Wie jedes Jahr berichtet Prof. Dr. Stephan Martin in 2 Videos vom Diabetes-Update. In seinem ersten Beitrag hier geht es um Prävention, Longevity-Faktoren, Schutz durch Impfungen und Folgen für Leber und Niere.

Transkript des Videos:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich berichte heute vom diesjährigen Diabetes-Update, einer Veranstaltung, die nun bereits zum 21. Mal stattfindet. In diesem Rahmen präsentieren 14 Referenten die wichtigsten Daten des vergangenen Jahres aus Fachbereichen wie der Kardiologie sowie dem Typ-1- und Typ-2-Diabetes, speziell aufgearbeitet für die klinische Praxis. Erstmals fand die Tagung in Wiesbaden statt. Gerne möchte ich Ihnen einige Highlights des ersten Tages vorstellen.

Prävention und Langzeiteffekte des Lebensstils 

Ein zentrales Thema des ersten Tages war die Prävention. Diskutiert wurden Langzeitdaten wie die der chinesischen DaQing-Studie. Diese zeigt ebenso wie das US-amerikanische Diabetes Prevention Program, dass Lebensstil-Interventionen bei Personen mit Prädiabetes selbst nach 20 Jahren noch positive Effekte aufweisen. Interessanterweise profitiert die Altersgruppe über 60 Jahre besonders stark von einer Umstellung des Lebensstils, während bei jüngeren Patienten eine frühe Intervention mit Metformin langfristig erfolgreich ist.

Daten aus Deutschland belegen zudem, dass Menschen, die von einem Prädiabetes wieder in den Zustand der Normoglykämie zurückkehren, massiv profitieren. Bei ihnen sinken das Risiko für Herzinsuffizienz, der kardiovaskuläre Tod sowie die Gesamtmortalität signifikant.

Longevity: Die „Big Five“ der Risikofaktoren 

Abseits von zweifelhaften Nahrungsergänzungsmitteln wurde eine große Kohortenanalyse zu den wesentlichen Faktoren für ein langes Leben diskutiert. Die „Big Five“ sind: Bluthochdruck, Non-HDL-Cholesterin, BMI, Diabetes und Rauchen. Frauen, die alle fünf Risikofaktoren aufweisen, erkranken im Schnitt 13 Jahre früher an kardiovaskulären Leiden und haben eine um 14 Jahre verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu Frauen ohne diese Risiken. Bei Männern führt das Vorhandensein aller 5 Faktoren zu einem 10 Jahre früheren Krankheitsbeginn und einer Lebenszeitverkürzung von elf Jahren.

Kardiologie und Impfschutz 

Ein oft unterschätzter Pfeiler der kardiovaskulären Behandlung ist die Grippeimpfung. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie stuft sie mittlerweile neben der Lipidsenkung und der antihypertensiven Therapie als wesentlichen Faktor ein. Da jede Infektion Plaque-Rupturen provozieren kann, schützt die Impfung Patienten nach vaskulären Ereignissen effektiv vor weiteren Komplikationen.

Innovationen in der Diagnostik und Hepatologie 

In der Augenheilkunde zeichnet sich ein Wandel ab: Das Screening auf diabetische Retinopathie mittels künstlicher Intelligenz erreicht teilweise eine höhere Sensitivität als die klassische Untersuchung beim Augenarzt. Angesichts langer Wartezeiten könnte die KI eine echte Alternative zur Optimierung der jährlichen Kontrollen darstellen.

In der Hepatologie wurde die Umbenennung der Fettlebererkrankungen in MASLD (Metabolic Dysfunction-associated Steatotic Liver Disease) und MASH thematisiert. Da stoffwechselbedingte Leberzirrhosen mittlerweile häufiger auftreten als alkoholbedingte, ist die Aufmerksamkeit beim Diabetes-Patienten essenziell. Experten empfehlen die jährliche Bestimmung des FIB-4-Scores (basierend auf Alter, GOT und Thrombozytenzahl). Ein Wert über 1,3 erfordert eine genauere Untersuchung des Fibrosegrades, da dieser entscheidend für die Lebenserwartung ist. Eine Fettleber darf keinesfalls als Bagatelle betrachtet werden.

Warnsignale und neue Ansätze in der Nephrologie 

Besondere Vorsicht ist bei sogenannten „Red Flags“ geboten: Eine ungewollte Gewichtsabnahme, ein neu auftretender Diabetes im Alter oder eine plötzliche Verschlechterung des HbA1c-Wertes können Anzeichen für ein Pankreaskarzinom sein.

Aus der Nephrologie gibt es Neuigkeiten zum Wirkstoff Finerenon. Nachdem die Studien FIDELIO und FIGARO bereits die Wirksamkeit bei Typ-2-Diabetes belegten, zeigt die aktuelle FINE-ONE-Studie nun auch bei Typ-1-Diabetes positive Effekte. Hier konnte die Albumin-Kreatinin-Ratio um 34 % gesenkt werden, was Finerenon zu einer künftigen therapeutischen Option für diese Patientengruppe macht.

Dies waren die Eindrücke des ersten Tages. Morgen folgen weitere spannende Themen wie Gestationsdiabetes und neue Aspekte des Typ-2-Diabetes.

Alles Gute, Ihr Stefan Martin