So könnte es aussehen, wenn man in Basel-Stadt eine Anzeige erstatten möchte.So könnte es aussehen, wenn man in Basel-Stadt eine Anzeige erstatten möchte.

Bild: Urs Flueeler / Keystone

In Basel-Stadt gab es bis anhin sechs Polizeiposten, seit einigen Wochen ist es nun einer mehr. Denn seit Anfang März ist der Online-Posten der Kantonspolizei Basel-Stadt aufgeschaltet. Dieser erlaubt es einem, Anzeigen von zu Hause aus per Video-Call und mit Termin zu erstatten.

Am Mittwochmorgen präsentierte die Basler Polizei den Ausbau ihrer Digitaldienstleistungen. Der neue Online-Polizeiposten ergänzt die bisherigen Online-Formulare zur Anzeigenerstattung. Fünf Stellen wurden für das Projekt geschaffen. Bis Mai sollen alle besetzt sein.

Per Video-Call zur Anzeige

Der Vorteil für Basler und Baslerinnen ist laut Polizei klar, dass die Bevölkerung «bequem» von zu Hause aus Anzeige erstatten kann. Und die Polizei erhofft sich angesichts der dünn besetzten Personallage Entlastung und Effizienz.

An der Pressekonferenz demonstriert die Polizei, wie das in Zukunft funktionieren soll. Per Anmeldeformular erhält man einen Link auf die E-Mail-Adresse. Darauf geklickt, öffnet sich automatisch der Video-Chat. Im Sitzungszimmer an der Clarastrasse ploppt gross Wachmeister Lüthis Gesicht auf dem Bildschirm auf. «Guten Tag, hier spricht Lüthi von der Kantonspolizei Basel-Stadt, womit kann ich Ihnen helfen?», sagt er in die Runde. So sieht also die Zukunft der Verbrechensbekämpfung aus.

Wachmeister Lüthi nimmt den Test Video-Call an der Pressekonferenz an.Wachmeister Lüthi nimmt den Test Video-Call an der Pressekonferenz an.

Bild: Urs Flueeler / Keystone

Die Polizei sei ja «nicht von gestern», sagt der Polizeisprecher, «wir müssen mit der Digitalisierung mitgehen». Das belegen auch die Zahlen: Waren es 2021 noch 2968 Online-Anzeigen bei der Basler Polizei, sind es 2025 bereits 8045. Die Polizei rechnet mit einem jährlichen Zuwachs von 10 Prozent.

«Hallo? Hören Sie mich?»

Die Gespräche werden laut Polizeisprecher nicht aufgezeichnet. Zudem sind die Gesprächsdaten verschlüsselt und können auch vom Anbieter nicht eingesehen werden, sagt er. Für Sicherheit ist demnach gesorgt. Seit Anfang März seien bereits 46 Anzeigeanrufe eingegangen. Der Anzeigegrund variiert laut Polizeisprecher von «einfachen Delikten» wie Velodiebstahl bis zu Gewaltdelikten oder Cybercrime. Ausser dem zum Video-Call dazugehörenden «Hallo? Hören Sie mich?» oder «Funktionieren meine Kopfhörer?» seien keine gröberen Probleme vorgefallen.

Obwohl er effizienter ist, soll der neue Online-Schalter keine physischen Polizeiposten ersetzen, bloss unterstützen. Laut der Leiterin Prävention (Polizeiposten), Valerie Profes, könne man sich auch vorstellen, dass der Video-Call als niederschwelliges Angebot etwa für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, diene. Dies, da der Weg zum nächsten Polizeiposten für einige doch abschreckend sein könne oder die Gefahr zu gross sei, gesehen zu werden.

Mittlerweile können fast alle Delikte über den Video-Call übermittelt werden. Die einzige Ausnahme: Sexualdelikte. Diese müssen, wie es auf der Webseite heisst, weiterhin auf dem Polizeiposten angezeigt werden. Zudem gibt es einige Voraussetzungen für den Video-Call. So muss man im Kanton Basel-Stadt wohnhaft sein oder das Delikt muss im Kanton Basel-Stadt stattgefunden haben, heisst es auf der Webseite der Kapo.

Von Montag bis Freitag, von 9 bis 17.30 Uhr, kann man die Polizei per Video-Call erreichen, jedoch nur mit Termin. Laut Polizeisprecher prüfe man derzeit, ob in Zukunft Randzeiten ebenfalls bedient werden sollen – aufgrund der grossen Nachfrage. Denn versucht man heute, einen Termin zu buchen, ist der nächste erst am 13. April verfügbar.

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