Mit „Crimson Desert“ liefert Pearl Abyss ein Spiel ab, das vor allem eines sein will: groß. Nicht nur groß im Sinne von Spielwelt, sondern auch in seinen Ideen, seinen Systemen und seinem Anspruch, ein möglichst umfassendes Open-World-Erlebnis zu bieten. Das Ergebnis ist ein Spiel, das beeindruckt, aber auch immer mal wieder an seinen eigenen Ambitionen scheitert.
Im Zentrum der Geschichte steht Kliff, Anführer einer Söldnertruppe namens Graumähnen. Gleich zu Beginn wird diese Gemeinschaft brutal zerschlagen: Ein rivalisierender Trupp, die sogenannten Black Bears, greift an, tötet zahlreiche Mitglieder und zerstreut die Überlebenden in alle Winde. Kliff selbst überlebt nur knapp – und macht sich fortan auf den Weg, seine Gefährten wiederzufinden, die Gruppe neu aufzubauen und Vergeltung zu üben.
Was zunächst wie eine klassische Rachegeschichte beginnt, weitet sich im Verlauf zu einem deutlich größeren Konflikt aus. Der Kontinent Pywel ist politisch instabil, verschiedene Fraktionen kämpfen um Macht, und im Hintergrund wirkt eine mysteriöse Bedrohung aus einer anderen Dimension – dem sogenannten Abyss –, deren Einfluss die Welt zunehmend aus dem Gleichgewicht bringt.
Eine Sammlung von Geschichten innerhalb einer großen Welt
In den Städten wimmelt es nur so von Händlern, Questgebern und anderen Spielfiguren.
| © Pearl Abyss/dpa-tmn
Dabei bleibt die Handlung lange fragmentiert. Statt einer klaren, durchgehenden Erzählung setzt das Spiel stark auf einzelne Episoden, Begegnungen und lose miteinander verbundene Ereignisse. Themen wie Loyalität, Verlust und Überleben sind zwar präsent, entfalten aber nicht immer die emotionale Tiefe, die man sich wünschen würde. Die Reise von Kliff fühlt sich dadurch weniger wie ein stringentes Abenteuer an, sondern eher wie eine Sammlung von Geschichten innerhalb einer großen Welt.
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Die riesige Welt gehört aber ohne Zweifel zu den größten Stärken des Spiels. Der Kontinent Pywel wirkt lebendig, roh und erstaunlich glaubwürdig. Landschaften gehen fließend ineinander über: dichte Wälder, zerklüftete Gebirge und windgepeitschte Ebenen erschaffen ein Gefühl von Weite, das selten so überzeugend umgesetzt wurde.
Besonders bemerkenswert ist, wie organisch sich die Welt anfühlt. Tiere reagieren auf ihre Umgebung, NPCs gehen ihren Routinen nach, und kleine Details sorgen dafür, dass man sich als Teil dieser Welt fühlt. Es ist eine Umgebung, in der man sich gerne verliert, selbst wenn man gerade kein konkretes Ziel verfolgt. Viele Nebenquests überraschen mit kleinen Geschichten, die Pywel lebendig machen. Gerade diese Episoden belohnen Spieler, die sich auch Zeit abseits der Hauptmissionen nehmen.
Kampfsystem mit Wucht – und kleinen Schwächen
Ich glaub‘, mich streift ein Elch: In «Crimson Desert» bekommen wir es im Kampf mit ganz verschiedenen Gegnern zu tun.
| © Pearl Abyss/dpa-tmn
Im direkten Kontrast zur ruhigen Erkundung steht das Kampfsystem, das schnell, intensiv und spürbar kraftvoll ist. Jeder Schlag hat Gewicht, Kombos gehen flüssig ineinander über, und die Inszenierung sorgt regelmäßig für spektakuläre Momente.
Die Vielfalt an Waffen und Fähigkeiten erlaubt es, den eigenen Stil zu finden, und sorgt dafür, dass Kämpfe selten eintönig wirken. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch eine Schwäche: Die Balance ist nicht immer sauber. Einige Gefechte fühlen sich genau richtig an, andere dagegen unnötig hart oder schlecht lesbar. Vor allem Bosskämpfe können schon einmal frustrierend sein.
