
AUDIO: HPV-Impfung schützt vor Krebsvorstufen der Vulva und Vagina (6 Min)
Stand: 16.02.2026 09:30 Uhr
Eine Impfung kann vor einer HPV-Infektion schützen. Eine neue Studie aus Schweden hat jetzt belegt, dass Frauen durch eine HPV-Impfung auch der Krebsentstehung an Vulva und Vagina vorbeugen können.
Humane Papillomviren, kurz HPV, sind so verbreitet, dass man ihnen kaum entkommen kann. Sie können eher harmlose Warzen verursachen, aber auch das Risiko für gefährliche Krebserkrankungen wie den Gebärmutterhalskrebs erhöhen.
HPV erhöht Risiko für mehrere Krebsarten
Was eher weniger bekannt ist: «Humane Papillomviren können auch andere Krebsarten verursachen, eben auch im Bereich des äußeren Genitals und im Analbereich», erklärt die Gynäkologin Prof. Barbara Schmalfeldt vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Außerdem werden Karzinome infolge einer HPV-Infektion zunehmend im Kopf-Hals-Bereich diagnostiziert, vor allem bei Männern.
In der aktuellen Studie ging es deshalb darum, den Schutzeffekt der HPV-Impfung in Bezug auf die Entstehung von Krebsvorstufen an Vulva und Vagina zu erforschen.
Studie: Impfung senkt Risiko für Krebsvorstufen um rund ein Drittel
Schon die Größe der Studie, die im Fachjournal JAMA Oncology veröffentlicht wurde, ist beeindruckend. Insgesamt haben die Forschenden des Karolinska-Instituts in Stockholm die Daten von fast 800.000 Frauen in Schweden ausgewertet. Die Frauen waren Mitte der 1980er bis Ende der 1990er-Jahre geboren worden, und jede Dritte hatte in dieser Zeit eine HPV-Impfung bekommen.

Prof. Barbara Schmalfeldt ist Direktorin der Klinik für Gynäkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)
Die Mediziner hatten bei der Auswertung der äußerst umfangreichen Daten aber eben nicht den Gebärmutterhalskrebs im Blick, der mit am häufigsten mit einer HPV-Infektion in Verbindung gebracht wird, sondern das Risiko für die Entwicklung von Krebsvorstufen an Vulva und Vagina. Das Ergebnis der Untersuchung: Durch eine HPV-Impfung im Jugendalter konnte das Risiko um mehr als ein Drittel gesenkt werden. Demnach ist eine ähnliche Schutzwirkung wie beim Gebärmutterhalskrebs bestätigt.
Schmalfeldt: HPV-Studie hat besondere Bedeutung
Durch die hohe Zahl der untersuchten Frauen hat die schwedische Studie eine besondere Bedeutung, sagt die Leiterin des gynäkologischen Krebszentrums am UKE, Barbara Schmalfeldt: «Dass wir so große Fallzahlen zum Nachweis im Bereich des äußeren Genitals haben, das ist jetzt absolut neu! Wir haben es immer vermutet, aber diese Veränderungen sind ja auch selten. Deswegen ist das wirklich die erste Studie, die das in diesem Ausmaß und auch mit dieser Deutlichkeit zeigen kann.»
Auch der HPV-Experte Markus Hoffmann vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel hält die Studie für einen großen Fortschritt: «Dass in der Bevölkerung jetzt in Schweden messbar ist, dass diese Läsionen ganz klar im Zusammenhang mit der Impfung signifikant abnehmen, das ist eine hervorragende Botschaft! Das heißt, es kann erwartet werden, dass das Auftreten von Krebsen in dieser Bevölkerung exakt genauso abnehmen wird.»

Nach aktuellen Analysen sind Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und zu viel Alkohol Ursache vieler Neudiagnosen.
Aktuelle Studien bestätigen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs
Auch mit Blick auf den bereits gut erforschten Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Gebärmutterhalskrebs und einer HPV-Impfung gibt es gute Neuigkeiten. Aktuelle Studien weisen die Wirksamkeit dieser Impfung gegen diese Krebsart nach.
«Wir haben aus vielen Ländern, die grundsätzlich auch Schulimpfungen durchführen, sehr gute Daten», sagt Barbara Schmalfeldt vom Hamburger UKE: «Da waren die Ersten aus Schottland. Jetzt haben wir viele Daten aus Australien. Wenn wir Jugendliche impfen, die noch keinen Kontakt mit HPV hatten, ist das wie bei Masern, Mumps, Röteln. Dass es wirklich präventiv ist und Krebserkrankungen tatsächlich verhindert werden können.»

