Jetzt kannst du bei Digitec Galaxus auf Raten bezahlen. 

Jetzt kannst du bei Digitec Galaxus auf Raten bezahlen. 

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Bei Digitec Galaxus kann man Produkte neu in Raten bezahlen. Was als praktische zusätzliche Bezahlmöglichkeit verkauft wird, kann aber schnell gefährlich werden. Experten erklären, wer besonders aufpassen muss.

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

Digitec Galaxus bietet neu Ratenzahlungen an, um «den Einkauf flexibler zu machen und mehr Kundschaft anzuziehen».Experten warnen vor Schuldenrisiken, da mehrere kleine Raten schnell zur finanziellen Belastung werden und Impulskäufe fördern.Das Unternehmen setzt auf Bonitätsprüfungen und Transparenz. Fachleute raten, Ratenkäufe nur bewusst und zurückhaltend zu nutzen.

Ein neues Sofa, ein neuer Fernseher oder vielleicht doch ein Beamer fürs Schlafzimmer? Vieles von dem, was Digitec Galaxus im Angebot hat, hätte man gerne. Da wirkt es verlockend, etwas zu bestellen, ohne sofort zu bezahlen.

Was andere Unternehmen schon länger eingeführt haben, kommt jetzt auch bei Digitec Galaxus: die Ratenzahlung. Das Unternehmen will so den Kunden eine «flexiblere Art des Shoppens» bieten.

Doch wie sehr kommt das wirklich den Kunden zugute? Ist die Schuldenfalle nicht zu gross? blue News fragt nach. 

«Wir hoffen, dass mehr Menschen einkaufen»

Digitec-Galaxus-Mediensprecher Manuel Wenk sagt: «Mit der Ratenzahlung bieten wir unserer Kundschaft eine weitere, flexible Zahlungsmöglichkeit – und erhoffen uns dadurch natürlich auch, dass noch mehr Menschen bei uns einkaufen.» 

Verdient Digitec Galaxus noch mehr Geld, indem zusätzliche Zinsen oder Gebühren auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden? Der Sprecher beschwichtigt: «Die Ratenzahlung ist für unsere Kundschaft kostenlos: Es fallen weder Zinsen noch Bearbeitungsgebühren oder sonstige Kosten an.» 

Wie gut die neue Möglichkeit genutzt wird, will Digitec nicht sagen: «Aus Konkurrenzgründen nennen wir keine exakten Zahlen.» Nur so viel: Es handle sich um einen tiefen einstelligen Prozentsatz der Bestellungen, die per Ratenzahlung abgewickelt werden. 

Schuldenberater rät davon ab

So viel zu den Vorteilen. Auf Raten zu bezahlen ist bekanntermassen risikoreich. Auf Anfrage von blue News sagt Lorenz Bertsch, Schuldenberater bei Caritas: «Vor allem junge Menschen laufen Gefahr, bei der Bezahlung auf Raten in die Falle zu tappen.» Ein grosses Problem sei die Kumulation, also wenn man mehrere Dinge auf Raten bestellt und im Monat dann plötzlich Hunderte von Franken abbezahlen muss.

Eine weitere Gefahr sind Veränderungen der Lebensumstände. «Wenn ich ein teures Produkt auf Raten kaufe und dann beispielsweise einen Jobwechsel habe oder einen Schicksalsschlag erleide, verdiene ich unter Umständen weniger. Somit bleibt weniger Geld für die Ratenzahlung übrig», so Bertsch. Es drohen Mahnungen und Betreibungen.

Bertsch hält fest, dass gewissen Bevölkerungsgruppen keine andere Wahl haben: «Eine Familie mit drei Kindern und einem Lohn von 3700 Franken im Monat hat nicht immer den Luxus, ein Sofa direkt zu kaufen.» Er habe schon Kunden erlebt, die ein Sofa für 200 Franken monatlich abzahlen mussten, weil sie sonst kein Geld mehr für Nahrungsmittel hätten. «In solchen Fällen kann eine Ratenzahlung Sinn ergeben.» Dies müsse aber genau durchgerechnet und mit kleinen Beträgen bezahlt werden.

Marketing-Experte Felix Murbach schätzt ein.

Marketing-Experte Felix Murbach schätzt ein.

