Stand: 03.04.2026 14:26 Uhr
Unter dem Motto «Rostock Kreativ» stellen bis zum 8. April Freizeitkünstler aus der Region in der Rostocker Kunsthalle aus. Über 700 Werke sind dort zu sehen – mehr als doppelt so viele wie zu Beginn im Jahr 2010.
Von den Wänden der Kunsthalle ist nicht mehr viel zu sehen: Bilder füllen jede noch so kleine Fläche. Aquarell, Öl, Wachsmalerei dazu Fotos, Skulpturen und erstmals auch Ostereier. Präsentiert wird all das nicht nach Stil oder Themen sortiert. Die Haustechniker haben die Werke schlicht in der Reihenfolge aufgehängt, in der sie gebracht wurden.
Kunsthallen-Chef Uwe Neumann blickt zufrieden in die Runde: «Das ist einfach eine ganz lebendige Atmosphäre, man sieht es ja jetzt hier. Der Raum ist rappelvoll. Ich sag mal: das ist das größte Wohnzimmer Rostocks.» Die Leute hätten viel Spaß und plauderten. Es sei eine ganz entspannte, angenehme Atmosphäre, so Neumann.

Das Museum beherbergt eine Sammlung von Skulpturen, Gemälden und grafischen Arbeiten, die regelmäßig Gegenstand eigener Ausstellungen sind.
Treffen mit Freunden und Kunstliebhabern
Für die Künstler, die ihre Werke dorthin getragen haben, fing das Vergnügen sogar schon ein paar Tage früher an. «In der Warteschlange und auch schon bei der Abgabe ist es immer sehr lustig», erzählt Christine Aul, die schon zum etwa zehnten Mal mitmacht. «Da lernt man fremde Leute kennen, aber man trifft auch Bekannte und freut sich dann ein Loch in den Bauch.» Früher war sie immer gemeinsam mit ihrer Mutter da, die mit 80 Jahren noch angefangen hat zu malen.
Das ganze Jahr über fieberte die alte Frau auf die nächste Ausstellung hin, bei der sie begeistert mit anderen Künstlern fachsimpeln konnte – mit Leuten zum Beispiel wie dem gelernten Zimmermann, der sich inzwischen den Künstlernamen «Hans am Anfang» gegeben hat. Er stellt in der Rostocker Kunsthalle ein extrem plastisches Wolfsportrait aus, vor dem viele Gäste fasziniert stehen bleiben. Gefertigt hat er es aus normalem Karton. Der Künstler erklärt: «Den hab ich in Streifen geschnitten, die Streifen zusammengeklebt und nach Vorlage des Motivs zugeschnitten in die einzelnen Teile. Das hier sind fast 100, genauer gesagt 96, und dann mit verschiedenen Farben angesprüht und bisschen angemalt.»

14 Museen bundesweit bekommen von der Kulturstiftung der Länder Unterstütztung bei Diversität und Inklusion.
Überbordende Vielfalt begeistert Gäste
Das kreative Gestalten bedeutet «Hans am Anfang» viel: «Freiheit in dem, was ich in dem Moment erschaffe». Die 21-jährige Laura Beckmann hat ganz einfach zu Buntstiften gegriffen und einen Avatar-Baum gezeichnet: «Aus dem neuen Avatar-Film. Da gab es einen Baum unter Wasser und der hat so geleuchtet und damit konnten sich die Avatare seelisch verbinden. Das habe ich versucht nachzumalen.»
Die überbordende Vielfalt des Gezeigten begeistert viele Gäste. Und es sind auch einige darunter, die die Schau nutzen, um sich Anregungen für ihre eigene Arbeit zu holen. Wie Anna Soltow, die gerade ein Bild entdeckt hat, in Acryl mit Modelliermasse kombiniert ist. «Faszinierend» finde sie das. Die Freizeitkünstler, die hier ausstellen, kommen aus Rostock und Umgebung, teils auch aus Schwerin oder Hamburg. Einer ist sogar extra aus Norwegen angereist, um mitzumachen. Sein eigenes Bild dort zu zeigen, wo sonst Größen wie Günther Uecker oder Kate Diehn Bitt zu sehen sind, das ist schon etwas Besonderes. Langfristig, so hoffen die Veranstalter, könne das dann vielleicht dazu führen, dass die Menschen aus der Region auch zu anderen Ausstellungen öfter mal in ihre Kunsthalle kämen.

Der Künstler aus Bad Doberan erhält ein Preisgeld von 10.000 Euro. Die Jury hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.