Vom 17. bis 19. Oktober 2025 fand der Nationale Kongress der BFS/MPS statt. Genoss:innen aus der ganzen Schweiz kamen zusammen, um gemeinsame politische Positionen zu formulieren, die Statuten zu erneuern und die kommenden Jahre zu planen. Auch die neu gegründete Sektion Bern nahm erstmals teil – ein sichtbares Zeichen der positiven Dynamik, in der sich die Organisation derzeit befindet.
von BFS Bern
Der Nationale Kongress ist das oberste politische Entscheidungsorgan der BFS/MPS und findet alle drei Jahre statt. Wie schon an der Nationalen Konferenz im Oktober 2024 ging es auch am Kongress darum, schweizweit gemeinsame politische Positionen zu finden, zusammenzurücken, den Austausch unter den Sektionen zu fördern, die Koordination zu verbessern und voneinander zu lernen. Der ausgeprägte Schweizer Föderalismus, die Unterschiedlichkeit des sozialen und politischen Umfelds in den einzelnen Landesteilen sowie die grosse Altersspanne der Teilnehmenden – die jüngste Genossin am Kongress war 20, der älteste 86 Jahre alt – machen dies zwar zu einer Herausforderung, bieten aber ebenso enorme Lernpotenziale.
Als BFS Bern haben wir zum ersten Mal am Kongress teilgenommen. Es war für uns schön und motivierend zu erleben, wie sich die Delegierten der anderen Sektionen über uns und den Aufbau der Sektion gefreut haben.
Der Zeitpunkt und die inhaltliche Ausrichtung des Kongresses hängen neben der politischen Gemengelage auch mit der Entwicklung der BFS/MPS selbst zusammen. Während in Zürich, Basel und dem Tessin stabile Sektionen bestehen, ist die Verankerung in der Romandie stark zurückgegangen. Im letzten Jahr pflegten wir allerdings intensivere Kontakte zu Gruppen aus der Westschweiz, allen voran zu Contre Attaque et Autonomie (Lausanne), Collectif Anticapitaliste Fribourg und solidaritéS. Zudem bewegte sich zur selben Zeit die Berner BFS-Lesegruppe in Richtung einer eigenständigen Sektion. Diese Entwicklungen machten zwei Dinge noch dringender: Einerseits mussten die Statuten aktualisiert werden und andererseits war eine Analyse der globalen und nationalen politischen Situation mit einem entsprechenden Aktionsprogramm für die nächsten Jahre gefordert.
Erster Kongresstag
Da die politischen Analysen an der Vorkonferenz im Mai 2025 bereits diskutiert wurden, ging es beim Kongress im Oktober vor allem um die konkreten Interventionsachsen, also darum, welche inhaltlichen Schwerpunkte die BFS/MPS in den kommenden zwei Jahren setzen soll. Der Beschluss über die beiden prioritären Interventionen «Klassenkämpferischer Feminismus» und «Antimilitarismus und Internationalismus» war dann auch der Höhepunkt des ersten Kongresstages. Während aus der erstgenannten Interventionsachse eine konkrete Kampagne hinsichtlich des schweizweiten Care-Streiks im Jahr 2027 entstehen soll, ist die zweite eher als Arbeitsschwerpunkt gedacht. Es wird eine Herausforderung sein, unsere weiteren Interventionsachsen (Antifaschismus, Antirassismus, Gewerkschaftsarbeit, Ökosozialismus und Soziale Fragen) nicht zu vernachlässigen und trotzdem unsere Kräfte sinnvoll zu bündeln. Es ist also notwendig, die Kämpfe zu verbinden, wo es inhaltliche Überschneidungen und einen strategischen Nutzen gibt. Gerade der Care-Streik 2027, der queer-feministische und gewerkschaftliche Anliegen verbindet, wird ein gutes Übungsfeld dafür sein. Auch die Klimabewegung kann eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Militarisierung spielen. Denn die Aufrüstungsbestrebungen gefährden nicht nur die soziale und ökologische Sicherheit, sondern dienen auch der Sicherung der Herrschaft des fossilen Kapitalismus.