Gebärmutterhalskrebs ist gefährlich. Er zeigt erst spät Symptome. Welche sind das? Und wie kann man sich schützen?
HPV-Impfung auch für männliche Jugendliche wichtig
Ganz wichtig: Auch Jungen und männliche Jugendliche sollten sich impfen lassen. Denn in Deutschland steigt die Zahl der Krebserkrankungen an Kopf und Hals, hinter denen chronische HPV-Infektionen stecken. Und die meisten Betroffenen sind männlich.
Mit einer Impfung würden sich aber nicht nur Jungen selbst schützen, erklärt die Gynäkologin Barbara Schmalfeldt: «Wir haben natürlich auch einen sekundären Gewinn, dass dadurch die Übertragung reduziert wird und dann Frauen auch dadurch geschützt sind!»

Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit HPV. Was heißt das? Und was hilft?
Acht von zehn Menschen infizieren sich mit HPV
Ein Kontakt mit dem Virus ist sehr wahrscheinlich, betont die Medizinerin. Es ist so weit verbreitet, dass fast jeder Mensch, der sexuell aktiv ist, sich im Laufe seines Lebens mindestens einmal damit infizieren dürfte. Allerdings: Die meisten Menschen haben so gute Abwehrmechanismen, dass sie davon kaum etwas bemerken dürften.
«Bei 80 Prozent wird das überhaupt nicht deutlich, dass jemals dieser Kontakt da war. Gefährlich ist es, wenn dieser Virus nicht abgewehrt werden kann. Da sind Frauen oder Männer betroffen, die irgendeine Immunschwäche haben. Aber auch viele Frauen und Männer, die überhaupt keinen Grund haben, warum dieser Virus in den Körperzellen bleibt und dann diese Veränderungen über Jahre machen kann.», so Schmalfeldt.

Häufige Infektionen können Symptom einer Immunschwäche sein. Ein angeborener Immundefekt zeigt sich oft schon im Baby- und Kleinkindalter.
Nur wenige Viren wirklich gefährlich, dennoch 10.000 Krebsfälle jährlich
Insgesamt gibt es über 200 verschiedene Typen von Humanen Papillomviren. Ein Großteil ist völlig harmlos. «Und auch bei denen, die Krebs verursachen können, gibt es unterschiedliche Typen,» betont Prof. Schmalfeldt. Einige Typen sind demnach deutlich aggressiver als andere: «Da muss man vorsichtig sein! Die haben ein hohes Risiko, dass eine Veränderung auftritt.»
Aber selbst diese HPV-Varianten müssen nicht unbedingt krank machen: «Der Körper kann sich dagegen wehren. Also es heißt nicht automatisch, wenn man HPV hat, dass dann Krebs entstehen muss», so Barbara Schmalfeldt. Dennoch erkranken nach aktuellen Berechnungen des Robert Koch-Instituts etwas mehr als 10.000 Menschen jährlich an HPV-bedingten Karzinomen.
STIKO empfiehlt Impfung vor dem ersten Sex
Es ist also Vorsicht geboten. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt deshalb HPV-Impfungen für Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren. Sie sollte vor dem ersten Sex erfolgen, um den besten Schutz vor Infektionen zu gewährleisten. Doch auch später kann sie noch eingeschränkten Schutz bieten.
Die Impfung gilt als sehr sicher und wird bis zum 18. Geburtstag und teilweise auch noch länger von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Aktuell sind in Deutschland aber nur rund 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und nur 34 Prozent der 15-jährigen Jungen vollständig geimpft.
Video:
HPV-Impfung bei Jungen gegen Gebärmutterhalskrebs (2 Min)
HPV: Früherkennung ist wichtig
Die HPV-Impfung ist laut Barbara Schmalfeldt ein zentraler Baustein in der Verhinderung des Auftretens von Zellveränderungen im Genital-, Anal- und Hals-Kopf-Bereich, die bösartig werden können. Trotzdem sei es wichtig, dass Frauen auch weiterhin zur gynäkologischen Krebsfrüherkennung gehen, um sich optimal vor derartigen Erkrankungen schützen zu können.
Ab 20 Jahren hat jede Frau einmal pro Jahr Anspruch darauf, die Kosten werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dabei spielt auch der sogenannte Pap-Test eine Rolle, ein Zellabstrich von Muttermund und Gebärmutterhals, mit dem auffällig veränderte Schleimhautzellen identifiziert werden können. Bis zum Alter von 34 Jahren wird der Pap-Test jährlich bezahlt, danach in Kombination mit einem HPV-Test alle drei Jahre. Der Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung bleibt aber auch ab 35 bestehen.
Aktionen sollen Impfbereitschaft fördern
In Hamburg laufen derzeit Aktionswochen zum Thema HPV, in deren Rahmen es auch Impf-Möglichkeiten gibt. Abschluss wird der «HPV Awareness Day» am 4. März sein, an dem das UKE und das Universitäre Cancer Center Schleswig-Holstein gemeinsam über den Schutz vor HPV aufklären wollen. Näheres dazu hier.

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