: Regierungsrätin und Baudirektorin Esther Keller.
Bild: Kenneth Nars
Naturschutz statt mehr Bäume
Bertram Ernst, der damals mit seinem jungen Büro den städtebaulichen Wettbewerb Erlenmatt gewann, verglich den Park mit Eisschollen: «Sie verteilen sich, sie passen sich an.» Er räumte ein, dass er sich mehr Bäume hätte vorstellen können. Aber zum Schutz von Flora und Fauna hat der Naturschutz Oberhand erhalten.
Einen Vergleich mit Berlin wagte Daniel Küry. Der ehemalige Anwohner und Vertreter von Naturschutzinteressen zeigte auf, dass beim Abbruch der Berliner Mauer ebenfalls ein Gebiet mit ähnlichen Bedingungen wie in Basel beim Rückzug der Güterwagen herrschte. «Schön ist etwas Berlin auf Basel übergeschwappt», meint Küry. Er dankte den Behörden, denn es sei nicht selbstverständlich, dass die Natur so hoch gewichtet werde.
Als grüne Lunge und Ort der Bewegung bezeichnete den Erlenmattpark Sandra Einert. Die Vertreterin der Bewohnerschaft freute sich über die gebauten Brücken zwischen Behörden und den hier lebenden Personen und natürlich aufs «zämme höggle» an wärmeren Tagen. Dennoch mahnte sie: «Lassen Sie uns Sorge tragen», was nicht nur den Anlagen, sondern auch der Natur gelten dürfte.
Zum Schluss des offiziellen Aktes schritten die Rednerinnen und Redner zusammen mit dem obersten Stadtgärnter Emanuel Trueb auf den Verbindungssteg, der über das Naturschutzgebiet führt. Aus einem Korb griffen sie in Pflanzensamen und warfen ihn in die Trockenlandschaft: in der Hoffnung, dass nicht nur das Projekt, sondern auch Flora und Fauna blühen.
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