WellenlaufzeitenGeschwindigkeitsanomalien seismischer Wellen unter der Toskana. © Lupi et al./ Communications Earth & Environment, CC-bync-nd 4.0

Die Analysen enthüllten tatsächlich eine Auffälligkeit: In acht bis 15 Kilometer Tiefe gibt es eine Zone, die die Wellen nur verlangsamt passieren. „Die Wellengeschwindigkeit war in rund zehn Kilometer Tiefe um rund 1,25 Kilometer pro Sekunde verringert – das entspricht einer Verlangsamung um 40 Prozent „, berichten die Geologen. „Ein so geringes Tempo geht gängiger Annahme nach auf das Vorhandensein von Magma oder partiellen Schmelzen zurück.“

Magmareservoir im Supervulkan-Maßstab

Das bedeutet: Unter der Toskana liegt eine riesige Magmakammer – ein unterirdisches Reservoir voll glutflüssigen Gesteins. „Unsere Resultate zeigen, dass das Kerngebiet unter Lardarello einen Anteil flüssiger Schmelze von mehr als 80 Prozent aufweist“, schreiben Lupi und seine Kollegen. Am Außenrand des zweiteiligen Reservoirs liegt der geschmolzene Anteil noch bei rund 20 Prozent.

Insgesamt könnte die Magmakammer unter der Toskana rund 6.000 Kubikkilometer Magma enthalten. „Sie hat damit ein ähnliches Volumen wie einige der größten eruptiven Systeme weltweit“, erklären die Forschenden. Dazu gehören die Yellowstone- und Long Valley-Supervulkane in den USA und der Taupo-Supervulkan in Indonesien. Andere geophysikalische Merkmale des toskanischen Magmareservoirs – darunter die seismische Aktivität und Gasaustritte – ähneln denen in den Campi Flegrei bei Neapel.
MagmareservoirSo sieht das Magmareservoir unter der Toskana aus. © Lupi et al./ Communications Earth & Environment, CC-bync-nd 4.0

Warum gab es keine Eruption?

Das Merkwürdige jedoch: Anders als die bekannten Supervulkane zeigst das Magmareservoir der Toskana keinerlei Anzeichen für eine größere Eruption. „Der Grund, warum diese enorme Menge an schmelzflüssigem Magma dort nie zu einem Ausbruch führte, ist rätselhaft und strittig“, erklären Lupi und sein Team. Sie vermuten, dass die besondere geochemische Zusammensetzung des Magmas dafür eine Rolle spielte.

Ihren Analysen zufolge muss die toskanische Gesteinsschmelze sehr zähflüssig und eher kühl sein. „Solche Magmen können sich in der oberen Kruste ansammeln und eine visköse Barriere bilden, die den weiteren Aufstieg von Schmelzen verhindert“, erklären sie. Dies würde erklären, warum es in der Toskana zwar Geothermie und heiße Flüssigkeiten im Untergrund gibt, aber weder eine Caldera noch Ablagerungen einer vergangenen Supervulkan-Eruption.

Nach Einschätzung der Forschenden sorgt diese spezielle geologische Struktur dafür, dass auch in naher Zukunft kein Ausbruch dieses Magmareservoirs zu befürchten ist. (Communications Earth & Environment, 2026; doi: 10.1038/s43247-026-03334-0)

Quelle: Universität Genf







16. April 2026

– Nadja Podbregar