Aussergewöhnliche Kunst«Ich mache das Unsichtbare sichtbar»: Eine Genfer Chemikerin zeigt ihre Koffein-Kunst im Glarner Kaffee in Frauenfeld

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Die 20-jährige Chemie-Studentin und Künstlerin Hélène Lambert fotografiert die Kristallmoleküle von Koffein. Nun hängt eines ihrer Bilder im Glarner Kaffee in Frauenfeld.

Ihre Fotografien druckt Hélène Lambert auf dünne Aluminiumplatten.Ihre Fotografien druckt Hélène Lambert auf dünne Aluminiumplatten.

Bild: Viviana Troccoli

«Die weissen Kristalle von Koffein sehen ein wenig aus wie ein verschneiter Tannenbaum», sagt Hélène Lambert, während sie im Glarner Kaffee in Frauenfeld ihren Espresso trinkt. Die 20-Jährige studiert derzeit Chemie im Bachelor an der Universität Genf, mit Schwerpunkt Kristallografie und Koordinationschemie. Neben dem Studium fertigt sie Kunst an – aber keine gewöhnliche. Sie fotografiert kristallisierte Moleküle unter dem Polarisationsmikroskop und druckt die Fotos ab. Ein solches Kunstwerk, das die Kristalle von Koffein abbildet, hängt jetzt im Glarner Kaffee.

Die Faszination für Kristalle habe sie bereits in jungen Jahren gepackt. «Als Kind sammelte ich immer Kristalle», sagt die Genferin. Diese Faszination nahm sie mit ins Gymnasium, wo sie im Rahmen ihrer Maturaarbeit zur chemischen Kristallisation forschte. Im Studium stiess sie dann auf das Konzept der polarisierten Lichtmikroskopie; einer speziellen Form der Mikroskopie, bei der mit gebündeltem Licht gearbeitet wird, um bestimmte Materialien – vor allem Kristalle – sichtbar zu machen. Sie begann fortan, diese Methode mit der Kunst zu verbinden.

Virale Videos und tausende Fans

Blau-weisse Spitzen ziehen sich durch das Bild. Um ein solches Koffein-Kunstwerk zu kreieren, legt sie die präparierte Substanz des Koffeins, die sie zuvor aus dem Kaffee extrahierte, unter ein Polarisationsmikroskop. Das durchscheinende Licht lässt die spitzen Strukturen des Koffeins sichtbar werden, das sie sodann fotografiert und mit 40-facher Vergrösserung auf dünne Aluminiumplatten druckt. «Durch meine Kunst mache ich das Unsichtbare sichtbar», sagt Lambert. Neben Koffein hat sie bereits mit Molekülen von Karotten, Vitamin B und Wein experimentiert.

Mittlerweile begeistert die junge Künstlerin tausende Fans mit ihren aussergewöhnlichen Fotografien. Auf Instagram zählt sie über 100’000 Followerinnen und Follower. Im September vergangenen Jahres postete sie ein zusammengeschnittenes Video ihrer Kunstwerke und ging viral: Durch die rund 1,5 Millionen Likes und 13 Millionen Klicks konnte sie innerhalb einer Woche über 50’000 neue Followerinnen und Follower dazugewinnen.

Nun lädt sie regelmässig Videos zu ihrer Kunst hoch und verkauft die Fotografien über die Webseite ihrer Marke «Helnium». Die auf Aluminiumplatten gedruckten Fotografien kosten mindestens 220 Franken. Um Interessenten auch günstigere Produkte anbieten zu können, ist sie derzeit dabei, ihre Fotografien auch auf T-Shirts zu drucken. Ziel sei es für Lambert aber von Anfang an gewesen, durch ihre Kunst «die Schönheit der Materie» aufzuzeigen.

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