„Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum 20-jährigen Jubiläum. Ein lustiger Zufall, da auch ich dieses Jahr mein 20-Jähriges als Tänzerin beim Ballett am Rhein habe. Ich schaue eher selten fern, da mich Beruf und Familie sehr einnehmen, und ich meine sowieso rare Me-Time eher mit Freunden oder einer Yoga-Session verbringe. Trotzdem kenne ich „Let‘s Dance“, habe die Show aber nicht regelmäßig verfolgt, denn sie bringt mir als Profitänzerin keinen wirklichen Mehrwert – obwohl es natürlich eine starke Leistung der dort auftretenden Prominenten ist, in so wenigen Monaten Choreografien zu lernen und live vor Zuschauern zu performen.
Trotzdem: Es wird hier sehr viel Wert auf Entertainment gelegt, um vor allem die Promis in Szene zu setzen und damit ihren Marktwert zu erhöhen. Und auch wenn sie von der Jury oft in den höchsten Tönen gelobt werden, sieht man – jedenfalls wenn man vom Tanz kommt – definitiv den Unterschied zwischen Profitänzer und Promi. Die professionelle Ausbildung zur Bühnentänzerin oder zum Bühnentänzer dauert mindestens acht Jahre und ist nicht mit einem dreimonatigen Tanzworkshop zu vergleichen. Kurz: „Let‘s Dance“ ist eine gut gemachte, kommerzielle Show für Tanzfans, die Glanz und Glamour lieben.“
Doris Becker ist Tänzerin beim Ballett am Rhein in Düsseldorf und Duisburg.
„Die Show ist eine tolle Werbebotschafterin fürs Tanzen und eine tolle Mutmach-Show, in der es vom Zero zum Hero geht. Mir sind dabei auch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich lieb, ob sie nun am Ende gewinnen oder nicht. Ich habe tiefen Respekt vor allen Prominenten, die sich dort auf die Bühne wagen. Herzlichen Glückwunsch. Das ist eine super Sache. Als ehemaliger Juror kann ich außerdem mit einigen Mythen aufräumen. Erstens: Chefjuror Joachim Lllambi ist nicht böse. Die Kritik ist Teil der Show. Zweitens: Hinter den Kulissen wird nicht geschoben. Wer raus muss, entscheidet das Zuschauer-Voting. Drittens: Der Kameraschnitt ist manchmal ein Heilmittel. Was live manchmal aussieht wie ein Fußgänger, der die Straße überquert, bekommt durch die Kamera eine ganz andere Dynamik.“
Roman Frieling war 2011 und 2012 Juror bei „Let’s Dance“. Er betreibt eine Tanzschule in Düsseldorf, Neuss und Erkrath:
„Alles, was das Tanzen in den Fokus rückt, ist prinzipiell gut. Ich würde sogar weiter gehen: Ludwig VIX., der Sonnenkönig, war ein leidenschaftlicher Tänzer. Er fand, dass ein Staat, in dem nicht getanzt werde, undenkbar sei. Und der Philosoph Friedrich Nietzsche sagte: ‚Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde.‘ Was mir an dem TV-Format grundsätzlich missfällt, ist der Wettbewerbsgedanke. Da sitzen Menschen, die sagen: Das war gut, das war nicht gut. Aber das ist natürlich wichtig für die Show. Für mich ist Tanzen etwas Essentielles und Persönliches. Für mich zählt der Mensch, der es macht, und nicht der Mensch, der zuschaut.“
Iwan Harlan ist Tango-Tänzer, Musiker und hat eine Tangotanzschule in Mönchengladbach:
„Let’s Dance bleibt eine Botschafterin für den Tanz, weckt öffentliches Interesse und macht die Kunstform sichtbarer und zugänglicher, wobei Gesundheit, Spaß und Ausdauer hervorgehoben werden. Der Erfolg beruht auf dem bewährten Samstagabend-Varietéformat – mit Las-Vegas-Glamour, sympathischen Juroren, Publikumsabstimmungen und dem Mitfiebern für Underdogs – und richtet sich an ein Familienpublikum. Es benötigt jedoch eine schrittweise Modernisierung, um in den nächsten 20 Jahren relevant zu bleiben.“
Colin Sinclair ist Tänzer, Choreograf, Tanzpädagoge, Modedesigner und arbeitet im Raum Düsseldorf.
