Sie lebte zeitweilig in der Wohnung von Fred Stein. Dort hat der Fotograf dann auch die eigenwillige junge Frau in facettenreichen Porträts festgehalten. «Gerda Taro ist teilweise sehr nahbar zu sehen, rauchend, auch sehr witzig grimassenschneidend», erzählt Rood. Manche Aufnahmen seien aber auch sehr inszeniert, mit Kleidung aus dem 19. Jahrhundert, «wo man ihre Extravaganz förmlich spüren kann, die sie ganz bewusst auch spielerisch nach außen trägt», so Rood. 

Kurz darauf wird Gerda Taro in den Spanischen Bürgerkrieg ziehen, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Robert Capa. Und dort in Spanien, da haben sie dann maßgeblich die moderne Kriegsfotografie mitgeprägt. Fred Stein bleibt unterdessen in Paris, doch bei Kriegsausbruch 1939 wird er dann wie so viele deutsche Emigranten interniert.

Beeindruckende Porträts von Albert Einstein und Hannah Arendt

1940 gelingt es ihm unter dramatischen Umständen von Marseille aus nach New York zu flüchten. In den USA muss er wieder von vorne anfangen, doch auch dort wird er wieder zum Porträtisten des deutschen Exils. Er schafft lebendige Charakterbilder von Hannah Arendt, Alfred Döblin oder Albert Einstein. Sylvia Asmus ist verantwortlich für die Schau in der Deutschen Nationalbibliothek zu Leipzig. Sie glaubt, das Besondere an Fred Stein sei, «dass in seinem Blick immer die eigene Biografie auch sichtbar wird», weshalb er viele Exilierte fotografierte.

Doch er entdeckt auch die faszinierende Metropole mit den Wolkenkratzerschluchten und der Vielfalt der Kulturen. Und dabei entwickelt er dann auch einen ganz eigenen Blick, um diese fremden Welten festzuhalten. «Er hat ganz ungewöhnliche Perspektiven von oben gewählt», erzählt Sylvia Asmus. Er habe viele grafische Fotografien hinterlassen mit starken Kontrasten. «Da kommt sehr viel zusammen in diesem Blick von Fred Stein.»