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London (England) – Angela Bacares (58) hat in ihrem Leben viel durchgemacht: Sie überlebte 2024 den Untergang einer als unsinkbar geltenden Luxusjacht, bei dem sieben Menschen an Bord starben. Darunter ihr Ehemann, der britische Milliardär Mike Lynch († 59), und die jüngste Tochter. Jetzt kommt es zu einem weiteren Fiasko, das ihr finanzieller Ruin sein könnte.
Der Nachlass von Bacares’ verstorbenem Ehemann wurde am Dienstag in London dazu verpflichtet, umgerechnet rund 1 Milliarde Euro Schadenersatz an das US-Unternehmen Hewlett Packard zu zahlen, wie die britische Zeitung „The Times“ berichtet. Zur Kasse wird jetzt seine Witwe gebeten.

Die „Bayesian“ war 56 Meter lang, zählte zu den größten Segeljachten weltweit. Von den 22 Menschen an Bord ertranken sieben Personen, fünfzehn wurden gerettet
Foto: www.superyachtfan.com
Milliarden-Urteil: So kam es dazu
Mike Lynch, bekannt als „Englands Bill Gates“, hatte 2011 sein Softwareunternehmen Autonomy an den US-Riesen Hewlett Packard verkauft – für den Preis von 11,7 Milliarden Dollar. Doch Hewlett Packard warf ihm vor, den Wert seines Unternehmens künstlich in die Höhe getrieben zu haben und reichte 2015 Klage ein. Mehr als ein Jahrzehnt beschäftigte der Fall die Justiz. Im vergangenen Juli verdonnerte das Londoner Gericht den Lynch-Nachlass bereits zur Zahlung von 700 Millionen Pfund (umgerechnet rund 830 Millionen Euro) Schadenersatz. Weil der Verkauf 15 Jahre her ist, forderte Hewlett Packard auch noch Zinsen. Am Dienstag urteilte das Gericht nun: Zu den 852 Millionen kommen laut einem Bericht der „Times“ noch umgerechnet rund 200 Millionen Euro Zinsen obendrauf. – macht insgesamt umgerechnet eine Summe von rund 1 Milliarde Euro. Lynchs Nachlass drohe „ausgelöscht“ zu werden, so „Times“.
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Ein Urteil, von dem der Milliardär nichts mehr mitbekommt. Im August 2024 ertranken Mike Lynch und seine 18-jährige Tochter Hannah, als seine 56 Meter lange Superjacht „Bayesian“ vor Sizilien wegen eines Unwetters unterging. Angela Bacares überlebte. Eine Wasserhose soll die Jacht in der Nacht getroffen haben, sie kenterte binnen Minuten und sank. Die exakte Ursache für den Untergang ist unklar. Laut einem vorläufigen Bericht vom Mai 2025 brachte der extreme Wind die Jacht aus dem Gleichgewicht. Nach der Bergung im Juni 2025 wurden weitere Untersuchungen angekündigt.
An Bord hatte der Milliardär gefeiert, dass ihn ein US-Gericht in San Francisco von den Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Verkauf seiner Firma freigesprochen hatte. In den USA hatten Lynch bis zu 25 Jahre Haft gedroht.

Ein Blick ins Innere der Luxusjacht „Bayesian“ vor ihrem Untergang. Bei der Bergung aus 50 Metern Tiefe neun Monate später kam ein Taucher ums Leben
Foto: yachtcharterfleet
Das Gericht hat dem Nachlass von Lynch verweigert, gegen eines der früheren Urteile Berufung einzulegen. Er könnte den Rechtsstreit jedoch noch vor das Berufungsgericht bringen, um das Urteil anzufechten. Lynch hatte die Betrugsvorwürfe stets bestritten. Das aktuelle Gerichtsurteil könnte den Bankrott bedeuten. Denn der Wert seines Nachlasses wird auf „nur“ 500 Millionen Pfund (577 Millionen Euro) geschätzt.

Mike Lynch und Tochter Hannah hatten ein enges Verhältnis. Die ältere Tochter, Esme, war nicht an Bord des Unglücksjacht. Lynch war nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch Berater der ehemaligen britischen Premierminister David Cameron (59) und Theresa May (69)
Foto: FAMILY HANDOUT/AFP
Ein weiterer Prozess kommt auf sie zu: Im Januar wurde bekannt, dass die Italian Sea Group sie verklagt – auf 456 Millionen Euro. Der Italian Sea Group gehört das Unternehmen, das die Jacht gebaut hat. Sie reichte Klage ein, weil ihr Geschäft unter dem Untergang der „Bayesian“ gelitten hat. Deren Geschäftsführer Giovanni Costantino hatte sie einst als „unsinkbar“ bezeichnet. Warum die Klage? Sie basiert, vereinfacht gesagt, darauf, dass nicht das Schiff fehlerhaft gewesen sei, sondern der Betrieb.