Es begann schon Ende 2023. Die Co-Generalsekretärin der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS), Rebekka Wyler, kündigte ihren Job. Ihr «Co», Tom Cassee, liess sogleich verlauten, dass er fortan den Laden allein hüten will.

Co-Präsident Cédric Wermuth, Wylers Chef, vergoss keine Tränen. Der abrupte Abgang der begabten und erfolgreichen Networkerin Wyler nährte Gerüchte, es herrsche Unfriede im Parteisekretariat, und das Co-Präsidium sehe dem tatenlos zu.

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Cédric Wermuth und Samira Marti am Jahresauftakt-Apero der SP Schweiz

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Da muss etwas dran sein, nicht nur an der Tatenlosigkeit, aber vor allem am Unfrieden. Denn auch im Co-Präsidium der Parteileitung selber knistert es im Gebälk. Co-Präsidentin Mattea Meyer legte im vergangenen Dezember ihr Werkzeug weg. Seither regiert Cédric Wermuth allein.

Meyer begründete ihre Auszeit mit «grosser Erschöpfung». Das kann man nachfühlen, denn mit einer jungen Familie mit zwei Kleinkindern, dem Nationalratsmandat und dem Co-Präsidium ist man gut eingedeckt. Rappelt es an einem der drei Orte, gerät das Gefüge ins Wanken.

Die Auguren melden: Mattea Meyer hat Erfolg im Parlament und Frieden in der Familie, da bleibt nur Krach im Präsidium. Voilà! Noch hat Wermuth nicht verkündet, dass er den Laden allein schmeissen will – tut es de facto nun aber schon ganz possierlich.

Die machohafte Taktik des Entfernens der weiblichen «Co» scheint System zu haben: 2024 warf Liv Mahrer, die Co-Präsidentin der Zürcher Stadtpartei, das Handtuch, und Co-Präsident Oliver Heimgartner firmiert seither stolz ohne das mindere «Co» im Titel und regiert allein.

Ist diese merkwürdige antifeministische Politik einfach das Zurückschwingen des Pendels? Erleben wir die geschlechtliche Umkehr der SP-Politik? Entfernt die SP die Frauen aus den Führungspositionen? Nein? Dann bitte soll Cédric Wermuth mit gutem Beispiel vorangehen und zurücktreten. Das wäre ein Befreiungsschlag für die festgefahrene SP.

Und es hülfe, die perfide Verhinderung von Yvonne Feri als SP-Ständeratskandidatin zu verdauen, bei der sich Wermuth selber portierte mit dem Argument, er als Mann könne die Sache der Frau noch besser vertreten als eine Frau. Wermuths Rücktritt könnte den Weg frei machen für eine vernünftige Landesverteidigungs-Politik der SP. Als nämlich Russland die Ukraine überfiel, sagte er zur grossen Verwunderung weiter Kreise, dass er sich angesichts des Überfalls vom Paulus zum Saulus gewandelt habe. Aber gemacht hat Wermuth in über vier Jahren nichts. Im Gegenteil: Er hat am jüngsten Parteitag dazu beigetragen, dass das von Ständerat Daniel Jositsch eingebrachte Thema Landesverteidigung nicht zur Debatte kam.

Parteipräsident Cédric Wermuth steht der SP im Weg.

Hartmuth Attenhofer war Präsident des Zürcher Kantonsrats und bis vor kurzem Mitglied der SP.