Im Onko-Blog dieser Woche berichten wir über diese neuen Studien und Themen, welche die Krebstherapie verbessern können:

Mammakarzinom: Kürzeres Überleben unter komplementären TherapienProstatakarzinom: MRT vor Prostatektomie liefert prognostisch wichtige InformationenSmoldering Multiples Myelom: Neues Modell zur dynamischen RisikostratifizierungCLL: Risiko für Hautkrebs erhöhtKrebs: Frauen überleben häufiger, haben aber mehr NebenwirkungenKrebs: Erkrankungsrisiko steigt bei AutoimmunerkrankungenMammakarzinom: Kürzeres Überleben unter komplementären Therapien

Nur ein sehr kleiner Teil aller Patientinnen mit Mammakarzinom entscheidet sich für komplementäre oder alternative Therapien anstelle etablierter Behandlungsverfahren – doch genau diese Wahl ist mit deutlich schlechteren Überlebenschancen verbunden. Das zeigt eine große Kohortenstudie auf Basis der National Cancer Database, deren Ergebnisse in JAMA Network Open veröffentlicht worden sind.

Insgesamt analysierten die Forscher Daten von 2.157.219 Frauen mit Brustkrebs. Die überwältigende Mehrheit (97,6%) erhielt eine konventionelle Therapie. Lediglich 273 Patientinnen (unter 0,1%) wurden ausschließlich komplementärmedizinisch behandelt, 568 (ebenfalls unter 0,1%) kombinierten komplementäre und konventionelle Verfahren, während 49.713 Frauen (2,3%) überhaupt keine Therapie erhielten.

Die Autoren nennen typische Beispiele, die bei Brustkrebs häufig eingesetzt werden:

Nahrungsergänzungsmittel / DiätenBody-Mind-Verfahren (z. B. Meditation, spirituelle Praktiken)AkupunkturMassage-TherapieAchtsamkeits-/Mindfulness-Programme

Wichtig: Diese Methoden wurden nicht einzeln analysiert, sondern nur zusammen als komplementäre/alternative Therapien erfasst. Deshalb zeigt die auch Studie nicht, welche dieser Therapien besonders problematisch oder unbedenklich war. 

Deutliche Unterschiede zeigten sich in der Kohorte beim 5-Jahres-Überleben: Es lag bei 85,4% unter konventioneller Therapie, bei 81,2% unter Kombinationstherapie, bei nur 60,1% unter alleiniger Komplementärmedizin und bei 47,8% ohne Behandlung. Entsprechend war das Sterberisiko im Vergleich zur konventionellen Therapie signifikant erhöht – sowohl bei ausschließlich komplementärer Behandlung (adjustierte Hazard Ratio [aHR] 3,67; p < 0,001) als auch bei komplettem Verzicht auf Therapie (aHR 3,53; p < 0,001).

Auch die Kombination aus konventioneller und komplementärer Therapie schnitt ungünstiger ab: Diese Patientinnen erhielten seltener eine endokrine Therapie (z. B. im Stadium II: 40,7% vs. 65,2%; p < 0,001) sowie seltener eine Strahlentherapie (59,5% vs. 36,6%; p < 0,001) als ausschließlich konventionell behandelte Frauen. Gleichzeitig war auch hier die Sterblichkeit erhöht (aHR 1,45; p < 0,001).

Die Autoren betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um die zugrunde liegenden Ursachen dieser Zusammenhänge besser zu verstehen.

Prostatakarzinom: MRT vor Prostatektomie liefert prognostisch wichtige Informationen

Bei Männern, die sich einer radikalen Prostatektomie unterziehen, kann ein vor der Behandlung durchgeführtes MRT unabhängige prognostische Informationen für ein biochemisches Rezidiv liefern. Dies ergab eine systematische Übersicht und Metaanalyse mit 24.941 Patienten aus 40 Studien, die eine internationale Arbeitsgruppe in JAMA Oncology publiziert hat. 

Eine per MRT nachgewiesene extraprostatische Ausdehnung des Karzinoms ist unabhängig mit einem biochemischen Rezidiv (gepoolte HR 2,16), einer Metastasierung (HR 3,18) und einer Prostatakrebs-bedingten Letalität (HR 10,93) assoziiert. Auch die mit MRT nachgewiesene Samenblaseninfiltration war unabhängig mit einem biochemischen Rezidiv (HR 2,74) und einer Metastasierung (HR 5,58) assoziiert. 

