Farvel BaselFrühlingserwachen mit Verspätung

Was passiert, wenn die Heimat plötzlich nicht mehr der Ort ist, an dem man lebt? Unsere Kolumnistin Aimee Baumgartner schreibt über das Unterwegssein zwischen Abschied und Ankommen – und darüber, wie sich der Neuanfang in Dänemark anfühlt.
Während in Basel die Magnolienblüten blühen, lässt der Frühling im Norden etwas länger auf sich warten.
Bild: Kenneth Nars
Hier im Norden lässt der Frühling etwas länger auf sich warten. Leider. Auf den sozialen Medien sehe ich bereits, wie die Magnolienbäume vor der Pauluskirche bereits in voller Blüte sind, und wie sich die Sonnenanbeterinnen vor ihnen für das perfekte Instagram-Bild in Pose werfen. Bei meinem letzten Besuch in Basel, an der Fasnacht , war der Frühling schon erwacht. Während ich in der alten Heimat Temperaturen gegen 20 Grad geniessen konnte, lag bei der Abreise in Kopenhagen noch der letzte Schnee auf den Strassen.
Nach der Rückreise halte ich Ausschau nach Blumen, werde aber nur in den Läden fündig. Die Singvögel geniessen wohl noch die letzten Tage im Süden, bevor sie ihren Rückflug antreten. Die Winterjacke lasse ich zur Sicherheit noch hängen. Man weiss ja nie. Ich hoffe jedoch, dass ihre Tage gezählt sind und sie bald zum Übersommern auf den Estrich wandern kann.
Das Harte an diesem verzögerten Frühlingsbeginn in Dänemark ist aber etwas anderes. Ich vermisse meinen heissgeliebten Bärlauch. Insbesondere als Person, deren Geschmacksknospen Knoblauch über alles lieben, deren Körper die Wunderknolle allerdings nicht sonderlich verträgt .
Während keiner anderen Jahreszeit verbringe ich so viel Zeit in den Läden und auf dem Markt. Ganze Theken füllen die Detailhändler mit ihren saisonalen Produkten. Und Jahr für Jahr kommt es mir vor, als würden die Produktentwickler kreativer werden. Insgeheim wäre mein absoluter Traumjob in der ‹Fachgruppe Bärlauch› als Beraterin und Testesserin. Kräuterbutter, Tagliatelle, Spätzli, Salatsauce, Käse, Bratwurst, Pesto, Marinade, Senf, Chips, Burrata, Aufschnitt. Wenn’s um Bärlauch geht, kenne ich keine Grenze. Alles landet bei mir im Körbli. Zumindest in der Schweiz. Denn die Dänen sind auf diesen Hype leider (noch) nicht aufgesprungen.
Vielleicht ist es gar nicht der Frühling, der auf sich warten lässt, sondern meine Ungeduld. Die Natur kennt schliesslich keinen Vergleich, keinen Kalender, kein ‹Zu-spät-Kommen›. Sie kommt, wenn ihre Zeit reif ist. Und vielleicht liegt genau darin ihre Gelassenheit – und eine leise Einladung, es ihr gleichzutun.
Zoll, Zettel und Zügelkisten

Aimee Baumgartner, Kopenhagen
E Heimweh-Baslerin

Aimee Baumgartner, Kopenhagen
Auf zu neuen Ufern

Aimee Baumgartner, Kopenhagen
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