Außenplanet ist massereich, aber gasarm
Das Überraschende jedoch: „Die CHEOPS-Daten zeigten zusätzliche Transit-Merkmale, die wir keinem dieser der drei Planeten zuordnen konnten“, berichten die Astronomen. Nähere Analysen bestätigten, dass es um den Roten Zwerg LHS 1903 noch einen vierten Planeten gibt, der mehr als doppelt so weit vom Stern entfernt ist wie sein nächstinnerer Nachbar. Mit rund 5,79 Erdmassen ist der LHS 1903e getaufte vierte Planet fast so schwer wie sein Nachbar.
„Weil der vierte Planet fast genauso massereich ist wie der dritte, sollte auch er eine große Menge an Gas angesammelt und zurückgehalten haben“, sagt Koautor Yann Alibert von der Universität Bern. Doch das war nicht der Fall, wie Analysen enthüllten. Stattdessen hat LHS 1903e eine hohe Dichte und demnach wenig Gas, wie die Astronomen feststellten.
Wer zu spät entsteht, den bestraft das Gas
„Damit ist dieses Planetensystem verdreht: Erst folgen die Planeten der normalen Abfolge von erst steinig, dann gasreich – aber dann folgt noch ein Gesteinsplanet“, sagt Wilson. Aber wie ist dieser unerwartete Außenseiter zu erklären? Um das herauszufinden, spielten die Astronomen verschiedene Szenarien durch: Hatten die Planeten vielleicht irgendwann ihre Plätze vertauscht? Oder hatte eine Kollision die Gashülle dieses äußeren Planeten weggerissen?
Es zeigte sich: Keines dieser Szenarien kann Größe, Beschaffenheit und Position dieses Explaneten erklären. Stattdessen legen die Analysen einen anderen Grund für die unerwartete Gasarmut von LHS 1903e nahe: Der weit außen kreisende Gesteinsplanet muss ein Nachzügler sein – ein Planet, der sich erst nach seinen inneren Geschwistern gebildet hat. „Zu der Zeit, als dann dieser Planet heranwuchs, hatte das System bereits einen großen Teil seines Gases verloren“, erklärt Wilson. Dadurch blieb kaum noch „Futter“ für den Nachzügler übrig.
Erster Beleg für gasarme Nachzügler-Planeten
Das wirft ein neues Licht auf die Planetenbildung und ihren zeitlichen Ablauf. Denn anders als bislang angenommen, müssen Planeten nicht unbedingt gleichzeitig entstehen, sondern können auch nacheinander gebildet werden – erst die inneren, dann nacheinander die weiter außen liegenden. Der Nachzügler-Planet LHS 1903e kam so spät, dass sich seine Urwolke schon aufgelöst hatte. „Damit könnten wir den ersten Beleg für einen Planeten gefunden haben, der sich in einer solchen schon gasarmen Umgebung gebildet hat“, sagt Wilson.
Dies könnte vielleicht auch erklären, warum viele massereiche Supererden nicht zu Gasriesen wurden, sondern gasarme Gesteinsplaneten geblieben sind: Sie hatten bei ihrer Bildung zwar genug Staub und steiniges Rohmaterial, aber nicht mehr genügend Gas. Allerdings: Noch ist nicht klar, ob der Nachzügler-Planet einen exotischen Sonderfall darstellt oder ob es noch mehr Planetensysteme gibt, die diesem Nacheinander folgen.
„Unsere Theorien zur Planetenbildung beruhen stark auf dem, was wir in unserem Sonnensystem finden“, sagt Koautorin Isabel Rebollido von der europäischen Weltraumagentur ESA. „Aber wir sehen jetzt immer mehr Systeme von Exoplaneten, die davon abweichen. Wir müssen beginnen, unsere Theorien anzupassen.“ (Science, 2026; doi: 10.1126/science.adl2348)
Quelle: European Space Agency, University of Warwick
17. Februar 2026
– Nadja Podbregar