Quelle: Sony Pictures Entertainment

Um den noch immer anhaltenden Erfolg des ersten „Ghostbusters“- Films zu erklären, ist es gegeben, auch mal jenseits der Lacher schauen. Die Geisterkomödie ist und bleibt ein zeitgenössisches Phänomen der aktuellen Popkultur. Dabei vertreten die Figuren eine Gruppe der unbeliebtesten Kreaturen in der Gesellschaft … Beamte.

„Gozer der Gozerianer … Guten Abend. Als ordnungsgemäß bevollmächtigter Vertreter der Stadt, des County und des Staates New York befehle ich Ihnen, jede Art von übernatürlichen Aktivitäten sofort einzustellen und unverzüglich an Ihren Herkunftsort oder in die nächstgelegene passende Paralleldimension zurückzukehren!“ Ray Stantz (Dan Aykroyd)

So einige Filme, rund um das Thema des Übernatürlichem, sind im Jahr 1982 zu verorten. Einige kurioser Weise sogar gewürzt mit erotischem Einschlag, wie beispielsweise „Entity“ mit Barbara Hershey oder „In Teufels Namen“, in dem die Bond-Girls Lana Wood („Diamantenfieber“, 1971) und Britt Ekland („Der Mann mit dem goldenen Colt“, 1974) agieren.

Keiner aber hatte so einen großen Einschlag wie „Poltergeist“. Steven Spielberg bringt mit seiner Produktion den Geisterfilm als Blockbuster zurück. In den USA landet der Film in jenem Jahr auf Platz 8 der Kino-Charts. Die Geschichte handelt von einer übernatürlichen Gefahr, welche sich in unsere moderne Welt schleicht. Ähnlich wie „Der weißen Hai“ kombiniert auch „Poltergeist“ die Themenpalette von Urängsten, Familienzusammenhalt und Kapitalismus. In der Handlung wird das übernatürliche Phänomen mit Hilfe von moderner Technik überwacht.

Der umgebaute Cadillac Kranken- und Leichenwagen Ecto-1 dient seit 1984 als Aushängeschild für die Geisterjäger; Bild: „Ghostbusters“

Wie man einen Klassiker konstruiert

Das Autorenteam um Dan Aykroyd und Harold Ramis nimmt jenes Thema erneut auf und orientiert die wissenschaftliche Aspekte in ihrer Erzählung an der real existierende Forschung. Der Parapsychologe Harry Price diente ihnen als Vorbild. Price gründete an der Universität von London die Fakultät „University of Lonon Council for Psychical Investigation“. Naheliegende Intentionen vertraten auch die Hauptfiguren im Film „Ghostbusters“ (1984) … bevor sie aus der Uni geschmissen wurden.

In einem außergewöhnlichem Anflug von Kreativität, entzog man den Stoff Ektoplasma ebenfalls aus der Forschung. Der Parapsychologen Charles Richet definierte einst diesen Begriff. Ektoplasma soll eine Substanz bezeichnen, mit deren Hilfe Geister in die Welt der Lebenden übertreten können. In den Filmen fängt dieser Begriff Flügel und wird in starker Überzeichnung als dickflüssiger Schleim dargestellt. Das biologische Gegenstück des Ektoplasma ist das Cytoplasma, also das einfache Zellplasma.

In „Ghostbusters“ wird die Anwesenheit von Geistern durch die Einheit von Psychokinetischer Energie (PKE) gemessen. Durch einen tragbare Teilchenbeschleuniger, der Penning-Falle, sind die Geister im Nu gefangen. Bei dieser Gerätschaft handelt sich um ein elektromagnetisches Feld, das Teilchen einschließt. Bei CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) beispielsweise messen Wissenschaftler Geister-Partikel (Neutrinos), die sich wegen ihrer leichten Masse durch Materie hindurch bewegen. Sie sind in einem mathematisch-abstrakten Raum, dem Phasenraum, verortet. In Sachen Analyse unterteilt jene fiktive Wissenschaft im Film die einzelnen Geister zusätzlich in sieben Klassen, je nach Erscheinungsform und Komplexität ihrer Verkörperung.

Diese Verbindung von reiner Fiktion und real existierenden Elementen lässt das Interesse des Publikums an der Marke bis heute erblühen. Damals reihte sich mit einem Einspielergebnis von inländischen 230 Mio. Dollar der Film zwischen „Beverly Hills Cop“ und „Indiana Jones and the Temple of Doom“ auf einen amerikanischen 2. Platz ein. Und in Deutschland gab es im Folgejahr eine Platzierung auf Position 6.

Die Geister in den Filmen sind nicht erst seit 2016 dem Comic-Stil entliehen; Bild: „Ghostbusters 2“ (1989)

Im Namen der Stadt – Ordnung muss sein!

