Im Infektiologie-Blog bieten wir Ihnen jede Woche eine kurze Übersicht zu den aktuellen Entwicklungen in der Epidemiologie, Diagnostik und Therapie von COVID-19, Grippe und weiteren Infektionskrankheiten. 

Infektiologie-Newsblog, Update vom 9. April 2026COVID-19, Influenza, RSV – die Trends in DeutschlandLong-COVID: Rückläufige Prävalenz, aber weiterhin hohe KrankheitslastLong-COVID: HIV als RisikofaktorTuberkulose: Jede 5. Erkrankung in Europa bleibt unentdeckt – Resistenzen auf hohem NiveauSTI: Akne-Therapie mit Doxycyclin senkt Risiko für sexuell übertragbare InfektionenHIV: Niedrige CD4-Werte erhöhen Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlichCOVID-19, Influenza, RSV – die Trends in Deutschland

Auf der Website „Infektionsradar“ stellt das Bundesministerium für Gesundheit Trends bei akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zusammen. Die neuesten 7-Tage-Inzidenzen (laborbestätigte Fälle je 100.000 Einwohner): 

 Aktuelle WocheVorwocheCOVID-190,20,3Influenza1,162,18Respiratorisches Synzytialvirus (RSV)4,105,73

Laut Robert Koch-Institut ist die Grippewelle der Saison 2025/2026 mittlerweile zu Ende. Nach Definition des Instituts begann die Influenzawelle vergleichsweise früh in der 48. Kalenderwoche 2025, also Ende November, und dauerte insgesamt rund 15 Wochen an.

Im Verlauf der Saison zeigte sich zunächst ein deutlicher Anstieg der Infektionszahlen rund um den Jahreswechsel, gefolgt von einem kontinuierlichen Rückgang im Spätwinter. Bereits im März 2026 gingen sowohl die gemeldeten Influenzafälle als auch die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen spürbar zurück. Parallel dazu wurden Influenzaviren in den Surveillance-Systemen kaum noch nachgewiesen. Wie in typischen Jahren verlagerte sich das Infektionsgeschehen nach dem Höhepunkt der Grippewelle zunehmend hin zu anderen saisonalen Atemwegserkrankungen.

Long-COVID: Rückläufige Prävalenz, aber weiterhin hohe Krankheitslast

Long-COVID bleibt auch mehrere Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie klinisch relevant – trotz erkennbarer Fortschritte. Eine aktuelle, in JAMA Network Open publizierte Analyse auf Basis repräsentativer Daten der US National Health Interview Survey zeigt, dass zwar immer mehr Menschen eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, die relative Häufigkeit von Long-COVID jedoch abnimmt. So stieg der Anteil der Erwachsenen mit Infektion zwischen den Jahren 2022 und 2024 von 39,6% auf 60,4%, während die Long-COVID-Prävalenz unter den Infizierten im gleichen Zeitraum von 19,7% auf 13,7% sank.

Der Anteil der Betroffenen, die sich von Long-COVID erholt haben, stieg von 51,2% auf 59,7%. Das bedeutet im Umkehrschluss: Nach wie vor haben viele Menschen Probleme. Im Jahr 2024 waren es etwa 8,3% der erwachsenen US-Bevölkerung, also rund 21,3 Millionen Menschen.

Frauen sowie Patienten zwischen 35 und 64 Jahren haben ein größeres Risiko für Long-COVID als andere Patientengruppen. Auch ein niedriger sozioökonomischer Status ist mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Vor allem junge Erwachsene erholen sich rasch und vollständig. 

Long-COVID: HIV als Risikofaktor

Menschen mit HIV haben ein signifikant höheres Risiko, nach einer COVID-19-Infektion an Long-COVID zu erkranken. Zu dem Ergebnis kommen Forscher in JAIDS.

Grundlage ihrer Arbeit war eine Analyse der Daten von 838.520 Patienten aus den USA. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass 16,3% der Patienten mit HIV-Infektion und mit COVID-19 Long-COVID-Symptome entwickelt haben, verglichen mit 10,6% der Kontrollen ohne HIV. Insgesamt war das Risiko um 29% erhöht (adjustierte Hazard Ratio 1,29).

Besonders auffällig waren neurologische Folgen. Sie traten bei HIV-Patienten mehr als doppelt so häufig auf als bei Kontrollen (aHR 2,04). Psychische und neurokognitive Störungen waren um 78% häufiger (aHR 1,78). Auch Atemwegserkrankungen traten öfter auf (aHR 1,78). 

