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Berlin – Comedian Michael Mittermeier geht hart mit Kollegen ins Gericht. Seine klare Ansage an Künstler, die sich über angebliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit beschweren: „Ich sage den Künstlern, die sich auf die Bühne stellen und sich beschweren, sie dürften nichts mehr sagen: Fahr nach Hause, heul dich bei deiner Mama aus und werde Bäcker, aber in der Comedy hast du definitiv den falschen Job“, sagte der 60-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dabei nannte er allerdings niemanden beim Namen.
Mittermeier will von den Nörglern immer wissen, wo denn die „ominöse Liste der angeblich verbotenen Wörter“ sei. Doch niemand konnte ihm bisher eine solche Liste vorlegen. Der Komiker stellt klar: „Die meisten Menschen, die sich darüber aufregen, dass sie etwa das N-Wort nicht mehr benutzen sollen, haben es vorher nie gebraucht. Aber jetzt, wo klar ist, dass es eine miese Beleidigung ist, wollen sie es unbedingt sagen.“
Kalkofe: „Völliger Unsinn“
Auch der Komiker Oliver Kalkofe hält nichts von der Behauptung, man dürfe heute kaum noch etwas sagen. „Völliger Unsinn“, sagte der 60-Jährige der deutschen Ausgabe des „Playboy“. Seine Begründung: „Der Einfluss von Politik oder Kirche auf die Medien war in den 70er- und 80er-Jahren wesentlich stärker – und das ganz offen.“ Damals hätten bestimmte Dinge tatsächlich nicht gesagt werden dürfen.
Kalkofe sieht das Problem woanders: „Heute hat man eher Angst vor einem sogenannten Shitstorm oder vor Kritik aus einer bestimmten Richtung. Bei vielen Institutionen und auch in manchen Medien führt das dann aus Angst und vorauseilendem Gehorsam dazu, sich selbst zu beschränken.“ Beide Comedians äußerten sich ohne konkreten Anlass zur aktuellen Debatte.
Trump feiert Kimmel-Pause
Ein prominentes Beispiel für echte Einschränkungen lieferten die USA. 2025 wurde die Sendung von Jimmy Kimmel, einem der bekanntesten Late-Night-Talker, zeitweise abgesetzt. Der Disney-Konzern hatte die Show nach Kimmels Äußerungen über den tödlichen Angriff auf den rechten Aktivisten und Trump-Unterstützer Charlie Kirk auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Disney begründete die Pause damit, die angespannte Stimmung im Land nicht weiter befeuern zu wollen. Die Pause löste eine heftige Debatte um die Meinungs- und Pressefreiheit aus. US-Präsident Donald Trump (79) feierte die Pause als „gute Nachrichten für Amerika“.
Auch in Deutschland tobte erst kürzlich eine Debatte um die Kunstfreiheit. Zuletzt sorgte Kulturstaatsminister Weimer für Wirbel: Er schloss drei linke Buchläden wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ vom Deutschen Buchhandlungspreis aus. Wenig später sagte er auch die Verleihung des Preises ab; die Debatte um die Streichung von drei Juryvorschlägen drohe den Sinn der Veranstaltung „zunehmend zu überlagern“, hieß es.