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Was auch mitunter schwierig ist, ist die Steuerung. Die ist zwar grundsätzlich präzise und erlaubt flüssige Bewegungen im Kampf sowie bei der Erkundung der Welt. Allerdings wirkt sie gerade zu Beginn etwas umständlich: Viele Aktionen erfordern Kombinationen von Tasten oder Menünavigation, die nicht sofort intuitiv sind – und mitunter echte Verrenkungen der Finger erfordern.
„Crimson Desert“ braucht Zeit
„Crimson Desert“ steckt voller Systeme: Crafting, Nebenaktivitäten, wirtschaftliche Mechaniken, Minispiele und vieles mehr. Diese Vielfalt ist beeindruckend, wird aber nicht immer sinnvoll zusammengeführt. Viele Elemente wirken isoliert, fast so, als würden sie nebeneinander existieren, statt ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben. Das führt dazu, dass der Spielfluss immer wieder ins Stocken gerät.
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Hinzu kommt, dass das Spiel dem Spieler wenig an die Hand gibt. Menüs sind komplex, Erklärungen knapp, und wer sich nicht aktiv einarbeitet, verliert schnell den Überblick. Aber: „Crimson Desert“ ist kein Spiel, das man direkt zu Beginn vollständig erfassen kann.
Erst nach etwa 10 bis 15 Stunden beginnt das Spiel, seine volle Tiefe und Wucht zu zeigen. Man gewöhnt sich an die Steuerung, versteht die komplexen Mechaniken besser und fängt an, strategisch in Kämpfen und bei der Erkundung zu planen. Wer nicht dranbleibt, verpasst vielleicht den Moment, in dem es zu dem packenden und immersiven Erlebnis wird, das es sein kann.
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Fazit: Beeindruckend, ambitioniert – aber (noch) nicht ganz rund
Denn so viel steht fest: Technisch macht „Crimson Desert“ vieles richtig. Die Performance ist stabil, die Grafik beeindruckend, und die Welt wird auch auf der normalen PS5, auf der wir es getestet haben, ohne große Unterbrechungen dargestellt.
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„Crimson Desert“ ist ein Spiel, das durch seine Größe und seinen Anspruch sofort auffällt. Es bietet eine faszinierende Welt, ein starkes Kampfsystem und eine enorme Vielfalt an Möglichkeiten.
Gleichzeitig leidet es unter genau diesen Ambitionen. Die fehlende Fokussierung, die überladenen Systeme und die nur mäßig erzählte Geschichte verhindern, dass aus einem beeindruckenden Spiel ein wirklich herausragendes wird.
Auch eine deutsche Synchronisation fehlt, was schade ist. Erste Kritik haben sich die Entwickler aber zu Herzen genommen und Patches veröffentlicht. Es ist damit zu rechnen, dass „Crimson Desert“ in den nächsten Monaten noch besser wird.
„Crimson Desert“ ist seit dem 19. März 2026 für PC, Playstation 5 und Xbox Series X|S erhältlich. Dasa Spiel kostet in der Standard-Edition rund 60 bis 70 Euro. Das Spiel ist freigegeben ab 18 Jahren.
Transparenzhinweis: Für den Test wurde uns vom Publisher ein kostenloser Review-Code zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf unsere Wertung. Wir haben das Spiel auf der PS5 getestet.
INFORMATION
Für wen ist „Crimson Desert“ geeignet?
Geeignet für:
Spieler, die große Open Worlds lieben und gerne frei erkunden
Fans komplexer Systeme, die sich tief einarbeiten wollen
Action-RPG-Spieler, die Wert auf wuchtige Kämpfe legen
Geduldige Spieler, die sich Zeit nehmen und dranbleiben
Weniger geeignet für:
Spieler, die eine starke, durchgehend erzählte Story erwarten
Einsteiger, die klare Tutorials und Führung brauchen
Spieler, die schnelle Erfolgserlebnisse suchen
Fans von aufgeräumten, leicht zugänglichen Systemen

