David Knezevic und die HSC-Spieler hatten mit den Gästen aus Zürich ihre liebe Mühe.
Bild: Alexander Wagner
Für Menschen, die ihre Freizeit gerne mit Sportwetten verbringen, ist der HSC Suhr Aarau ein Graus. So ist es in dieser Saison nämlich nahezu unmöglich vorauszusehen, welche Mannschaft man an einem Spieltag zu sehen bekommt. Keine Partie gleicht der anderen. Mal fegt der HSC ein Spitzenteam wie Wacker Thun von der Platte, mal spielt er so wie am Mittwochabend gegen GC Amicitia Zürich: ungenügend. Und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Die Ausgangslage war klar: Ein Punktgewinn und Suhr Aarau würde sich vorzeitig die Teilnahme an den Playoffs sichern, während dem Gegner aus Zürich kein Szenario mehr helfen würde, um nicht an den ungeliebten Playouts gegen den Abstieg teilnehmen zu müssen.
Vielleicht war dies das Problem. Sich darauf zu verlassen, dass es schon irgendwie gehen wird, ist selten erfolgsversprechend. Zumal: Wer spekuliert schon freiwillig auf ein Unentschieden? Noch dazu im Handball, wo die vielen Tore alles noch ein wenig unberechenbarer machen.
Fehler um Fehler im HSC-Spiel
Nun, scheinbar machte sich der HSC Suhr Aarau an diesem Abend ebenjenem Irrglauben schuldig. Es ist den Spielern nicht abzusprechen, dass sie nicht hätten gewinnen wollen, nur war davon nichts zu sehen. Stattdessen wirkte es, als sei der HSC von Anfang an auf Schadensbegrenzung aus. Das Perfide daran: Genau damit richtete er den grössten Schaden an.
0:4 nach sieben Minuten – derart möchte kein Team der Welt in ein Spiel starten. Doch war der hohe Rückstand nur folgerichtig, weil die HSC-Spieler technischen Fehler um technischen Fehler fabrizierten, allein deren neun in der ersten Halbzeit. Einmal ging gar etwas schief, was für einen Handballer eigentlich das Einfachste der Welt sein müsste: das Anspiel im Mittelkreis.
Es ist dem HSC zugute zu halten, dass er sich von seinem schrecklichen Start einigermassen erholte und nach rund 20 Minuten zum 9:9 ausglich. Doch tatsächlich sollte es bis zum Ende das letzte Mal bleiben, dass zwischen den beiden Kontrahenten Gleichstand herrschte. Immer wenn der HSC den Anschein erweckte, als würde er eine waghalsige Aufholjagd einleiten, brachte er sich danach mit Leichtsinnsfehlern um den eigenen Lohn.
Die HSC-Spieler müssen nun auf das letzte Saisonspiel hoffen.
Bild: Alexander Wagner
Ins Bild passte, dass ausser Flügelspieler Thomas Bieri (vier Tore) kein Akteur Normalform erreichte. Topskorer Nikos Sarlos traf kein einziges Mal aus dem Spiel heraus, Rückraumspieler Marijan Maric – dessen Wurfgewalt erwünscht gewesen wäre – erzielte lediglich zwei Treffer. Auch die Torhüter Moritz Ebert und Nikola Peric reizten mit Abwehrquoten unter 30 Prozent ihre Möglichkeiten nur unzureichend aus. Auf GC-Seite glänzte derweil Ex-HSC-Spieler David Poloz mit neun Toren aus neun Versuchen. Einen wie ihn hätten die Gastgeber auch gebrauchen können.
Eine Chance bleibt noch
Captain Maric versuchte das Geschehene hinterher, so gut es ging, einzuordnen. Es fiel ihm schwer, auch wenn er sagte: «Ich glaube nicht, dass wir zu nervös waren. GC war einfach viel besser als wir. Das ist Sport, das ist Handball. Manchmal will nichts klappen.»
Den Aargauern bleibt nur zu hoffen, dass es in einer Woche eben wieder anders wird. Die gute Nachricht: Ein Playoff-Matchball bleibt dem HSC noch, auswärts bei St. Otmar St. Gallen benötigt er mindestens jenen Punkt, den er schon an diesem Abend gerne eingefahren hätte.
Bei einer Niederlage aber muss der HSC hoffen, dass GC Amicitia zeitgleich nicht gegen den Tabellenletzten aus Stäfa gewinnt. Verlassen sollte man sich darauf lieber nicht.