Felix Murbach Marketing

Falls jemand tatsächlich Schulden anhäuft, solle man nicht lang hadern. Bertsch: «Wir haben oft das Problem, dass die Menschen zu spät bei uns an die Türe klopfen.» Er empfiehlt daher: Je früher, desto besser. Denn je früher man handle, desto weniger können weitere Kosten anfallen. Ein weiterer Tipp: «Ich empfehle immer, alle Fixkosten, beispielsweise auch die Steuern, über einen Dauerauftrag monatlich zu bezahlen.» Eine Budgetierung ist ebenfalls wichtig. Und einen wichtigen Grundsatz hat Bertsch: «Kann ich es mir jetzt nicht leisten, kaufe ich es nicht – auch nicht auf Raten.»

Einkaufen ist zwar einfacher, aber heikler

Den gleichen Grundsatz verfolgt auch Marketingexperte Felix Murbach. Das Modell sei zwar nicht neu, er sieht aber zunehmend Gefahren. Auf Anfrage von blue News sagt er: «Ratenzahlungen werden digital einfacher, schneller und damit auch heikler.»

Für Unternehmen sei das attraktiv: «Die Einstiegshürde sinkt, der Warenkorb steigt. Für Konsumenten fühlt es sich bequem an – ein Klick, das Produkt ist sofort da, bezahlt wird später in kleinen Beträgen», sagt Murbach. Genau darin liege die Stärke dieses Modells. Gefährlich sei dabei: «Man merkt dabei weniger stark, wie viel man insgesamt ausgibt.»

Weiter sagt Murbach: «Konsument*innen können schnell den Überblick verlieren. Viele kleine Raten wirken harmlos, aber zusammen werden sie schnell zu einer spürbaren Belastung.» Gleichzeitig sinke die Hemmschwelle: «Impulskäufe – also Dinge, die man eigentlich nicht wirklich braucht – nehmen zu», erklärt der Experte. Genau hier sehe er die grösste Gefahr: «Dass sich daraus eine Gewohnheit entwickelt und man beginnt, regelmässig über die eigenen Verhältnisse zu leben.»

Kann ich mir das leisten?

Das Kaufverhalten der Konsument*innen verändere sich stark. Murbach sagt: «Früher hat man sich die Frage gestellt, ‹Kann ich mir das leisten?› Heute geht es oft nur noch darum: ‹Kann ich mir die Monatsrate leisten?›» Das klinge ähnlich, sei aber ein grosser Unterschied. «Dadurch wird schneller entschieden, es wird mehr gekauft, und auch teurere Produkte wirken plötzlich machbar», sagt Murbach. Die Zahlungsart beeinflusse also direkt, wie Menschen entscheiden – oft weniger bewusst und deutlich spontaner.

Der Experte rät zur Vorsicht: «Ratenzahlungen können sinnvoll sein – zum Beispiel bei grösseren, geplanten Anschaffungen. Aber bei spontanen Käufen sind sie heikel.» Darum sein Rat: Wenn möglich lieber direkt bezahlen. 

Digitec Galaxus will Kunden schützen

Bei Digitec Galaxus scheint man die Gefahren zu kennen. Mediensprecher Wenk erklärt: «Nur wer den Bonitätscheck besteht, kann bei uns auf Ratenzahlung oder Rechnung einkaufen.» Die Bonität wird durch die schon vorhandenen Daten von Digitec Galaxus geprüft. Der maximale Rechnungsbetrag basiere ebenfalls auf dieser Prüfung. «Wir haben kein Interesse daran, dass unsere Kundschaft sich überschuldet, da nicht bezahlte Rechnungen auch für uns finanzielle Einbussen bedeuten», heisst es weiter.

Mit jeder nicht fristgerecht bezahlten Rechnung steige daher die Hürde im Bonitätscheck. Bei der Darstellung im Kundenkonto lege Digitec Galaxus grossen Wert auf Transparenz, sodass Kundinnen und Kunden stets schnell und einfach einen Überblick über ihren Ratenplan kriegen.

«Zudem können Kundinnen und Kunden in ihrem Kundenkonto festlegen, ob sie beim Check-out die Optionen ‹Rechnung› oder ‹Ratenzahlung› angezeigt bekommen möchten oder nicht», sagt Wenk. Damit sie beim Kauf gar nicht erst in Versuchung kommen, das Bezahlen auf später zu verschieben.

Und: Digitec Galaxus gewährleistet neu einen zusätzlichen Schutz. «Vor kurzem haben wir eine Ausgabenübersicht lanciert, in der Kundinnen und Kunden selber Ausgabenlimits setzen können», sagt Wenk. 

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19.06.2024