Am Samstagabend wurde zudem eine Resolution in Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung verabschiedet, die unter anderem die Komplizenschaft der Schweiz am israelischen Genozid aufzeigt. Dies ist angesichts der momentanen «Waffenruhe» umso wichtiger. Denn der 20-Punkte-Plan der US-Regierung und ihrer Verbündeten zielt nicht auf das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser:innen ab, sondern auf die Befriedung der Bevölkerung durch wirtschaftliche (Zwangs-)Massnahmen sowie auf die einseitigen Sicherheitsinteressen Israels. Schliesslich ist die Resolution auch ein Bekenntnis zur Palästina-Solidaritätsbewegung, eine der derzeit sichtbarsten sozialen Bewegung in der Schweiz. Zum Abschluss des ersten Kongresstages wurde beschlossen, das nächste Sommercamp der IV. Internationale vom 18. bis 25. Juli 2026 zu organisieren.
Zweiter Kongresstag
Während am Samstag viele inhaltliche Diskussionen geführt wurden, ging es am Sonntag vermehrt um organisatorische und statuarische Fragen. Es ist erfreulich, dass sich der Nationale Kongress hier mutig und entschlussfähig zeigte, sodass in den kommenden Jahren Neues ausprobiert werden kann. Die Motion zur «Verstärkung der nationalen Strukturen», die im Wesentlichen die Nationale Koordination (NK) betrifft, wurde ebenso angenommen wie der Beschluss zum Ausbau der Awarenessstrukturen und die neuen Statuten, die erstmals seit 2002 überarbeitet wurden. Die NK als politisch-organisatorische Leitung der BFS/MPS soll durch einen erhöhten Sitzungsrhythmus, verbindlich gewählte Delegierte und ein Nationales Büro gestärkt werden. Vorrangige Ziele sind der weitere Aufbau in der Deutschschweiz und die Förderung der Zusammenarbeit mit den befreundeten Gruppen in der Romandie. Besonders erfreulich ist, dass wir in Zukunft enger mit den Genoss:innen von Contre Attaque et Autonomie kooperieren werden.

Sektion Bern
Die BFS/MPS befindet sich in Bern weiterhin im Aufbau. Wir haben vielversprechend begonnen, sind derzeit ungefähr 15 Aktive und sind zuversichtlich, weitere Mitglieder gewinnen zu können. In Bern gibt es eine lebendige linke Kultur und viele wiederkehrende politische Veranstaltungen und Orte, wie beispielsweise das NoBordersNoNations-Festival in der Reitschule, die Tour de Lorraine oder den Abolish-Politmonat im Mai, wo die Möglichkeit besteht, mitzuwirken und neue Kontakte zu knüpfen. Im vergangenen August haben wir im Rahmen des NoBorders- Festivals eine durchaus kontroverse Veranstaltung zu Aufrüstung, Militarisierung und Krieg mit Hanna Perekhoda von solidaritéS organisiert, zu der knapp 90 Personen kamen. Zudem haben wir uns am diesjährigen Klimastreik im September beteiligt. Ende Oktober halfen wir bei der Schliessung der Baustellen im Rahmen der nationalen Streikkampagne der UNIA. Ende November haben wir uns schliesslich mit einem Gründungsfest offiziell als Sektion konstituiert. An dieser Stelle möchten wir uns noch herzlich bei den Genoss:innen aus Zürich für die grosse Unterstützung bedanken – eure Erfahrung und Geduld sind für den Aufbau der Sektion unverzichtbar.
Aus Berner Sicht war es aufschlussreich und lehrreich, die vielen laufenden Prozesse, die alten und neuen Organisationsformen und natürlich die vielen Mitglieder der BFS/MPS kennenzulernen. Es macht Mut, sich in eine politische Organisation mit klaren Analysen, definierten Zielen und skizzierten Strategien eingebettet zu wissen.