Welche Belastungen schlummern auf dem Klybeck-Areal (links die ehemalige Ciba-Kantine) im Untergrund? Das wollen die Eigentümer nun noch genauer wissen.
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In der Kontroverse um die Sanierung von Altlasten auf dem ehemaligen Werkgelände von Novartis und BASF im Klybeck legen die Investoren nach: Swisslife und Rhystadt werden auf dem 45 Fussballfelder grossen Areal, das sie gekauft haben und mit einem Investitionsvolumen von bis zu 3 Milliarden Franken entwickeln wollen, weitere Untersuchungen des Untergrunds durchführen. Auf dieser Basis wird dann in einem zweiten Schritt ein Konzept erarbeitet, wie die Schadstoffe zu behandeln sind. Dies teilen die beiden Eigentümer-Gruppen Rhystadt und Swisslife am Donnerstagmorgen mit.
Ziel sei es, dass nach Abschluss dieser Arbeiten auf dem Areal keine Gesundheits- und Umweltrisiken aus der Zeit der früheren chemisch-pharmazeutischen Produktion bestehen, heisst es. Das Klybeck-Areal ist – wie übrigens fast der gesamte Norden Basels – belastet, zusätzlich aber auch überwachungsbedürftig. Rhystadt und Swisslife wollen mit den Untersuchungen dazu beitragen, dass das Areal bis in 30 Jahren nicht mehr überwacht werden muss.
400 Bohrungen
Konkret werden bis zu 400 Bohrungen vorgenommen. Sie sollen helfen, die exakte Lage von Schadstoffquellen zu identifizieren und den Umgang damit zu planen. Die Arbeiten hierzu starten noch im ersten Halbjahr 2026. Für die Entwicklung des Areals ist dies von grosser Bedeutung. Schliesslich ist mit dem kürzlich vorgestellten Richtprojekt klar, wie die Bebauung des Areals aussehen wird und wo Grün- und Freiräume geplant sind. Ab 2030 soll auf dem Areal gebaut werden, zuvor muss das Parlament aber noch den Bebauungsplan absegnen. Die Investoren lassen sich die weiteren Untersuchungen denn auch einiges kosten. Wie viel genau, verraten sie nicht. Es dürften viele Millionen Franken sein.
Parallel dazu stellen sie die Ergebnisse von aktuellen Grundwasser-Messungen vor. Das bereits seit 2001 bestehende und von den Eigentümern in den vergangenen Jahren erweiterte Monitoring versteht sich als eine Art Fiebermesser für Belastungen auf dem Areal. «Wir haben an einigen Messstellen Schadstoffkonzentrationen, die über den altlastenrechtlich definierten Sanierungsgrenzwerten liegen», sagt Rhystadt-Sprecher Adrian Kohler, der auch Delegierter der Rhystadt für die Standortbelastung ist. Die Konzentrationen stellten für die heutige Nutzung des Areals aber keine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt dar.
Das Grundwassermonitoring misst an 17 Punkten auf dem Areal 200 Substanzen. Der Bericht fusst auf vier Messreihen zwischen 2023 bis 2025. Ingesamt liegen also 13’600 Datenpunkte vor. Davon würden knapp drei Dutzend oder weniger als ein halbes Prozent kritische Werte aufweisen. Hohe Benzidin-Messwerte treten etwa bei Messstellen an der Gärtnerstrasse auf.
Die Resultate deuten auf historische Belastungen auf jenen Arealteilen hin, die besonders stark mit der früheren Produktion verbunden waren. «Die Belastungen sind aber sehr punktuell», sagt Kohler. Über den Sanierungsgrenzwerten lägen insbesondere Stoffe, die seit der Erweiterung des Messkonzepts durch die Eigentümer überprüft wurden. Dazu gehören Benzidin, 4-Aminobiphenyl sowie Pfas. Rhystadt und Swiss Life kündigen an, dass sie Grundwassermonitoring in den nächsten Jahren weiter ausbauen werden.
Altlasten-Experte: Zu wenige Substanzen berücksichtigt
In der Vergangenheit hat es Kritik an den Sanierungsbemühungen gegeben: Der Geograf und Altlastenexperte Martin Forter kam in einer erst im März veröffentlichten Studie zum Schluss, dass die Eigentümer ihre Versprechen für ein sorgenfreies Wohnen und Arbeiten auf dem Areal nicht halten können. Forter benannte 61 Stoffe, die in den Analyseprogrammen von Rhystadt und Swisslife nicht vorkommen, obwohl sie früher auf dem Areal in grossen Mengen zum Einsatz gekommen und sehr toxisch seien.
Die Eigentümer bezeichnen diese Kritik als veraltet. Im nun präsentierten Überwachungskonzept, das beim Kanton bereits im Januar in die Vernehmlassung gegeben wurde, würden wesentliche Verbindungen berücksichtigt. «Wir stützen uns auf die sogenannte Bachema-Liste, die beim Benzidin-Nachweis als Goldstandard gilt», sagt Rhystadt-Sprecher Kohler. Eine zweite Forderung Forters, wonach auf dem Areal ein engmaschigeres Messtellennetz in einem Raster von etwa zehn Metern zu erstellen sei, lehnen die Eigentümer ab. Dass dies unabdingbar für ein wirksames Monitoring, sei wissenschaftlich nicht begründet.