Basel gilt als Stadt der Künste und ebenso unbestritten verdient Basel das Prädikat, eine Stadt der Wissenschaften zu sein. Zwischen diesen beiden parallelen Welten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, baut ein Festival der besonderen Art seit einigen Jahren Brücken. Interfinity heißt das Veranstaltungsformat, das stets die scheinbar fernliegenden Aspekte miteinander verknüpft. Mit wachsendem Erfolg, wie sich bei der diesjährigen Ausgabe mit dem Schwerpunkt Kosmos zeigte. 7000 Besucher hat Gründer und Direktor Lukas Loss bei dem ganz ohne öffentliche Subventionen arbeitenden Festival gezählt.
Hochkarätige Künstler
Zwei Wochen lang trafen bei Interfinity 2026 hochkarätige Künstler auf Nobelpreisträger, Astronauten auf Musikvirtuosen, Poesie auf Physik oder Elektronik auf Naturklänge. Zum Finale bot Interfinity Ende vergangener Woche eine spektakuläre Verknüpfung von Musik, Licht und Wort in der Messe Basel.
„Wir bringen Dinge zusammen, die eigentlich gar nicht zusammenpassen“, sagt Lukas Loss. Der Veranstalter, der als (früherer) Musiker und als Sohn eines Physikers mit beiden Bereichen vertraut ist, sieht nach einigen Jahren, wie seine Saat aufgeht. „Es gelingt uns mehr und mehr, mit Themen, die sonst etwas unter dem Radar fliegen, ein breites Publikum anzusprechen“, sagt Loss.
Wobei die Verknüpfung in beide Richtungen funktioniert: Sowohl über die Kunst als auch über eher wissenschaftliche Zugänge würden die Menschen vermehrt zu Interfinity finden. „Darauf bin ich stolz“, sagt Loss.
Kunst und Wissenschaft, also Seele und Verstand, mithilfe des jeweils anderen Bereichs aufzuschließen, klingt als Konzept zunächst einmal theoretisch. „So schön wie das tönt, so ungewohnt bleibt es doch“, sagt auch Festival-Chef Lukas Loss über das latente Risiko, mit seinen Ideen abzustürzen. In der Vergangenheit hatte sich Interfinity bereits sperrigen Themen Quantenphysik oder Antibiotikaresistenz künstlerisch genähert, nun wählte Loss gestärkt von diesen Erfahrungen einen vergleichsweise dankbaren Ansatz.
Grenzen von Raum und Zeit
Das Thema Kosmos bot auf beiden Ebenen gemeinsame Anknüpfungspunkte: Sowohl in der Kunst, als auch in der Wissenschaft geht es dabei um die Grenzen von Raum und Zeit, um Vorstellungen vom Jenseits, um Sphären weit außerhalb oder tief innerhalb des Menschlichen, um Utopien, um Vorstellungskraft, um Sinnsuche und nicht zuletzt auch um ganz sinnliche Aspekte wie Neugier oder Abenteuerlust.
Die Veranstaltungen von Interfinity 2026 waren wie eine imaginäre Reise angeordnet. Startpunkt war der Barock, also eine Zeit, in der sich die Musik zwar bereits mit Sphären beschäftigte und damit aber vor allem innere und göttliche meinte. Aber Wissenschaft musste sich damals erst noch finden. Den damaligen Entdeckungen von Galilei oder Kepler schrieb der einzige Schweizer Astronaut Claude Nicollier gleich beim Eröffnungsabend die gleiche Triebkraft zu wie der Kunst. Es gehe immer um Harmonie und Schönheit des Universums, meinte Nicollier. Damit war ein Bogen gespannt, der bis zum letzten Abend reichte.
Kraft der Musik
In der bewusst gewählten Weite der 600 Meter langen Messehalle spielte beim Finale das Sinfonieorchester Basel die Komposition „Exoplanets“ von Robert Laidlow, verknüpft mit Texten von Festivalchef Lukas Loss. Bemerkenswert: Die zeitgenössische Komposition wäre ohne die teils fachlichen, teils poetischen Texte viel schwerer zugänglich gewesen, während umgekehrt die Verständlichkeit der Texte durch die suggestive Kraft der Musik erleichtert wurde. Auch wenn beim Finale noch einmal deutlich wurde, wie sich für ein breites Publikum die Wahrnehmung beider Bereiche gegenseitig begünstigt, wertet Loss sein Festival immer als „Gratwanderung“. Denn so sehr Interfinity herausragenden schweizerischen Forschungsgesellschaften wie in diesem Jahr dem Natonal Center of Competence in Research den Kontakt zur nicht-fachlichen Basis ebnet, so sehr will Loss auch darauf achten, dass wissenschaftliche Gewissheiten die Kunst „nicht zu sehr entzaubern.“ Vor allem aber, so erklärt Loss, hat sich ein wesentliches Prinzip bei Interfinity bewährt: „Wir dürfen nicht zu didaktisch werden.“