Die Ergebnisse zeigen, dass HIV-Patienten besonders anfällig für langfristige Folgen von COVID-19 sind und eine engmaschige Nachsorge benötigen. 

Tuberkulose: Jede 5. Erkrankung in Europa bleibt unentdeckt – Resistenzen auf hohem Niveau

Europa verfehlt nach wie vor wichtige Ziele im Kampf gegen Tuberkulose. Das zeigt ein aktueller Bericht der World Health Organization (WHO) und des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Demnach wurden im Jahr 2024 rund 161.500 Fälle gemeldet. Tatsächlich dürften jedoch etwa 204.000 Menschen erkrankt sein. Damit bleibt etwa jede 5. Tuberkulose-Erkrankung unerkannt oder wird nicht gemeldet – eine erhebliche Lücke in der Versorgung. 

Zwar ist die Tuberkulose-Inzidenz in der Region seit dem Jahr 2015 um 39% gesunken. Auch die Sterblichkeit ging um knapp 50% zurück. Dennoch reichen diese Fortschritte nicht aus, um internationale Ziele zu erreichen. Besonders kritisch ist die Situation bei der Nachverfolgung: Selbst in der EU wird etwa jeder 5. Patient ein Jahr nach Therapiebeginn nicht mehr systematisch erfasst.

Auch die Antibiotikaresistenz wird zum Problem: In Europa sind 23% der neuen Tuberkulosefälle multiresistent – ein Wert, der rund 7-fach über dem globalen Durchschnitt liegt. Bei bereits behandelten Patienten ist sogar mehr als jeder 2. Fall resistent gegen das wichtige Antibiotikum Rifampicin. Diese resistenten Formen sind deutlich schwieriger zu behandeln, erfordern längere Therapien und gehen mit höheren Sterblichkeitsraten einher.

Ohne Investitionen in schnelle Diagnostik, wirksame Therapien und stabile Gesundheitssysteme droht Europa, im Kampf gegen Tuberkulose weiter zurückzufallen.

STI: Akne-Therapie mit Doxycyclin senkt Risiko für sexuell übertragbare Infektionen

Eine Analyse der Daten von 172.711 Patienten zwischen 15 und 45 Jahren zeigt, dass die tägliche Einnahme von Doxycyclin zur Behandlung von Akne mit einem verringerten Risiko für bakterielle sexuell übertragbare Infektionen (STI) verbunden ist. Darüber berichten Forscher in JAAD

Innerhalb von 180 Tagen nach Therapiebeginn traten STI um rund 27% seltener auf (Hazard Ratio 0,73). Besonders deutlich war der Effekt bei Chlamydien-Infektionen, deren Häufigkeit um etwa 39% niedriger war (HR 0,61). Für Gonorrhö und Syphilis zeigte sich ebenfalls ein Rückgang (HR 0,79 bzw. 0,80). Der Effekt war jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Ergebnisse sind vor allem relevant, weil sie eine breite, eher niedrig gefährdete Population betreffen. In den letzten Jahren gab es vor allem Studien zu Hochrisikogruppen und zur Präexpositionsprophylaxe. Dennoch reicht die Evidenz nicht aus, um Doxycyclin gezielt zur Prävention von STI einzusetzen. Ob das funktionieren könnte, müssen weitere Studien zeigen. 

HIV: Niedrige CD4-Werte erhöhen Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich

Eine Analyse der Daten von 66.920 Frauen mit HIV aus Südafrika zeigt, dass immunologische Parameter entscheidend für das Risiko von Krebsvorstufen und von Gebärmutterhalskrebs sind. Details haben Forscher in Clinical Infectious Diseases publiziert. 

Ihre Auswertung von Daten der Jahre 2011 bis 2022 ergab Inzidenzen von 394 Fällen moderater und 405 Fällen schwerer Dysplasien, von 66 Fällen eines Carcinoma in situ und von 70 Fällen invasiven Krebses pro 100.000 Personenjahre.

Besonders deutlich war der Zusammenhang mit der CD4-Zellzahl: Frauen mit stark geschwächtem Immunsystem (Titer unter 50 Zellen/µl) hatten ein nahezu 5-fach erhöhtes Risiko für ein Carcinoma in situ und ein mehr als 5-fach erhöhtes Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs im Vergleich zu Frauen mit hohen CD4-Werten über 500 Zellen/µl. Auch für frühere Vorstufen zeigte sich bei niedrigen CD4-Werten ein etwa 2,5- bis 2,7-fach erhöhtes Risiko. 

Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass eine stabile Immunfunktion durch frühzeitige und effektive HIV-Therapie auch zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs beitragen kann.