„Tanz findet auf verschiedenen Ebenen statt: unter anderem als Kunst, Unterhaltung, zum Feiern oder sogar zum Trauern, wie bei Beerdigungen in New Orleans. Die Vielfalt an Tanzpraxen zeigt uns, wie wandelbar der Tanz ist – Tanz ist eben nicht nur eine Sache! Das Fernsehprogramm ,Let’s Dance‘ hat seinen Zuschauern den Tanz nähergebracht, begeistert und inspiriert. Als Tanzliebhaber, Tänzer, Tanzlehrer und Choreograf, finde ich alles, was Tanz in der breiten Gesellschaft nach vorne bringt, grundsätzlich gut. Ob auf der Bühne oder vor einer Kamera, Tanz befreit unsere Seele und ermöglicht es uns, unsere innere Welt nach außen zu tragen.“
Michael Foster hat früher beim Ballett am Rhein getanzt. Er unterrichtet am Gymnasium Essen-Werden, das als einzige Schule bundesweit eine professionelle Tanzausbildung parallel zum Abitur anbietet.
„Ich ziehe den Hut vor der Show. Sie haben 20 Jahre geschafft. Dazu kann man nur gratulieren. Ich finde die Leistungen der Kandidatinnen und Kandidaten grandios, die jede Woche so hart an sich, an ihrem Körper arbeiten und den Mut haben, das Ergebnis vor der Kamera zu zeigen. Die Tanzlehrer machen dabei einen tollen Job. Wer Szenen aus dem Training der Kandidaten sieht, kann erahnen, welche Leistungen in der Tanzkunst stecken. Ich lade jede und jeden ein, das für sich auszuprobieren. Oft sieht man auch, wie man sich beim Tanzen den eigenen Ängsten und Zweifeln stellen muss. Ich wünsche mir mehr solcher Sendungen im Fernsehen – gerne auch fürs Ballett.“
Martina Hardt tanzte früher im Ensemble der Rheinoper und betreibt die Schule „Ballett und Bewegung“ in Düsseldorf und Erkelenz.
„Die Sendung hat gerade an mir gezeigt, dass Tanzen nicht nur etwas für Profis ist, sondern dass wirklich jeder damit anfangen kann – auch wenn es gerade bei mir am Anfang eher nach Stolpern mit Musik aussieht. Und genau das macht es so sympathisch: Man sieht Fortschritte, Rückschläge und manchmal auch Bewegungen, die so eigentlich nicht geplant waren. Ich glaube, wenn ich als Laie das so sagen darf: RTL hat mit ,Let’s Dance‘ das Tanzen ein Stück weit entstaubt und gleichzeitig gezeigt: Eleganz ist toll, aber wenn man dabei noch lachen kann, ist es eigentlich perfekt.
Natürlich lebt die Show vor allem von Glamour und Unterhaltung. Das gehört dazu und ist auch gut so. Es sind schöne Shows, aber eben auch harte Arbeit dahinter. Ich habe das, wie viele andere sicherlich, am Anfang echt unterschätzt. Es war eine verrückte Reise, und wenn man dann sieht wie viele Menschen mit einem Lächeln im Gesicht zuschauen, mitfiebern und dann Arenen füllen auf der Tour danach … so viel macht man da nicht falsch, wenn man so viele Menschen gut unterhält.“
Diego Pooth ist Model und Sieger der „Let’s Dance“-Staffel im Jahr 2025.
„,Let’s Dance‘ zeigt die harte Arbeit und große Disziplin der eingeladenen Tänzerinnen und Tänzer, natürlich bezogen auf den Standardtanz. Aber genauso ist es ja auch im Ballett, im Theater, in der Oper. Als jahrelanger Fan und seitdem ich professioneller Bühnentänzer bin – fast sechs Jahre also – begleitet und inspiriert mich die Show. Und das, obwohl hier andere Tanzstile als der klassische Tanz im Mittelpunkt stehen. Es wäre toll, wenn beide Welten, das Ballett und der Standardtanz, mal aufeinandertreffen würden.
Als Wettbewerb angelegt, der durch professionelle Tänzer und Tanzexperten beurteilt wird, ist die Show aus meiner Sicht keine Mogelpackung. Die Meinung der Zuschauer beeinflusst nur leider meist die respektvoll kommunizierte professionelle Entscheidung der Jury. Es ist gut, dass dieses Format der Kunstform Tanz eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit gibt.“
Niklas Jendrics ist Tänzer beim Ballett am Rhein in Düsseldorf und Duisburg.
Info An Karfreitag zeigt RTL aus Respekt vor dem stillen Feiertag keine Live-Show. Um 20.15 Uhr gibt es das „Let’s Dance“-Special „Volle Punktzahl! Die 30 spektakulärsten Tänzer“. Die nächste Live-Show gibt es am Freitag, 10. April, um 20.15 Uhr.