Darum geht esStefan Dietrich nahm an einer Podiumsdiskussion an der Buchmesse in Genf teil.Mit dabei waren die ehemaligen französischen Premierminister Manuel Valls und Bernard Cazeneuve sowie Soziologe Sandro Cattacin.Thema war der zunehmende Antisemitismus und der Umgang der politischen Linken damit. Grundlage für Dietrichs Einladung war seine Rolle bei der Antisemitismus-Resolution der SP Schweiz.
Hochkarätige Diskussionsrunde: Mit zwei ehemaligen Französischen Premieministern und dem Bremgarter SP-Grossrat Stefan Dietrich.
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Eine Einladung wie diese erhält man nicht alle Tage: die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion mit zwei ehemaligen französischen Premierministern. Genau in dieser Situation stand der Bremgarter SP-Grossrat Stefan Dietrich am vergangenen Samstag.
An der Buchmesse im Palexpo in Genf diskutierten Vertreter aus Politik und Wissenschaft über den zunehmenden Antisemitismus. Der Bremgarter Politiker sass gemeinsam mit den früheren französischen Premierministern Manuel Valls und Bernard Cazeneuve auf dem Podium. Ein weiterer Vertreter war Sandro Cattacin, Soziologie-Professor an der Uni Genf. Im Rahmen der Buchmesse wurde während dreier Tage über verschiedene Aspekte des Antisemitismus debattiert.
Diskussion auf Französisch als Herausforderung
«Mir war es eine grosse Ehre, an diesem Podium teilzunehmen», blickt Stefan Dietrich am Montag zurück auf die drei Tage in Genf. Eingeladen wurde er als Initiant und Mitverfasser der Antisemitismus-Resolution der SP Schweiz, die am Parteitag in Biel verabschiedet wurde. Darin wird gefordert, Antisemitismus – in Worten und in Taten – zu bekämpfen.
Die Gesprächsrunde fand auf Französisch statt, das war für den Oberstufenlehrer eine zusätzliche Herausforderung. Er erzählt: «Mein Französisch ist über die Jahre etwas eingerostet, deshalb war ich froh um die Unterstützung durch die Simultanübersetzung.»
Im Zentrum stand die Frage, wie die politische Linke mit antisemitischen Tendenzen umgeht. Dass sich die Lage im Nachgang des Terrorangriffes der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verschärft hat, darin war man sich einig. Stefan Dietrich sagt: «Jüdische Menschen sind vermehrt Drohungen, Beleidigungen und Angriffen ausgesetzt, auch in der Schweiz.» Es habe Konsens darin geherrscht, dass Antisemitismus benannt und bekämpft werden müsse, so Stefan Dietrich gegenüber dieser Zeitung.
Stefan Dietrich (links) mit Manuel Valls, dem ehemaligen Premierminister Frankreichs.
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Sandro Cattacin betonte, wie entscheidend die Wortwahl sei: Je nachdem, wie über den Nahostkonflikt gesprochen werde, könne legitime Kritik in antisemitische Deutungsmuster kippen. Mehrere Teilnehmende hielten fest, dass Worte allein nicht genügen – gefragt seien konkrete Massnahmen und die Bereitschaft, auch im eigenen politischen Umfeld hinzuschauen.
Unterschiede zwischen den Ländern
Die Diskussionsrunde machte Unterschiede im internationalen Vergleich aus. Manuel Valls warnte davor, dass Teile der Linken aus wahlpolitischen Gründen problematische Strömungen tolerieren könnten. Bernard Cazeneuve kritisierte eine zunehmende Annäherung politischer Extreme und rief zur Verteidigung demokratischer Grundwerte auf. Eine Meinung, die der Bremgarter SP-Grossrat teilt: «Jüdische Menschen sollen in der Schweiz genauso frei leben wie alle anderen und ohne pauschale Zuschreibungen oder Generalverdacht.»
Die Diskussionsrunde machte aber auch Unterschiede zwischen Frankreich und der Schweiz aus. Während in Frankreich Staat und Religion strikt getrennt werden, werden insbesondere in der Deutschschweiz die Religionsfreiheit und der pluralistische Ansatz stärker gewertet. «Diese Unterschiede erschweren teilweise die Deabtte und machen gegenseitiges Verständnis umso wichtiger», kommentiert Dietrich.
Ein Amateur und Profis: So ordnet Dietrich seine Teilnahme an der Diskussionsrunde ein.
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«Das sind Profis und ich bin ein Amateur»
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass «die Auseinandersetzung mit Antisemitismus vertieft werden muss, es ist wichtig, dass wir dranbleiben», zieht Stefan Dietrich Bilanz. Beeindruckt zeigte er sich auch vom Niveau der Diskussion: «Ich sass mit zwei sehr erfahrenen Politikern auf dem Podium – absolute Auftrittsprofis.» Bernard Cazeneuve war von Dezember 2016 bis Mai 2017 Premierminister unter Präsident François Hollande und folgte damals auf Manuel Valls. Mit einem Augenzwinkern sagt Dietrich: «Das sind Profis – und ich bin Amateur.»
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