In ihren zahlreichen Abenteuern werden die Geisterjäger mehr als einmal in das Besprechungszimmer des Bürgermeisters zitiert. Im Verlaufe ihres Bestehens dienen sie bald schon als verlängerter Arm der städtischen Ordnung. Im jüngsten Ableger „Frozen Empire“ (2024) beispielsweise überlassen die Polizisten in der Eröffnungs-Action-Szene die Arbeit lieber gleich der Geisterjäger-Familie.

Von dem Tage ihrer Geburt an sind Geister ihres Zeichens Kriminelle. Sie halten sich nicht an die Gesetze unserer Gesellschaft, der Gesetze unserer Welt und unverschämter Weise nicht an die Gesetze der Wissenschaft. In unserer modernen Welt müssen sich nämlich auch Geister die Gesetzeslage beachten. In dieser Folge muss die Harmonie zwischen Glauben und Wissenschaft wieder hergestellt werden. Der Stimmungs-Schleim aus „Ghostbusters 2“ wird zum Symbolbild – Menschen dürfen sich nicht nur auf ihre Gefühle verlassen.

Der zweite Teil litt anno ’89 an einem Gleiches-Muster-Syndrom und wiederholte den ersten Teil zu oft. Dies machte den Film zu einem zweischneidigen Schwert. Die Strafe folgt auf dem Fuße: Platz 8 in den US-Kino-Charts des Jahres mit nur 112 Mio. (amerikanische) Dollar. Und auch in Deutschland landete der Film nur auf Platz 11 im Jahr 1990.

Damit endete die Geisterjäger-Legende … vorerst. Bill Murray – der das Franchise nie wirklich mochte – stellte sich jahrelang gegen einen dritten Teil der Reihe mit der Originalbesetzung.

Bitte nicht bei der Arbeit rauchen, Herr Stantz! Fairerweise, laut „Frozen Empire“ hat Ray schon seit Jahren mit dem Qualmen aufgehört, worauf Peter noch immer sehr stolz auf ihn ist; Bild: „Ghostbusters 2“

For Sience!

Im Jahr 2016 kehrten die „Ghostbusters“ unter der Regie von Paul Feig und einem neuen Schauspielkader zurück. Auch in Feigs Variante sind neue Technologien ein zentrales Thema. Das Repertoire an Werkzeugen zum Geister-verknacken findet hier ein erweitertes Auswahlfeld. In einem zentralen Handlungspunkt um die Figur Erin Gilbert (Kristen Wiig) wird die Frage nach dem Ansehen der Wissenschaft gestellt. Der Wissenschaftler als Person der Öffentlichkeit, dessen Erscheinungsbild eigentlich nicht das Thema sein sollte. Somit wird eine inhaltliche Brücke geschlagen zu der Darstellungsform der Geisterjäger, die auch nicht an gewisse Personen gebunden ist. Der Film spielte 2016 weltweit recht solide 229 Mio. Dollar ein.

Angetrieben vom Erfolg der Serie „Strangers Things“ kam 2021 der nächste Beitrag mit dem markanten Markennamen weltweit in die Kinos (wenn auch unter unterschiedlichen Bezeichnungen). In „Ghostbusters: Legacy“ (oder „Afterlife“, wenn man nicht in Europa lebt) verteidigt Pheobe Spengler (Mckenna Grace) – die Tochter vom verstorbenen Igor Spengler (dargestellt vom digitalen Restbildnis seines ebenso verstorbenen Darstellers Harold Ramis) – vehement ihre Position als Wissenschaftlerin. Die Wissenschaft vereint die Welt der Lebenden mit der Welt der Toten. Trotz guter Kritik spielte der Film nur 204 Mio. Dollar ein.

„Ghostbusters“ 2016 führte viele neue Gadgets ein, wie diese Protonen Pistolen, entwickelt von Dr. Jillian Holtzmann (Kate McKinnon)

Das Ende der Geisterjagd

Konnte hier noch die Post-Corona-Depression ins Feld gezogen werden, gab es für die direkte Fortsetzung keine Ausrede mehr. Mit einem globalen Einspielergebnis von rund 202 Mio. Dollar ist „Ghostbusters: Frozen Empire“ der erfolgloseste Film des Franchises. Das allzu ausgelebte Familien-Drama kostete das zweite direkte Sequel in der Reihe wohl seine Zuschauerschaft. Auch die hohe Anzahl der agierenden Figuren ist bei der Laufzeit von unter zwei Stunden etwas gewagt. Einige Charaktere aus dem Vorgänger finden bei „Frozen Empire“ kaum Laufzeit.

Und wie geht es nun weiter … jetzt, da das Kino-Publikum dem Franchise den Rücken gekehrt hat? Produzent Jason Reitman, Sohn vom jüngst verstorbenen Ivan Reitman, arbeitet laut einem IMDB-Eintrag gerade an einer neuen Fernsehserie. Wann sie allerdings erscheinen soll ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Fest steht nur, dass es sich um eine neue Animationsserie handeln wird.

Ganz klar eine sub-humane Klasse 6 Spektralerscheinung; Bild: „Ghostbusters: Frozen Empire“

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