Vier Fragen an Matthias Felix, Programmleiter Gesundheitsförderung im Alter des Kantons Aargau, der die Gesprächsserie produziert hat:

Seniorweb: Inwiefern dient die Gesprächsreihe «Graue Haare, bunte Köpfe» der Gesundheitsförderung im Alter?

Matthias Felix: Altersbilder prägen unsere Vorstellungen davon, was Altern bedeutet – sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Negative Stereotype wirken sich nachweislich ungünstig auf Gesundheit und Lebensqualität aus. Sie fördern Altersdiskriminierung, schwächen die Selbstwirksamkeit älterer Menschen und können langfristig ihr Wohlbefinden beeinträchtigen.

Das Altersbild in der Gesellschaft ist oft negativ, fokussiert auf Defizite und weist älteren Menschen einen niedrigen Status zu. Diese negativen und undifferenzierten Sichtweisen sind tief verankert und dominieren noch immer in vielen Bereichen.

Das Schwerpunktprogramm Gesundheitsförderung im Alter möchte hier ansetzen: Es vernetzt jüngere und ältere Generationen und porträtiert inspirierende Lebensgeschichten älterer Menschen. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner leben selbstbestimmt, sind gesellschaftlich eingebunden und verfolgen weiterhin aktiv ihre Bedürfnisse – auch bei möglichen körperlichen Einschränkungen. Die authentischen Generationengespräche hinterfragen verbreitete Stereotype in unterschiedlichen Lebensbereichen und eröffnen neue Perspektiven auf das Alter(n). Vermittelt wird ein Altersbild, das Alter nicht als Ende von Aktivität, Engagement oder Lebensqualität versteht, sondern als Lebensphase, in der neue Möglichkeiten und Perspektiven entstehen können.

Matthias Felix, Programmleiter Gesundheits-förderung im Alter Kt. AG (Foto zVg)

Wie entstehen eigentlich unsere Vorstellungen vom Alter?

Unsere Vorstellungen vom Alter beginnen schon in der Kindheit. Kinder übernehmen unbewusst gesellschaftliche Klischees – zum Beispiel, dass ältere Menschen langsam oder technisch unbeholfen seien. Später prägen Begegnungen mit Grosseltern oder anderen älteren Menschen unsere eigene Sicht.

Gleichzeitig wandeln sich die gesellschaftlichen Altersbilder: Positive Eigenschaften wie Gelassenheit, Lebenserfahrung, emotionale Stärke oder das Engagement in Familie und Gemeinschaft rücken stärker in den Vordergrund. Dennoch werden ältere Menschen in Diskussionen über Gesundheits- oder Pflegekosten oft undifferenziert betrachtet und pauschal als krank oder hilfsbedürftig dargestellt.

Was kann man selbst tun, um das Alter positiv zu erleben?

Natürlich bringt das Alter Veränderungen und manchmal Einschränkungen mit. Entscheidend ist jedoch, wie man damit umgeht. Wer neugierig bleibt, offen für Neues ist und das Leben eher als «halb volles Glas» sieht, profitiert spürbar – körperlich wie seelisch. Studien zeigen sogar: Ein positives Altersbild kann die Lebenserwartung um bis zu sieben Jahre verlängern.

Ein positives Altersbild beginnt im Kopf – und das kann man bewusst fördern. Es hilft, sich auf die eigenen Möglichkeiten zu konzentrieren, statt auf das, was nicht mehr geht. Soziale Kontakte pflegen, sich für andere engagieren und Aktivitäten nachgehen, die Freude bereiten, stärkt Körper und Geist gleichermassen. Auch kleine Erfolge im Alltag, wie eine neue Technik erlernen, ein Hobby vertiefen oder regelmässig spazieren gehen, tragen dazu bei, das Alter aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Lohnt es sich im hohen Alter noch, etwas für die Gesundheit zu tun?

Ja, auf jeden Fall. Die Forschung zeigt: Auch im hohen Lebensalter können wir neue Gewohnheiten entwickeln. Wer sich gesund verhält, gewinnt an Lebensqualität, bleibt länger selbstständig und stärkt sein körperliches wie seelisches Wohlbefinden. Der Einsatz für die eigene Gesundheit lohnt sich also in jedem Alter. Zentrale Faktoren sind regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung, soziale, wenn möglich generationenübergreifende Kontakte, Neues lernen wollen.