In Kilchberg müssen 19 Mietparteien bis Ende November 2026 ihre Wohnungen verlassen. Die Gemeinde will die Liegenschaften an der Grütstrasse künftig unter anderem für Asylsuchende nutzen. Für die Betroffenen kommt die Kündigung überraschend – und sie stellt viele vor existenzielle Fragen.

Aus Wohnung verdrängt

«Ich werde mitsamt meinen Kindern aus meiner Gemeinde verdrängt», sagt ein betroffener Mieter. Für seine 5-Zimmer-Wohnung zahle er 2500 Franken – mehr könne er sich nicht leisten. Eine vergleichbare Wohnung habe er trotz langer Suche nicht gefunden. In Kilchberg, der teuersten Wohngemeinde der Schweiz, ist günstiger Wohnraum rar.

Gemeinde kauft Häuser

Vor fünf Jahren verkaufte das See-Spital die Gebäude an das Sanatorium Kilchberg. Nachdem geplante Neubauten verworfen wurden, bot die Klinik die Wohnhäuser 2024 der Gemeinde an. Nach Zustimmung an der Urne unterzeichnete Kilchberg den Kaufvertrag im April – rund sechs Wochen später erhielten zahlreiche Mieter die Kündigung.

19 Mietverhältnisse betroffen

Insgesamt zählen die Häuser 31 Wohnungen. 19 Mietverhältnisse werden aufgelöst, weitere stehen bereits leer oder werden von der Gemeinde genutzt.

Wohnraum für Geflüchtete im Fokus

Die Gemeinde benötigt dringend Unterkünfte für Asylsuchende. Geplant sind insgesamt 35 Wohnungen – auch für Notfälle, Alterswohnungen oder wirtschaftlich schwächere Personen. «Aktuell steht die Unterbringung von Asylsuchenden klar im Vordergrund», erklärt die Gemeinde.

Der Fall ist kein Einzelfall. Im ganzen Kanton Zürich kämpfen Gemeinden mit Wohnraumknappheit. Projekte für neue Asylunterkünfte scheitern häufig an der Urne. Trotz leicht gesenkter Asylquote bleibt der Druck hoch – und Fälle wie in Kilchberg könnten sich wiederholen.