Verschiedene quantitative MRT-Parameter gaben Ärzten prognostische Hinweise auf ein biochemisches Rezidiv, so ein PI-RADS-Score von 4 oder 5 (HR 2,15), ein großer Tumor (Tumordurchmesser ≥ 20 mm; HR 2,35) und ein ADC-Wert (Apparent Diffusion Coefficient) < 0,9 × 10⁻≥ mm²/s (HR 2,39).

„In der Praxis beeinflussen MRTs bereits chirurgische Entscheidungen, selbst ohne formale Leitlinienempfehlung“, heißt es im begleitenden Editorial. „Leitlinienkommissionen sollten nun die Evidenzschwelle für die formale Integration der MRT in die prognostische Risikostratifizierung definieren.“

Smoldering Multiples Myelom: Neues Modell zur dynamischen Risikostratifizierung

Eine internationale Arbeitsgruppe hat ein dynamisches Modell zur Risikostratifizierung von Patienten mit schwelendem multiplem Myelom entwickelt: Precursor Asymptomatic Neoplasms by Group Effort Analysis-Smoldering Multiple Myeloma (PANGEA-SMM). Wie die Forscher in Nature Medicine berichten, übertraf PANGEA-SMM bisher etablierte Modelle zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs. Das Tool ist kostenlos online verfügbar.

Beim Smoldering Multiplem Myelom (SMM) ist die präzise Vorhersage des Risikos einer Progression zu einem aktiven multiplen Myelom (MM) entscheidend für eine individualisierte, frühzeitige Therapie bei gleichzeitig minimalem Risiko einer Überbehandlung. Die derzeit eingesetzten Modelle zur Risikostratifizierung von Patienten mit SMM, etwa das häufig verwendete 20/2/20-Modell sowie das Modell der International Myeloma Working Group (IMWG), berücksichtigen nicht die sich im Verlauf ändernden Biomarker, die den dynamischen Krankheitsverlauf widerspiegeln. Sie erfordern zudem Knochenmarkbiopsien, die oft nicht verfügbar sind und aufgrund der ungleichmäßigen Plasmazell-Verteilung auch inkonsistente Ergebnisse nach sich ziehen können.

Das dynamische PANGEA-SMM-Modell entwickelten Forscher mit Hilfe einer Kohorte von 2.344 Patienten mit SMM aus 7 internationalen Zentren, u.a. aus Heidelberg und Würzburg. Sie identifizierten 4 dynamische Biomarker, die mit einer verkürzten Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung assoziiert sind: 

Anstieg des M-Proteins um ≥ 0,2 g/dl (HR = 1,72)Anstieg des freien Leichtketten-Quotienten im Serum um ≥ 20 (HR = 2,02)Anstieg von Kreatinin um > 25% (HR = 1,94)Abfall von Hämoglobin um ≥ 1,5 g/dl (HR = 3,21)

Das neue Modell übertraf das 20/2/20- und das IMWG-Modell in der Genauigkeit der Vorhersage des Krankheitsverlaufs, selbst ohne Kenntnis der Biomarker-Anamnese oder eine kürzlich durchgeführte Knochenmarkbiopsie.

Nach Aussage der Autoren ermöglicht das Modell eine kontinuierliche Risikobewertung im Rahmen der routinemäßigen Überwachung, ohne dass häufig invasive, belastende Prozeduren erforderlich sind.

CLL: Risiko für Hautkrebs erhöht

Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) haben ein erhöhtes Risiko, an Hautkrebs – vor allem am Basalzellkarzinom und am Plattenepithelkarzinom – zu erkranken. Dies berichtet eine dänische Arbeitsgruppe in JAMA Dermatology.

Die CLL führt zu krankheits- und therapiebedingter Immunsuppression, womit sich das Risiko für weitere Erkrankungen erhöhen kann. In Dänemark analysierte die Arbeitsgruppe in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie die Daten von 8.352 Patienten mit CLL und verglich sie mit 41.760 gematchten Kontrollpersonen, um das Hautkrebs-Risiko zu untersuchen.

