
Eine Luftaufnahme der laufenden Bauarbeiten am weltweit grössten Redox-Flow-Batteriespeichersystem in Laufenburg im Kanton Aargau.
Flexbase
Ein Schweizer Unternehmen baut eigenen Angaben zufolge die weltweit leistungsstärkste Redox-Flow-Batterie. Diese soll riesige Mengen erneuerbarer Energie speichern und zur Stabilisierung der Schweizer und europäischen Stromnetze beitragen.
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
14. April 2026 – 06:00
27 Meter tief und länger als zwei Fussballfelder ist die grosse Grube, welche die Flexbase-GruppeExterner Link derzeit in Laufenburg im Kanton Aargau gräbt, um eine unterirdische Batterieanlage aufzunehmen.
«Wir werden in wenigen Millisekunden bis zu 1,2 Gigawatt (GW) Strom einspeisen oder aufnehmen können, was der Leistung des Kernkraftwerks Leibstadt [ebenfalls im Kanton Aargau nahe der Grenze zu Deutschland] entspricht», sagt Mitgründer Marcel Aumer gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS.
Das riesige Batteriespeichersystem ist Teil des künftigen Technologiezentrums Laufenburg, eines 20’000 m² grossen Komplexes mit einem KI-Rechenzentrum, Büros und Labors.

Eine computergenerierte Darstellung des geplanten Technologiezentrums in Laufenburg.
Flexbase
Flexbase plant, die Riesenbatterie im Jahr 2029 in Betrieb zu nehmen und hofft, rund 300 Arbeitsplätze zu schaffen. Das privat finanzierte Projekt kostet zwischen einer und fünf Milliarden Franken.
Unser kurzes Video über das Redox-Flow-Batterieprojekt in Laufenburg:
So funktionieren Redox-Flow-Batterien
Im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Batterien, die Energie in festen Elektroden speichern, verwenden diese flüssige Elektrolyte. Diese sind in grossen Tanks gelagert, während die darüber angeordneten Zellenstapel die gespeicherte chemische Energie in Strom umwandeln.
Das System wird mit überschüssigem, aus erneuerbaren Energien gewonnenem Strom – hauptsächlich aus Solar- und Windenergie – wieder aufgeladen, der bei Spitzennachfrage wieder ins Netz eingespeist werden kann.
Wichtiger Bestandteil des künftigen Netzes
Swissgrid, die Betreiberin des nationalen Hochspannungsnetzes, plant den Anschluss an den Standort Laufenburg – ein Novum für die Schweiz.
Swissgrid ist überzeugt, dass grosse Batterien wie diese zu einem zentralen Bestandteil des künftigen Schweizer Stromnetzes werden.
«Grosse Batterien können Energie speichern, wenn viel davon vorhanden ist, und sie abgeben, wenn sie benötigt wird. In Zukunft, wenn die Windproduktion je nach Wetterlage schwanken wird, kann diese Flexibilität dazu beitragen, das Netz zu stabilisieren», sagt Gabriele Crivelli, Mediensprecher von Swissgrid.
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Solche Anlagen können auch das Risiko von Stromausfällen verringern und dazu beitragen, die stark steigende Stromnachfrage von Rechenzentren zu decken, die für künstliche Intelligenz (KI) verwendet werden.
Während die Redox-Flow-Technologie in Europa noch in der Entstehungsphase ist, ist sie in anderen Weltregionen bereits gut etabliert.
«Der asiatische Markt, mit Japan an der Spitze, hat diese Technologie erheblich weiterentwickelt. Heute sind Japan, China und Südkorea uns Europäern etwa sieben Jahre voraus», sagt Flexbase-Chef Aumer.
Schweizer Forscher zweifelt an Redox-Flow-Technologie
Tobias Schmidt, Professor für Energie- und Technologiepolitik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich, führte 2020 eine Studie durch, in der er die Batterietechnologien analysierte, die sich weltweit in Zukunft durchsetzen dürften.
Er ist der Meinung, dass die Redox-Flow-Technologie, wie sie in Laufenburg geplant ist, «keine Chance hat». «Ich kenne die genauen Zahlen für Laufenburg nicht. Aber ich bin überrascht. Ich würde nicht in diese Technologie investieren», sagte er letztes Jahr gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRFExterner Link.
Schmidt glaubt, dass die Zukunft bei Metall-Ionen-Batterien liegt, wie etwa «Lithium-Ionen». «Der riesige Markt für Lithium-Ionen-Batterien sind Elektrofahrzeuge. In diesem Bereich wird viel investiert, besonders in China, und die Batterien werden rasch besser und günstiger. Die Lernkurve für diese Technologie ist enorm», sagte er gegenüber SRF.
Der Schweizer Professor ist Mitautor einer Studie aus dem Jahr 2025, die zeigt, dass Post-Lithium-Ionen-Batteriespeicher (eine neue Generation von Speichern), namentlich Natrium-Ionen-Batterien, vollständig von der Lernkurve der Lithium-Ionen-Batterien profitieren. «Es ist daher wirklich schwer, die Entwicklungslaufbahn der Metall-Ionen-Batterien zu übertreffen», sagt Schmidt gegenüber Swissinfo.
Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub