Basler GesprächSergio Ermotti: Der drohende Diplomat

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UBS-Chef Sergio Ermotti stellt sich in Basel dem Publikum. Das ist über weite Strecken belanglos – zeigt aber auch, wie der wichtigste Banker des Landes tickt.

Es ist nicht so, dass die Gesprächsveranstaltungen der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel bekannt dafür wären, die Konflikte und Auseinandersetzungen der Schweiz auf eine laute und polemische Art auszutragen.

Wer jedoch von UBS-Chef Sergio Ermotti, der sich am Montagabend in der Aula der Universität dem hiesigen Publikum stellte, viel Bemerkens- und Zitierenswertes erhoffte, ging enttäuscht nach Hause.

Sergio Ermotti im Gespräch mit Carolin Roth, Moderatorin, in der Aula des Kollegiengebäudes der Universität Basel.Sergio Ermotti im Gespräch mit Carolin Roth, Moderatorin, in der Aula des Kollegiengebäudes der Universität Basel.

Bild: Roland Schmid

Keine gewagten Prognosen

Ermotti ist der geborene Diplomat im Banker-Anzug. Er kann die Weltlage («eine neue Fragilität») ebenso unverbindlich wie wortgewandt analysieren wie er prognostiziert, dass Künstliche Intelligenz das Finanzwesen bis in vier oder fünf Jahren gründlich umgekrempelt haben wird.

So plätscherte das von der Moderatorin Carolin Roth – sie ist per Du mit Ermotti – geleitete Gespräch vor sich hin. Ein paar Dinge liessen sich jedoch heraushören: Zum Beispiel geht der UBS-Chef davon aus, dass es länger dauern werde, die aktuelle, durch den Irankrieg ausgelöste Krise zu bewältigen, als viele meinten.

«Swissness bringt auch Nachteile»

Ermotti bekennt sich selbstverständlich zum Standort Schweiz. Er liess aber auch durchblicken, dass er mit seiner Heimat nicht mehr nur glücklich ist. «Swissness bringt inzwischen Vor-, aber auch Nachteile», sagte er. Es sei nicht gottgegeben, dass das Land über einen starken Finanzplatz verfüge. Damit spielte er auf die «Lex UBS», also auf die Politik an, die seiner Bank höhere Eigenkapitalquoten auferlegen möchte.

Viel Einordnung, wenig Konkretes: Ermotti spricht über Krisen, KI und die Zukunft des Finanzplatzes.Viel Einordnung, wenig Konkretes: Ermotti spricht über Krisen, KI und die Zukunft des Finanzplatzes.

Bild: Roland Schmid

Die guten Rahmenbedingungen in der Schweiz, so kritisierte Ermotti, seien in den vergangenen Jahren schon etwas wackelig geworden. Was er genau damit meinte – er sprach von gewissen Volksbegehren – wurde nicht ganz deutlich. Immerhin: Die 10-Millionen-Initiative der SVP lehnt er ab.

Fragen nach seiner eigenen beruflichen Zukunft liess er bewusst abprallen. Dafür verriet er, dass er eigentlich habe Fussballer – oder zumindest Sportlehrer werden wollen.

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