Bei CLL-Patienten betrug das 10-Jahres-Risiko für Hautkrebs 13,5%, bei den Kontrollpersonen 6,9% (p < 0,001). Patienten mit CLL hatten im Vergleich zu Kontrollpersonen ein erhöhtes Risiko für die meisten Hautkrebs-Subtypen, wobei Basalzellkarzinome (8,6% vs. 5,4 %, p < 0,001) und Plattenepithelkarzinome (4,7% vs. 1,4%, p < 0,001) am häufigsten auftraten. 

Bei CLL-Patienten war das Risiko für Hautkrebs-Metastasen (0,7% vs. 0,1 %, p < 0,001) und für hautkrebsbedingte Todesfälle (0,3% vs. 0,1%, p = 0,004) jeweils höher, aber im Vergleich zur Gesamtmortalität (56,3% vs. 39,3%) eher gering. Deshalb kann nach Meinung der Autoren das Haut-Screening bei den CLL-Patienten ressourcenschonend als Selbstuntersuchung erfolgen.

Krebs: Frauen überleben häufiger, haben aber mehr Nebenwirkungen

Frauen erreichten in industrieunterstützten Studien bei soliden Tumoren ein besseres Gesamtüberleben (OS) und ein besseres progressionsfreies Überleben (PFS) als Männer. Sie litten aber häufiger an Nebenwirkungen vom Schweregrad ≥ 3. Das ergab die Analyse der Daten von 20.806 Studienteilnehmern aus 39 Phase-2- und -3-Studien. 

Wie die internationale Arbeitsgruppe im Journal of the National Cancer Institute berichtet, war dies die größte Analyse individueller Patientendaten aus Studien zur Unterstützung der FDA-Zulassung von onkologischen Arzneimitteln. Sie hat ergeben, dass bei 12 Tumorarten das weibliche Geschlecht mit einem signifikant besseren OS (HR 0,79, p < 0,001) und PFS (HR 0,84, p < 0,001) assoziiert war als männliches Geschlecht. Das Risiko für Nebenwirkungen vom Schweregrad ≥ 3 war bei Frauen jedoch 12% höher als bei Männern. 

Die Studie zeigt, dass das Geschlecht wie zu erwarten ein grundlegender biologischer Faktor ist, der die Arzneimittelwirkung beeinflusst. Trotz vielfacher Empfehlung werden jedoch in vielen Studien die Ergebnisse nicht nach Geschlecht aufgeschlüsselt. Außerdem wird das Geschlecht kaum in die Risikobewertung einbezogen und zur Personalisierung von Therapieentscheidungen berücksichtigt. 

Krebs: Erkrankungsrisiko steigt bei Autoimmunerkrankungen

Bei Patienten mit immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen (IMIDs) wie Psoriasis, systemischem Lupus erythematodes, Bindegewebserkrankungen und rheumatoider Arthritis ist das Krebsrisiko in den frühen Stadien der Erkrankung deutlich erhöht, sinkt jedoch tendenziell mit Beginn einer entzündungshemmenden Therapie. Das zeigt eine retrospektive italienische Kohortenstudie über 5 Jahre, die in Cancers veröffentlicht worden ist.

Anhand der Daten von 54.896 IMID-Patienten und 301.126 Kontrollen ergab sich in der 5-jährigen Nachbeobachtungszeit in der IMID-Gruppe eine signifikante Assoziation mit Krebs (adjustierte OR 1,32; p < 0,001). Die adjustierte OR sank von 1,83 (p < 0,001) im 1. Jahr auf 1,20 (p < 0,001) ab dem 5. Jahr. 

„Das zeitliche Risikomuster unterstützt eine frühzeitige entzündungshemmende Behandlung sowohl zur Krankheitskontrolle als auch zur potenziellen Krebsprävention“, schreiben die Autoren. Die Studie lege nahe, „dass konventionelle und gezielte krankheitsmodifizierende Antirheumatika durch Modulation von Entzündungswegen schützende Wirkungen entfalten können“. 

In der IMID-Gruppe wurde eine signifikante Assoziation mit Lungenkrebs (OR 1,74; p < 0,001), Leukämie und Lymphomen (OR 1,98; p < 0,001), Blasenkrebs (OR 1,48; p < 0,001) und Melanomen (OR 1,48; p = 0,009) beobachtet. Patienten mit diffusen Bindegewebserkrankungen wiesen ein insgesamt höheres Krebsrisiko auf (OR 1,53, p < 0,001) als Patienten mit rheumatoider Arthritis.