Am Rande eines Studientages über den Staatsmann Alcide De Gasperi in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin Stellung zu mehreren aktuellen Themen bezogen. Vor Journalisten äußerte er sich zur liturgischen Debatte, zur Lage im Heiligen Land und zum politischen Erbe De Gasperis.

Vatikanische Bibliothek beleuchtet De Gasperis „Exiljahre“

Der italienische Ministerpräsident und Mit-Gründervater der EU Alcide De Gasperi arbeitete 15 Jahre seines Lebens bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Vatikan-Bibliothek. Die …

Mario Galgano – Vatikanstadt

In Bezug auf eine aktuelle Botschaft von Papst Leo XIV. an die französischen Bischöfe betonte Parolin die Notwendigkeit, Spaltungen innerhalb der Kirche zu vermeiden. „Die Liturgie darf nicht zu einem Grund für Konflikte und Spaltungen zwischen uns werden“, erklärte der Kardinal. Ziel müsse es sein, eine Formel zu finden, die „legitimen Bedürfnissen“ entgegenkomme, ohne die Liturgie zu einem „Schlachtfeld“ zu machen. Er unterstrich, dass diese Besorgnis in der Kirchenleitung geteilt werde.

Ostern und die Lage im Heiligen Land

Mit Blick auf das bevorstehende Osterfest erneuerte der Kardinalstaatssekretär den Appell zur Beendigung bewaffneter Konflikte. „Ostern ist das Fest des Friedens, des Friedens des auferstandenen Herrn. Es ist ein besonderer Anlass, die Einladung zu erneuern, dieser Torheit des Krieges ein Ende zu setzen“, so Parolin.

Zur Situation in Jerusalem, insbesondere zur ersten Schließung der Grabeskirche seit der Pandemie, bezeichnete er die Lage in der Region als „sehr schwierig“. Er äußerte jedoch die Hoffnung, dass die Riten der Karwoche zumindest im Inneren der Basilika gefeiert werden könnten. Auf die Frage nach einem offiziellen Friedensappell des Vatikans zu Ostern antwortete er: „Ich gehe davon aus, dass der Papst dies tun wird.“

Das Erbe von Alcide De Gasperi

Der Studientag, der im Sixtinischen Saal der Apostolischen Bibliothek stattfand, befasste sich mit der Zeit, die der spätere italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi während des Faschismus als Bibliothekar im Vatikan verbrachte. Auf die Frage, was heutige Politiker von De Gasperi lernen könnten, antwortete Parolin lakonisch: „Das Schweigen.“

An der wissenschaftlichen Veranstaltung nahmen unter anderem Experten wie Agostino Giovagnoli (Università Cattolica del Sacro Cuore), Paolo Vian (Vatikanisches Apostolisches Archiv) und Philippe Chenaux (Pontificia Università Lateranense) teil. Begleitend zur Konferenz wurde eine Ausstellung mit Originalmanuskripten und Dokumenten aus der Zeit De Gasperis im Vatikan präsentiert.

(vatican news/sir)