«Es ist besser, aufzuhören, solange man noch geistig und körperlich fit ist»: Cäcilia Wameling Richon in ihrem Atelier in Ennetbaden.«Es ist besser, aufzuhören, solange man noch geistig und körperlich fit ist»: Cäcilia Wameling Richon in ihrem Atelier in Ennetbaden.

Bild: Ursula Burgherr

Darum geht es:Nach 14 Jahren zieht sich Cäcilia Wameling aus ihrem Atelier in der Limmatau in Ennetbaden zurück – und verlängert ihre letzte Ausstellung.Statt ihre Kunst einlagern oder entsorgen zu müssen, verkauft die 74-Jährige viele ihrer Werke zu günstigen Preisen.Alter und hohe Mietkosten führen zu diesem Schritt. Kreativ bleiben will sie trotzdem: «Kunst muss Spass machen.»

Die Werke, die im Atelier von Cäcilia Wameling Richon an den Wänden hängen und auf Tischen und in Regalen verteilt sind, könnten von den Techniken und Materialien her unterschiedlicher nicht sein. Passend zur Ostersaison hat die Künstlerin sogar Eier bemalt. Mit witzigen Motiven werden sie zum Teufel-Ei, Nacked-Ei, Renner-Ei und zur Schweiner-Ei.

Beim Blick an die Wand stechen Bilder mit alten Tiergeweihen ins Auge. Sie wären im Abfall entsorgt worden, wenn sie Wameling nicht in absolut betrachtungswürdige Werke überführt hätte. Überall hängen originelle kleine Objektkästen, die ihre unkonventionelle Handschrift tragen. Inspiriert von einer Island-Reise schuf sie abstrakte Malereien mit Krakelee- und Rost-Effekten.

Auf einer mosaikartigen Collage aus Spiegelscherben, die sie kürzlich im Kunstraum Baden ausstellte, steht eines von ihren Lebensmottos geschrieben: «Lachen ist Gold wert.» Sie meint dazu: «Bei der aktuellen Weltlage ist Humor oft ein wichtiges Hilfsmittel, um nicht in Resignation oder Schwermut zu verfallen.»

Der Rückzug aus der Öffentlichkeit nach 42 Jahren künstlerischen Schaffens in der Region Baden ist für sie kein leichter Schritt. Denn sie muss loslassen. Im Atelier am Limmatauweg 18a, das die ungeheuer produktive Künstlerin 14 Jahre lang zur Miete hatte, stapeln sich Mappen mit ihren Zeichnungen und Malereien sowie Schachteln voller Kunstobjekte, die unter ihren geschickten Händen entstanden sind.

Mitnehmen in ihr Privatdomizil kann sie aus Platzgründen nur einen Bruchteil davon. Deshalb veranstaltet Wameling jetzt ihre letzte Ausstellung und gibt die Exponate enorm günstig ab. «Mir ist es lieber, dass sich jemand noch daran erfreut, als sie einfach wegwerfen zu müssen. Das würde mir enorm wehtun», sagt sie.

«Aufhören, solange man noch fit ist»

Weshalb gibt Wameling ihr Atelier in der Limmatau überhaupt auf, wenn es ihr so schwerfällt? «Ich bin jetzt 74 Jahre alt und es ist besser, aufzuhören, solange man noch geistig und körperlich fit ist», meint sie. Zudem hat sie bis jetzt praktisch Monat für Monat ihre gesamte AHV in die Miete der Räumlichkeiten gesteckt und möchte den Batzen auch einmal für andere Bedürfnisse verwenden können.

Kreativ sein wird sie weiterhin, allerdings in kleinerem Rahmen. Denn Kunst zu machen, ist ihr Lebenselixier. An der Wand hängt ein Zeitungsbericht über sie mit dem Titel «Du sollst spielen wie ein Kind auf der Wiese». Dieses Credo hat der kleinen grazilen Person mit der stets etwas zerzaust wirkenden Frisur stets den Weg gewiesen.

In der Nähe von Münster (D) geboren, machte sie sich nach ihrem Kunststudium mit Ausstellungen in Deutschland und Italien einen Namen. 1984 zog sie zu ihrem Mann Bernard nach Baden und versuchte hier Fuss zu fassen. Sie eröffnete eine kleine Galerie an der unteren Halde. Die erste Ausstellung wurde von Sepp Schmid eröffnet und war brechend voll. Neben eigenen Werken präsentierte Wameling auch Gastkünstlerinnen und -künstler.

Passend zur Ostersaison hat die Künstlerin sogar Eier bemalt - mit witzigen Motiven wie Teufel-Ei, Nacked-Ei oder Schweiner-Ei.Passend zur Ostersaison hat die Künstlerin sogar Eier bemalt – mit witzigen Motiven wie Teufel-Ei, Nacked-Ei oder Schweiner-Ei.

Bild: Ursula Burgherr

Als das Haus verkauft wurde, bezog sie Räumlichkeiten in einer Immobilie an der oberen Halde und führte ihre Aktivitäten fort. Doch auch die gingen in neue Hände und zwangen sie, zu dislozieren. Im Stroppel-Areal fing sie an, auch Malkurse zu geben, die sie im Atelier in der Limmatau fortführte und zu denen sie Gastdozenten einlud. Über 100 Ausstellungen veranstaltete sie über die Jahre. Später fokussierte sie sich ausschliesslich auf ihr eigenes Schaffen.

Es gab Zeiten, in denen sie ziemlich frustriert war

Der grosse Erfolg blieb trotz ihres enormen Engagements aus. «Kunst zu machen, ist immer ein existenzieller Kampf. Es gab auch Zeiten, in denen ich ziemlich frustriert war», gesteht sie. Aber schliesslich war ihr der Prozess des «Machens» und die damit verbundene Erfüllung dann immer doch wichtiger als die Anerkennung von der Öffentlichkeit.

Stilistisch veränderte sie sich oft. Manchmal mag es für das Publikum schwierig gewesen sein, ihren kreativen Sprüngen zu folgen. Ihre klassischen Aquarelle von Baden und Aarau fanden beispielsweise grossen Publikumszuspruch und waren auch finanziell einträglich. Doch sie hörte damit wieder auf. «Ich hatte einfach keine Lust, mich ständig zu wiederholen und wollte mich wieder in etwas Neuem ausprobieren», erinnert sich Wameling.

«Kunst muss Spass machen», bekundet sie. Und den hat sie trotz verschiedener Hürden nie verloren. Künftig wird sie mehr Zeit im Waadtland verbringen, wo sie mit ihrem Mann eine kleine Hütte ohne Strom besitzt. Sie liebt das Leben unter einfachsten Umständen. Es erdet und inspiriert sie gleichzeitig. Dort will sie sich nun der «Land Art», also der Kunst mit vergänglichen Naturmaterialien, widmen. An neuen Ideen mangelt es ihr auch weiterhin nicht. «Leider», sagt sie und muss lachen.

Ausstellung «Fröhliche Ostern»

Die Ausstellung ist noch bis am 12. April jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Atelier am Wasser, Limmatauweg 18a, Ennetbaden