FDP-Kantonalparteipräsident Filippo Leutenegger präsentierte am Montag Nationalrat Andri Silberschmidt als Regierungsratskandidaten.
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Die Zürcher FDP peilt Besitzstandswahrung an: Bei den kantonalen Wahlen im April 2027 soll Nationalrat Andri Silberschmidt als einziger freisinniger Regierungsratskandidat antreten. Dies gab die Leitung der Kantonalpartei am Montag bekannt.
Ende März hatte FDP-Regierungsrätin Carmen Walker Späh erklärt, 2027 nicht mehr anzutreten. Silberschmidt hatte seine Ambitionen auf ihre Nachfolge schon länger öffentlich gemacht. Fraglich war, ob die FDP auch den 2019 an den Grünen Martin Neukom verlorenen zweiten FDP-Regierungsratssitz im Frühling 2027 zurückerobern will. Dieses Ziel hat die Zürcher FDP-Führung nun vertagt, nachdem diverse namhafte mögliche Kandidatinnen und Kandidaten abgesagt haben.
«Wir fahren mit einer Einerkandidatur», sagte FDP-Kantonalparteipräsident Filippo Leutenegger am Montag vor den Medien. «Andri Silberschmidt ist für uns der beste Garant dafür, dass wir den Sitz halten können.» Silberschmidt habe ein Unternehmen mitaufgebaut und sei 2019 als Senkrechtstarter in den Nationalrat gewählt worden. «Er hat das Zeug zum Regierungsrat – und die nötige Bekanntheit», so Leutenegger.
Die Einerkandidatur habe die FDP-Führung beschlossen, weil sie die grösste Garantie biete, die bürgerliche Mehrheit im Zürcher Regierungsrat zu sichern. Mitte und SVP seien dabei die Partner der FDP. Einen Anspruch auf den frei werdenden SP-Sitz stelle die FDP nicht. «Wenn man sich nicht an die Konkordanz hält, kann man auf die Nase fallen», so Leutenegger.
Wenn künftig aber ein bisher nicht-bürgerlicher Regierungsratssitz vakant werde, wolle die FDP antreten – und in der Zwischenzeit mögliche Kandidaturen aufbauen. Ob er damit auf einen denkbaren Rücktritt von Mario Fehr (parteilos, ehemals SP) während der nächsten Legislaturperiode anspielte, liess Leutenegger auf Nachfrage offen.
Wirtschaft, Verkehr und Bildung im Fokus
Andri Silberschmidt wuchs im Zürcher Oberland auf, zog später nach einer Lehre fürs Wirtschaftsstudium nach Zürich, wo er als Gemeinderat seine ersten politischen Sporen verdiente. Mittlerweile wohnt der 32-Jährige mit seiner jungen Familie in Affoltern am Albis. «Ich bin jetzt bereit, mein ganzes Berufsleben dem Kanton Zürich zu widmen», erklärte er seine Regierungsratskandidatur.
«Der Kanton Zürich ist die Wirtschaftslokomotive der Schweiz», betonte Silberschmidt. Dabei sei auch die Verkehrspolitik enorm wichtig: «Wir stehen dafür ein, dass jeder Verkehrsträger seine Berechtigung hat und diese nicht gegeneinander ausgespielt werden.»
Weiter liege ihm das Thema Bildung am Herzen, gerade auch im Hinblick auf Themen wie künstliche Intelligenz. Und: «Es ist wichtig, dass die Menschen im Kanton Zürich sich sicher fühlen.»
Ob die FDP dem Einervorschlag der Parteileitung folgt, wird sich an ihrer Delegiertenversammlung im Juni zeigen. Diese entscheidet über die FDP-Regierungsratskandidatur.
Mehrere Regierungssitze werden frei
Walker Späh ist nicht das einzige langjährige Regierungsratsmitglied, das 2027 nicht mehr antritt. Auch Ernst Stocker (SVP) und Jacqueline Fehr (SP) hören auf. Als Ersatz für Stocker steht SVP-Nationalrat Martin Hübscher in den Startlöchern. Bei der SP will Nationalrätin Priska Seiler Graf die scheidende Regierungsrätin Fehr ersetzen. Auch der Winterthurer SP-Stadtrat Nicolas Galladé will für den Regierungsrat kandidieren. Die SP verlor 2021 ihren zweiten Regierungsratssitz durch den Parteiaustritt von Mario Fehr.
Zwei Regierungsmitglieder, die bereits im Pensionsalter sind, haben noch nicht bekannt gegeben, ob sie 2027 wieder antreten: Mario Fehr (parteilos) und Silvia Steiner (Mitte). Die GLP peilt mit Nora Ernst einen Regierungsratssitz an. Weitere Kandidaturen anderer Parteien dürften folgen. Aktuell setzt sich die Zürcher Kantonsregierung aus Natalie Rickli und Ernst Stocker (beide SVP), Carmen Walker Späh (FDP), Silvia Steiner (Mitte), Mario Fehr (parteilos), Jacqueline Fehr (SP) und Martin Neukom (Grüne) zusammen.