VolksschuleViertagewoche an Schulen: Aargauer FDP holt die Jahresschule aus der Versenkung zurück

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Vor drei Jahren startete die FDP-Fraktion eine Bildungsoffensive mit neuen Denkansätzen für die Volksschule. Inzwischen hat der Kanton Aargau ein neues Schulgesetz. Jetzt taucht die Idee der «Jahresschule» wieder auf.

Die FDP-Fraktion erkundigt sich nach der Möglichkeit für alternative Schulzeitmodelle.Die FDP-Fraktion erkundigt sich nach der Möglichkeit für alternative Schulzeitmodelle.

BIld: Sandra Ardizzone

Im August startet die Berner Gemeinde Belp mit einem Pilotprojekt für die Viertagewoche an der Volksschule. Dafür gibt es mit sechs Wochen deutlich weniger Ferien. Belp testet dieses alternative Schulzeitmodell mit Tagesschulbetrieb von 8 bis 16.30 Uhr inklusive Mittagessen drei Jahre lang. Die Gemeinde sieht in der Jahresschule eine Möglichkeit, Eltern, Kinder und Lehrpersonen zu entlasten.

Diese Ankündigung hat schweizweit für Schlagzeilen gesorgt und eine Debatte über Vor- und Nachteile dieses Zeitmodells ausgelöst. «Wie die tatsächliche Organisation der Jahresschule sein wird, wird in einem partizipativen Prozess zu klären sein», schreibt der Aargauer FDP-Grossrat Titus Meier im jüngsten Vorstoss seiner Fraktion. Die Belper Argumente für diesen Schulversuch seien in etwa die gleichen, wie sie die FDP-Fraktion vor drei Jahren in einer Motion vorgebracht hat.

Grosser Rat lehnte die Motion 2024 klar ab

Damals forderte Titus Meier, der als Lehrer an der Bezirksschule Brugg arbeitet, im Rahmen einer Bildungsoffensive , die Unterrichtsstunden besser übers Jahr zu verteilen, den vorhandenen Schulraum besser auszunützen und die Zahl der Ferienwochen zu reduzieren. Die Aargauer Regierung sollte dies in einem Pilotprojekt testen, verlangte die FDP.

2023 stellte die FDP ihre bildungspolitischen Vorstösse vor der Primarschule Schachen in Aarau vor (v. l.): Grossrat Titus Meier, Fraktionspräsident Silvan Hilfiker, Parteipräsidentin Sabina Freiermuth und Grossrätin Jeanine Glarner.2023 stellte die FDP ihre bildungspolitischen Vorstösse vor der Primarschule Schachen in Aarau vor (v. l.): Grossrat Titus Meier, Fraktionspräsident Silvan Hilfiker, Parteipräsidentin Sabina Freiermuth und Grossrätin Jeanine Glarner.

Bild: Alex Spichale

Eine Neustrukturierung des Schuljahrs hätte grundlegende, sehr breite und generationenübergreifende Konsequenzen zur Folge, schrieb die Regierung in ihrer ablehnenden Antwort. Ein derartiger Einschnitt in das öffentliche Leben könne nur über eine Diskussion auf interkantonaler Ebene und über einen demokratisch breit verankerten Prozess erfolgen. Die Durchführung eines Pilotprojekts könnte bei weitem nicht genügend Erkenntnisse liefern, wie sich das Modell im ganzen Kanton auswirken würde. Das Aargauer Kantonsparlament lehnte die Überweisung der Motion im Januar 2024 mit 107 gegen 25 Stimmen ab.

FDP erkundigt sich nach den Voraussetzungen

Im zweiten Anlauf setzt die FDP-Fraktion auf eine Interpellation. Das heisst: Anstatt einen Pilotversuch zu fordern, stellt sie dem Regierungsrat acht Fragen. Basierend auf dem erwähnten Beispiel aus dem Kanton Bern loten die Liberalen mit dem am Dienstag eingereichten Vorstoss die Möglichkeiten für ein Pilotprojekt im Aargau aus.

Sie wollen wissen, wie der Regierungsrat das neue Schulzeitmodell – kürzere Schulwoche bei reduzierten Schulferien – einschätzt. Auch im Hinblick auf pädagogische Qualität, Belastung der Schulkinder sowie die Vereinbarkeit von Schule und Familie. Eine weitere Frage lautet: Erlaubt die aargauische Gesetzgebung heute Abweichungen von der bestehenden Wochen- und Ferienstruktur?

Abschliessend will die FDP-Fraktion erfahren, ob der Regierungsrat bereit ist, interessierten Gemeinden oder Schulen den notwendigen Spielraum für solche Pilotprojekte zu gewähren. Die Fraktion beabsichtigt damit, belastbare Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Volksschule zu gewinnen.

Mehr dazu im Beitrag von Tele M1:KommentareJetzt kommentieren

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