Die Biberburg in den Langen Erlen.Die Biberburg in den Langen Erlen.

Bild: Kenneth Nars

«Dies ist nicht etwa ein Schlamm- oder Asthaufen. Hier hat sich ein Biberpaar eingerichtet und eine Biberburg erstellt.» Mit diesen Worten wird auf einer Infotafel des Landschaftsparks Wiese eine Absperrung erklärt. Seit diesem Jahr gibt es nämlich wieder eine entdeckte Biberburg im Kanton Basel-Stadt. Es haben sich mindestens zwei Biber in der Lange Erlen ihr Zuhause eingerichtet, sagt Maria Rohrer, Wildbiologin vom Amt für Wald und Wild beider Basel. «Es gab immer wieder Biberspuren in der Lange Erlen, dies ist jedoch die erste entdeckte Biberburg seit längerer Zeit.»

Bei der letzten nationalen Biberbestandserhebung im Jahr 2022 teilte der Kanton Basel-Stadt gemäss Rohrer 10 Biber in zwei Familienrevieren mit dem Nachbarkanton Basel-Landschaft. Insgesamt gibt es aber über 40 Tiere in Basel-Land und Basel-Stadt. In Deutschland an der Wiese würden schon seit längerem Biberbauten und Biberreviere existieren, so seien sie an der Wiese häufiger anzutreffen. Der Fund der städtischen Biberburg ist dagegen ein Novum.

Fotogene Basler Biber

«Durch die Fotofallen, die in den Wintermonaten aufgestellt wurden, konnten zwei Individuen gesichtet werden», sagt Rohrer. Ausserdem lasse auch die Grösse der Biberburg auf mindestens zwei Exemplare, möglicherweise auf ein Pärchen, schliessen.

Im Falle eines Pärchens liesse der Zeitpunkt der Entdeckung zudem weitere Hoffnung aufkommen, sagt Rohrer: «Da Biber zwischen April und Juni Nachwuchs bekommen, könnten vielleicht bald Biberjunge in den Langen Erlen unterwegs sein.» Die monogamen Nagetiere bekommen pro Wurf durchschnittlich zwei bis vier Junge. Die ältesten Nachkommen verlassen den Bau, um sich ein eigenes Revier zur Familiengründung zu suchen.

Am Gewässer fühlt sich der Biber wohl.Am Gewässer fühlt sich der Biber wohl.

Bild: Toni Duerrenberger

Herausforderungen für den Nachwuchs

Wie gross das Revier einer Biberfamilie ist, variiere stark, sagt Rohrer. Es sei abhängig von der Biberdichte sowie den verfügbaren Ressourcen (Menge an Gehölzen) und weiteren Bedingungen im Lebensraum (Gewässerstruktur, Uferbeschaffenheit).

Eventuelle Jungtiere der Basler Biberfamilie müssten sich also ein neues Revier suchen. Dies könnte im Kanton Basel-Stadt zur Herausforderung werden, wie Rohrer erklärt: «In Basel-Stadt ist das Potenzial der Biberbesiedlung entlang des Rheins und der Seitengewässer nicht gross, da diese stark verbaut oder gar eingedolt, also abgedeckt sind. Vielleicht wird sich ein Teil der abwandernden Jungbiber versuchen, sich dennoch dort zu etablieren, sie werden langfristig aber kaum erfolgreich sein.»

Die Jungtiere müssten eine anstrengende und gefährliche Reise auf sich nehmen. Die Nagetiere könnten nämlich keine Hindernisse übersteigen, die höher als 30 bis 40 Zentimeter sind, und würden sich dazu Gefahren wie Autos oder Schiffsschrauben ausgesetzt sehen.

Rücksicht als oberstes Gebot

Die Biberburg zu entdecken, ist nicht schwer. Spazierende müssen sich Mühe geben, nicht darüber zu stolpern, denn die Biber haben praktisch auf einem Weg gebaut. Deshalb sei Rücksicht besonders wichtig, erklärt Rohner: «Der Biberbau vor Ort kann schnell mit einem Schlammhaufen verwechselt werden. Deshalb ist es enorm wichtig, die Biberburg nicht zu betreten, in Bibergebieten vorsichtig zu sein und Abstand und Hunde an der Leine zu halten, keine Veränderungen im Gebiet zu verursachen und die Biber, wie alle Wildtiere, nicht zu füttern.»

Rohrer betont aber neben der wichtigen Rücksichtnahme auch die Möglichkeit, die sich naturfreudigen Baslern und Baslerinnen nun biete. Es sei eine Chance für eine schöne Beobachtung in einem spannenden Naturraum: «Solche Naturerlebnisse sind möglich, solange man mit Rücksicht handelt. So können Menschen und Biber in einem möglichst störungsarmen Nebeneinander von Erholungsnutzung und Wildtierlebensraum koexistieren.»

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