Für die Grundlagenforschung an der ETH Zürich spielt Helium eine wichtige Rolle. Namentlich in der Physik, der Chemie und Biologie, der Halbleiterforschung sowie in der medizinischen Bildgebung ist flüssiges Helium als Kühlmittel unverzichtbar – schliesslich funktionieren viele Experimente und Messgeräte in diesen Disziplinen nur zuverlässig bei Temperaturen nahe beim absoluten Nullpunkt.
Zum Beispiel kühlen die Forschenden Quantencomputer oder Experimente mit supraleitenden Schaltkreisen mit flüssigem Helium, um die empfindlichen Quantenzustände stabil zu halten. Biologie und Medizintechnik benötigen Helium für die supraleitenden Magnete in den Magnetresonanzgeräten (MRI), um verlustfrei starke Magnetfelder zu erzeugen. So erhalten sie hochauflösende Bilder aus Organen oder Gewebe. Mit Helium gekühlte Kernspinresonanz-Spektrometer (NMR) ermöglichen es, die Struktur von Proteinen zu bestimmen (vgl. Box).
Angespannte Situation beim Helium – auch für die ETH
Die Eskalation des Kriegs im Nahen Osten beeinträchtigt nun seit Ende Februar die globalen Lieferketten für Helium – ebenso wie jene für Erdöl und Erdgas –, da die Strasse von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr faktisch blockiert ist.
Zusätzlich gibt es erhebliche Produktionsausfälle am Golf, seit Mitte März die Gas- und Flüssiggas- (LNG)-Anlagen im Iran und in Katar angegriffen wurden, die Erdgas fördern und Helium gewinnen. Helium wird nicht eigenständig produziert, sondern als Nebenprodukt der Erdgasförderung und der anschliessenden Flüssigerdgas (LNG)-Produktion abgetrennt.
Besonders stark ins Gewicht fällt der Ausfall der Ras Laffan-Anlagen in Katar, schliesslich deckte der Golfstaat 2025 rund ein Drittel der globalen Heliumproduktion. Kriegsbedingte Infrastrukturschäden an der katarischen Heliumaufbereitung führen daher unweigerlich zu einem Rückgang der weltweiten Produktion und zu einem erhöhten Preisdruck.
Umlagerungen am Heliummarkt betreffen die ETH
«Die Situation beim Helium ist angespannt, doch wir haben vorgesorgt. Derzeit sind unsere Heliumlager gut gefüllt, sodass wir mögliche Engpässe in den nächsten Monaten überbrücken können», sagt Janis Lütolf. Er leitet die technischen Betriebe des Departements Physik, zu dem auch das Team der Gasverflüssigung gehört. Dieses Team ist an der ETH Zürich für die Verflüssigung und die Beschaffung des benötigten Heliums zuständig.
Die ETH Zürich ist von den Produktionsausfällen und der Liefersperre am Golf nicht direkt betroffen, da sie ihr Helium zu einem guten Teil aus Algerien bezieht. Katarisches Helium wurde hauptsächlich in Asien abgesetzt. Um jedoch dort die Ausfälle aus Katar teilweise zu kompensieren, dürfte vermehrt Helium aus Algerien nach Asien umgeleitet werden. Diese Verlagerung und Verknappung auf dem globalen Heliummarkt treffen auch die ETH Zürich.
Verschärfend kommt hinzu, dass Helium ein knappes Gut ist. Es wird nicht eigenständig gefördert, sondern bei der Erdgas‑ oder Flüssigerdgas‑ (LNG‑)Produktion abgetrennt. Die Gewinnung konzentriert sich weltweit auf wenige Länder und Produktionsstandorte. Entsprechend anfällig ist die globale Versorgung bei Ausfällen einzelner Grossanlagen. Zugleich steigt die Nachfrage aus Medizin, Halbleiterindustrie und Forschung weltweit an.